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Rezension:Yoko Ono. Die Biografie - Nicola Bardola

Heute am 80. Geburtstag von Yoko Ono möchte ich die Biografie des Schweizer Autors Nicola Bardola über diese große Dame der Kunstszene rezensieren. Die Biografie, das möchte ich vorwegschicken, liest sich sehr spannend und ist außergewöhnlich faktenreich. Der Autor versucht bei allen Fakten aber auch die Seele dieser Frau zu erfassen und ich meine, das ist ihm gut gelungen. Hauptsächlich aber hat Bardola mit all den Vorurteilen aufgeräumt, die alte Beatles-Fans mit dem Namen Yoko Ono verbinden.

Seine Biographie hat er in drei große Abschnitte untergliedert, die ich hier im Vorfeld kurz nennen möchte:

Liebe, Fluxus und Grapefruit
Bottoms, John und die Beatles
Neubeginn, Tod und Kontinuität

Es liegt mir fern, die Biografie an dieser Stelle zusammenzufassen, wer einen schnellen Überblick haben möchte, kann sich diesen auf den letzten Seiten des Buches verschaffen. Gefallen hat mir, dass Bardola sein erstes Kapitel mit dem Satz beginnt "Es gibt kaum eine Künstlerin der Gegenwart, die so oft das Wort "Love" verwendet wie Yoko Ono". Man liest dann sogleich von ihren spektakulären Performances, die sie nicht selten mit einem Taschenlampenritual beginnt, um nach einem von ihr vorgegebenen Rhythmus, das Publikum zu der "I love you"-Botschaft zu motivieren. Dabei begreift man Onos Bemühen, immer wieder an die Liebe zu erinnern erst richtig, wenn man sich mit ihrer Herkunft aus großbürgerlichem Hause näher befasst hat. Sie kann ihre hochherrschaftlichen Vorfahren bis ins neunte Jahrhundert zurückverfolgen, wurde also von Lennon nicht in die Upper-Class emporgehoben, sondern war schon immer dort. Doch sie scheint in ihrer Kindheit in einer kalten, sterilen Atmosphäre aufgewachsen zu sein und deshalb auch hat sie schon bald erkannt, dass das, was man wirklich benötigt, die Liebe ist.

Man liest von Yoko Onos hervorragender Ausbildung, liest aber auch, dass sie in Tokoi in einem Bunker den Abwurf der Atombomben 1945 überlebt hat, bei dem in dieser Stadt allein 100 000 Menschen ihr Leben verloren haben. Sie erlebt als Ausgebombte auf dem Land erstmals Mobbing, erlebt auch, was es bedeutet, seine Habe zu verlieren und lernt schon früh, dass nichts auf der Welt Bestand hat. 1952 beginnt sie als erste Frau an der Gakushuin- Universität ein Philosophiestudium, das sie abbrechen muss, weil ihre Familie nach New York geht. Hier dann belegt sie am elitären Sarah-Lawrence Collage Philosophie und Komposition. Man erfährt in diesem Abschnitt viel über die damalige künstlerische Entwicklung, auch dass sie früh schon Grenzgänger liebte, die die Regeln der Tonkunst brachen. Man erfährt des Weitern, wen sie mochte und wen eher nicht, liest über ihren Eigensinn, auch darüber, dass sie sich recht bald für ihren eigenen Weg entschied, sich nicht von ihrer Familie unterstützen ließ, die Armut einer jungen Künstlerin zuließ, zwar vielleicht mit dem Bewusstsein einer alten Familie anzugehören, aber ohne deren materielle Unterstützung einen Weg zu gehen bereit war, der sie bei allen Untiefen aufgrund ihres Könnens und ihres Willens in den Olymp der Kunstszene emporhob. Ein langer, sehr steiniger Weg. Respekt.

Auf ihre unterschiedlichen Arbeiten, auch auf ihre Ehemänner und ihre Liebhaber werde ich im Rahmen eines Interviews mit dem Autor des Buches näher eingehen, dann auch Detailfragen zum Buch stellen, die einfach den Rahmen einer Rezension sprengen.

Liest man die Biographie, wird einem sehr schnell bewusst, dass die Zeit mit John Lennon nicht ihr Leben war, sondern ein Teil ihres Lebens. Yoko Ono lässt sich nicht nur als Witwe eines großen Musikers definieren. Sie hatte und hat ein schöpferisches Leben vor und nach seinem Tod geführt. Das macht das Buch deutlich. Klaus Vormann sagt: "Yoko hat John gerettet" (S.: 140) und weiß gewiss, was er sagt, denn er stand den Beatles bekanntermaßen sehr nahe.

Die Imagination, sprich die Vorstellung und das Wünschen sind die Leitmotive in Yoko Onos Werk; (vgl.: S. 221). Sie möchte durch all ihr Tun an die Liebe und den Frieden appellieren. Ihre Werke begreift sie dabei als eine Form von Wünschen. Die Musikerin und bildende Künstlerin, die so viel in ihrem Leben erlebt hat, möchte Friedenlichter im unseren Herzen entzünden, weil man auf diese Weise die Gewissheit hat, nicht allein zu sein.

Eine gelungene Biographie über eine Frau, deren philosophischer Ansatz zeigt, dass sie aus ihren Erfahrungen im 2. Weltkrieg kluge Schlüsse gezogen hat, zu denen manch anderer leider nicht in der Lage war.

Empfehlenswert.

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Rezension:Veruschka: Mein Leben (Gebundene Ausgabe)

Jörn Jacob Rohwer führt in diesem reich bebilderten Buch Gespräche mit Vera Gräfin von Lehndorff, dem teuersten Fotomodel aller Zeiten. Diese sehr aparte Frau zierte einst Millionen von Seiten in Hochglanzmagazinen. Bislang kannte man nur ihr Gesicht, ihren Körper und ihren Namen. Jetzt aber berichtet sie von ihrem Leben, das 1939 in Ostpreußen seinen Anfang nahm.

Sie erzählt von ihrem Vater, der sich dem Widerstand gegen Hitler angeschlossen hatte und seitens der Nazis 1944 durch den Strang hingerichtet wurde. Sie berichtet von ihrer Mutter, die vor der Eheschließung mit Veras Vater eine Liebesbeziehung zu einem jüdischen Arzt hatte und nach der Hinrichtung ihres Gatten völlig traumatisiert war. Vera spricht des Weiteren über ihre frühe Kindheit in Ostpreußen, die sie dort im elterlichen Schloss verbrachte und auch davon, dass sie nach dem Attentat auf Hitler in ein NS-Kinderheim nach Bad Sachsa verschleppt wurde. Im Dezember 1944 wurde sie und ihre Schwestern zu ihrer Großmutter nach Conow in Mecklenburg-Strelitz überstellt. Die Ostpreußin berichtet vom Kriegsende, den zahlreichen Schulwechseln und ihrer Aufnahme in Fachschule für Gestaltung in Hamburg. 1956 entstanden dann kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag die ersten Modefotos. 1958 ging sie nach Italien, beendete ihre Ausbildung vorzeitig, mit dem Ziel vor Augen Karriere als Mannequin oder in der Kunst zu machen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf Einzelheiten des Buches eingehen, um die Spannung nicht unnötig zu mindern. Es interessant zu erfahren, wie aus Vera allmählich "Veruschka" wurde, eine Frau, die auftrat, als habe sie Zeit und sei auf Jobs nicht angewiesen. Veruschka schildert ihren Aufstieg als Fotomodell, berichtet von ihrer Begegnung mit Dali, ihrer Affäre mit Peter Fonda, ihrer Zusammenarbeit mit Richard Avedon im Jahre 1966. Von Lehndorff begreift die 23 Seiten, die sie mit ihm zusammen für die März-Nummer 1967 der amerikanischen "Vogue" fotografierten, als den Höhepunkt ihrer Arbeit. Sie beschreibt diesen Fotoshoot ausführlich, den man auf Seite 153 dann bewundern kann. Veruschka ist eine Schönheit, war es nicht nur in den 1960er Jahren. Damals trat sie übrigens sogar in "Blow Up" (1966) auf der Leinwand auf.

Ende jenes Jahrzehntes suchte sie nach einer Neuorientierung in ihrem Leben, verliebte sich in den Künstler Holger Trülzsch. Gemeinsam mit ihm experimentierte sie mit Farbe und entdeckte die Körperbemalung als Gestaltungsmöglichkeit für sich.

Sie schreibt von der Kunstszene in New York, den vielen Persönlichkeiten, die sie dort kennenlernte, ihrer ersten Ausstellung und, was sich danach ereignete. Ihre Intention soll ihr größtes Gut auf dem Weg zu ihrem Erfolg gewesen sein und ihr Aufbruch in die USA zunächst eine Fahrt ins Glück. Nirgendwo sonst war sie so beliebt, begehrt und umschwärmt. Geheiratet hat die Schöne nie. Sie blieb zumeist auf sich gestellt. Eine Ostpreußin vom Schlage der Gräfin Dönhoff, nicht nur was die Ehelosigkeit anbelangt.

Empfehlenswert.

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Rezension: Juliette Gréco - So bin ich eben.

Diese spannend zu lesende Autobiographie hat die 85 jährige, französische Intellektuelle, Chansonsängerin und Schauspielerin Juliette Gréco (7. Februar 1927) verfasst. Sie ist das Enkelkind einer begüterten Großmutter, in deren Haus sie gemeinsam mit ihrer Schwester ihre frühe Kindheit verbrachte. Juliettes Eltern trennten sich wenige Jahre nach ihrer Geburt rasch wieder. Ihre Mutter war eine engagierte Widerstandkämpferin, die wegen ihres Engagements von ihrer Tochter sehr bewundert wurde, aber Juliette litt an deren Kälte. Sie fühlte sich von ihr nicht angenommen.

Dieses komplizierte Mutterverhältnis hat sich auf all ihre Liebesbeziehungen, die sie später mit Männern und Frauen gleichermaßen pflegte, offensichtlich ausgewirkt. In Bezug auf ihre Mutter, über die man im Buch Erhellendes erfährt, schreibt sie resümierend: "Für die Frau, die sie war, hatte ich immer Respekt; aber keinen für die Mutter, die sie war, sie war meistens abwesend, trotzdem faszinierte sie mich", (Zitat. S.25). In den Schilderungen der Tochter wird deutlich, dass die Mutter auch dann, wenn sie sich im gleichen Raum wie Juliette aufhielt, diese nicht wahrnahm und niemals ein Wort des Trostes für sie fand.

Die Autorin berichtet von den Kriegsjahren, der Gefangenschaft ihrer Mutter, schließlich ihrer Schwester und auch von ihr selbst seitens der Gèstapo. Gréco wurde in der Gefangenschaft körperlich sehr misshandelt. Auch darüber berichtet sie und davon, dass ihre Mutter und ihre Schwester Charlotte Ende Januar 1944 gemeinsam mit tausenden anderer Frauen ins Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt und kurz darauf als Zwangsarbeiterinnen ausbeutet wurden. Die Mutter und die beiden Töchter überlebten trotz all der Qualen den Krieg. Das ersehnte Familienleben fand aber auch dann nicht statt.

Gréco schreibt, was sich in Paris unmittelbar nach der Befreiung ereignete und unterstreicht: "Seit meiner Zeit im Gefängnis mache ich mir über die menschliche Natur keine Illusionen mehr." (Zitat: S.55).

Man liest von ihren jungen Jahren in Saint-Germain-de Prés nach 1945 und wie es dazu kam, dass sie Schauspielerin und Chansonsängerin wurde. Saint-Germain-de Prés war das angesagte Viertel in Paris in der Nachkriegszeit. Hier versammelten sich die Intellektuellen, hier lebte man den Existentialismus, die neue Bewegung, die für Freiheit und Verantwortung steht.

Im Café Flore empfingen das Paar Sartre-Beauvoir junge Intellektuelle. Darüber schreibt Gréco sehr plastisch und über all die Menschen, die sie hier kennen lernte, nicht zuletzt auch berühmte amerikanische Jazzmusiker, unter ihnen Miles Davis, der ihr Geliebter wurde, (vgl.: S.74).

Jean Paul Sartre hat Juliette Gréco, die damals als Muse von Saint-Germain-de Prés galt, dazu überredet Chansons zu singen. Sie wählte die Texte, die er ihr zur Auswahl gab, mit viel Gespür für intellektuellen Tiefgang aus. Gréco war schon als junge Frau sehr belesen. In den schwierigen Zeiten waren es die Bücher, die sie forttrugen und ihr neue Welten eröffneten, (vgl.: S.56).

Es macht viel Freude ihre Charakterisierungen verschiedener Menschen zu lesen, so etwa im Hinblick auf Sartre, Miles Davis, Léo Ferré aber auch Jaques Brel, mit dem sie eine tiefe Freundschaft verband und Serge Gainsbourg. Juliette Gréco ist eine gute Beobachterin und eine ebenso gute Analytikerin, das zeigen diese Charakterskizzen.

Die Texte ihrer Chansons sind teilweise in deutscher und französischer Sprache abgedruckt und in der Mitte des Buches hat man Gelegenheit, sehr schöne Fotos dieser hoch attraktiven Französin zu bewundern.

Gréco schreibt über ihre Musiker, ihre Textdichter, ihre Kollegen und Freunde, auch über ihre drei Ehemänner, zuallererst über den Vater ihrer Tochter, Philippe Lamaire. Sie trennt sich stets von ihren Männern und Liebhabern, wenn diese sie zu langweilen beginnen. Auch Michel Piccoli hat sie am Ende nur nur noch gelangweilt.

Die Autorin berichtet natürlich auch von ihren Filmen, die sie nicht nur in Frankreich drehte, berichtet von ihrer Beziehung zum Publikum, ihren Ritualen, dem Spiel mit ihrem Körper und wie sie mit ihrem Publikum bei Auftritten verschmilzt.

Gefallen haben mir ihre Gedanken zu ihrer persönlichen Freiheit und hier auch, dass sie nie in Geschlechtskategorien gedacht hat.

Ganz zum Schluss gibt sie den Lesern Einblick in das ABC ihres Lebens. Unter dem Buchstaben L findet sich auch der Begriff Lächeln. Juliette Greco definiert: "Ein Geschenk, das wir unseren Mitmenschen machen." Auf ihren Bildern lächelt sie sehr häufig und verdeutlicht damit, dass sie gerne schenkt. Das gelingt ihr deshalb so gut, weil sie ein wirklich freier Mensch ist.

Ein Buch einer interessanten und dabei klugen, schönen Frau, das ich sehr gerne empfehle.
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Rezension:Legendäre Gastgeberinnen und ihre Feste (Gebundene Ausgabe)

Autorin dieses reich bebilderten, farblich sehr edel gestalteten Buch ist die Journalistin Claudia Lafranconi. Sie hat übrigens Kunstgeschichte in Bonn, Rom und Florenz studiert.

 "Legendäre Gastgeberinnen und ihre Feste" wurde nach kulturhistorischen Kriterien untergliedert. Im Rahmen von insgesamt vier Kapiteln werden berühmte Gastgeberinnen und ihre speziellen Verhaltensmuster kurzweilig porträtiert. Dabei nehmen die Salonièren den Anfang, denen die Extravaganten, die Kreativen und die First Ladys folgen.

Die Salonièren, unter ihnen Berta Zuckerkandl und Elsie de Wolf, luden in ihre Wohnung Intellektuelle, Schauspieler, Politiker und Künstler ein, um sich über kulturelle Themen auszutauschen. Die Damen waren allesamt hochgebildet und beabsichtigten nicht nur auf diese Weise Einfluss auf Politik und Kultur auszuüben, sondern auch Literaten, Musikern und Künstlern eine Plattform für ihre Werke zu geben. Zum Wesen einer Salonière gehört, dass sie Hof hält, Gespräche dirigiert und Kontakte zwischen den Menschen knüpft. Zur Sprache gebracht wird Berta Zuckerkandl, Elsie de Wolfe, Emarald Cunard, Gertrud Stein und Alice B. Toklas, wie auch Marie-Laure de Noailles, die dies alles perfekt konnten.

 Die Extravaganten entsprachen nicht den Normen ihrer Zeit. Aufgrund ihrer extravaganten Ideen inspirierten sie aber Künstler, Modeschöpfer und Designer zu Hochleistungen und gingen als Trendsetterinnen ins 20.Jahrhundert ein. Im Fokus stehen hier: Alva Vanderbild, Marchesa Luisa Casati, Elsa Maxwell, Diana Vreeland und Sao Schlumberger.

Interessanter als die Extravaganten finde ich allerdings die Kreativen. Genannt werden: Dorothy Draper, Lady Diana Cooper, Frida Kahlo, Lee Miller und Adele Mailer. Diese Frauen sollen ihre Talente keineswegs bloß auf der Bühne, mit Pinsel und Palette oder mit der Kamera unter Beweis gestellt haben, sondern eben auch auf den Festen, die sie gaben und hier beim Eindecken, Dekorieren und bei der Zubereitung von Speisen

Zum Schluss dann werden die First Ladys in ihrer Funktion als Gastgeberin beleuchtet. Die Frauen, um die es hier dann geht, sind: Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein, Marie-Hélène de Rothschild, Jacqueline Kennedy und Isa Gräfin von Hardenberg.

Deutlich bei allen wird, dass eine Grundvoraussetzung dafür, um als gute Gastgeberin zu gelten, ein gerütteltes Maß an Bildung- dazu zählt auch Herzensbildung und die Fähigkeit sich zurückzunehmen gehört. Seinen Gästen muss zuhören können und man muss für ihr Wohl sorgen, ohne dabei aufdringlich zu sein. Unterhalten, überraschen und verwöhnen zählen zu den Hauptaufgaben einer guten Gastgeberin, doch sie sollte auch logistische Fähigkeiten besitzen und diese keineswegs nur durch eine durchdachte Sitzordnung zum Ausdruck bringen. Die Gastgeberin gibt nicht nur, sie gestaltet und organisiert auch.

 Dieses Buch zu lesen, hat Freude bereitet. Als Liebhaberin gelungener Fotos bin ich natürlich entzückt von den Aufnahmen, mittels denen man einen Eindruck von den textlich bestens porträtierten Gastgeberinnen enthält.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Ein Jahr - ein Leben (Gebundene Ausgabe)

Am Mittwochabend, den 14.November 2012 werde ich im Literaturhaus Frankfurt die Schauspielerin Iris Berben und Christoph Amend, den Chefredakteur des ZEITmagazins, im Gespräch erleben. Diese beiden Personen haben sich ein Jahr lang regelmäßig getroffen. In gemeinsamen Gesprächen hat Berben Amend aus ihrem Alltag, von kommenden Plänen und alten Wünschen, von Erfolgen und Niederlagen, von prägenden Begegnungen und politischer Courage berichtet, fast das Literaturhaus in seiner Programmvorschau zusammen. Diese Gespräche sind im vorliegenden Buch nachzulesen.

Die Interviews habe ich am Wochenende studiert und habe nun eine Vorstellung davon, was diese schöne und dabei intelligente Frau seit vielen Jahren umtreibt.

 Mich haben weniger ihre Erfolge und Niederlagen interessiert, sondern mehr ihr Denken und ihre Empfindungen und hier nicht so sehr, im Hinblick auf ihr Alter, sondern eher, bei Fragen wie etwa: "Was bedeutet Ihnen Literatur?"

 Berben definiert auf sehr kenntnisreiche Art den Begriff "Rock 'n' Roll", der in ihren Augen für Gefühle steht, die man nicht kontrollieren kann, (vgl.: 72). Die Schauspielerin gesteht, dass sie in ihrem Beruf viel Kontrolle benötigt und aus diesem Grund pausenlos in Kontrolllosigkeit eintauchen möchte, (vgl.: S.73).

Interessant fand ich, dass Berben, obschon sie ja einen sehr engen und guten Kontakt zu ihrer Mutter pflegt, nie mit dieser über das Thema Nationalsozialismus gesprochen hat und auch nie über ihre Lesungen gegen das Vergessen des Holocaust. Wieso hat sie privat die Sprachlosigkeit diesbezüglich nicht überwinden können, in der sie groß wurde und die sie öffentlich offenbar ohne Probleme hinter sich gelassen hat?

 Es ist natürlich immer wieder interessant über ihre vielschichtigen Berufserfahrungen zu lesen, auch über ihre Charakterisierungen von Menschen, die ihr im Laufe ihres Lebens begegnet sind, so etwa Karl Lagerfeld, den sie vor mehr als zwei Jahrzehnten kennen lernte oder Peer Steinbrück, den sie schon 50 Jahre kennt.

 Im Hinblick auf Lagerfeld meint sie: "Ja, Ausnahmemenschen wie er saugen andere aus. Sie sind unendlich neugierig, voller Leidenschaft, unkonventionell, gierig, das gehört wohl dazu. Das Wort "vernünftig" würde mir bei ihnen jedenfalls nicht einfallen. Es ist ohnehin ein Wort, das vorherrscht, finden Sie nicht? " (Zitat: S. 110).

Der Sommermensch Iris Berben liebt den Kinderwinter und ganz einfache Zeitgenossen, die ihr aufrichtig entgegen kommen. Wer liebt solche Personen nicht? Kann man solche Menschen in der Gesellschaft, in der sie sich bewegt, finden? Sicher und zwar dann, wenn man sich wie Berben glaubhaft für Mitmenschlichkeit engagiert. Dann nämlich schwingt man mit dem Nicht-Oberflächlichen, begegnet Menschen, die man ansonsten eher übersieht.

 Berben hat Pascal Mercier gelesen. Das Buch hat sie tief berührt. Sie sagt, dass sie viele Antworten auf Fragen in Büchern gefunden habe und bei ihr jeder Autorenname, jedes Buch mit einer Erinnerung verknüpft sei, die sie begeistere, verstöre oder wütend mache. Es sei auch möglich, dass sie sich in einem Buch wiederfinde, (S. 131).

 Berben gibt zudem Auskunft über ihre Liebe zur Kunst. Ihr Zugang hierzu sei emotional. Sie berichtet über Bilder, die sie erworben hat, darunter solche von Elvira Bach. Zu diesen Werken zählt das Bild "Zweifel". Dieser Begriff, so sagt sie, sei ihr Lieblingswort. Das macht mir Iris Berben besonders sympathisch, denn Menschen, die zweifeln, sind  keine Rechthaber. Viel Sympathie habe ich für ihr Engagement im Hinblick auf die Juden. Dazu gehört auch heute noch Mut. Ich liebe Menschen, die Mut haben. Die Gespräche zeigen, dass diese Schauspielerin eine zutiefst nachdenkliche Frau ist, die ihren Bekanntheitsgrad für gute Zwecke nutzt. Berben ist keine Diva, sondern eine Persönlichkeit, der es gelungen ist, die Ideale der
68er Generation vielschichtig umzusetzen. Empfehlenswert. 

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Rezension: Frauen, die denken, sind gefährlich und stark (Gebundene Ausgabe)

Gut, dass der Titel des Buches nicht von einer Frau kreiert worden ist, sondern von dem promovierten Germanisten Stefan Bollmann, dem Autor dieser Kurzbiografien. Ich hätte diesen Titel nicht gewählt, weil ich ich davon überzeugt bin, dass nur kopflose Menschen (aufgrund ihrer Unberechenbarkeit) gefährlich sind

Dr. Bollmann porträtiert in fünf Kapiteln: Vordenkerinnen eines neuen Zeitalters, mutige Frauen in der Wissenschaft, Kämpferinnen für die Rechte der Frauen, rebellische Zeitzeuginnen und politisch mächtige Frauen. Insgesamt sind es 25 Kurzbiografien, die den Leser erwarten. Für gefährlich, wie schon erwähnt, halte ich keine dieser Damen, aber ich halte alle für hochbegabt und mutig

Den fünf Kapiteln geht ein Vorwort des Autors voraus, in dem das Konzept des Buches erläutert wird. Anschließend lernt man zunächst die Porträts über die Friedensforscherin Bertha von Suttner, die Psychoanalytikerin Lou Andreas Salomé, die Philosophin Ayn Myrdal, die Philosophin Simone de Beauvoir, die Anthropologin Magret Mead und die politische Theoretikerin Hannah Arendt kennen. Das sind lt. Dr. Bollmann Vordenkerinnen, deren Lebensgeschichten unauflösbar mit dem Ersten Weltkrieg verknüpft sind. Nicht unerwähnt lässt er, dass es nicht zuletzt die Analysen von Frauen wie Margret Mead und Simone de Beauvoir waren, die maßgeblich zur Liberalisierung unserer Lebensverhältnisse beitrugen.

 Besonders mutig waren wohl Marie Curie und Lise Meitner im Hinblick auf die Entdeckung der Radioaktivität, zwei Frauen, die ihren Begabungen gemäß agierten, trotz der Gefahren, denen sie sich aussetzten.

Über die Kämpferinnen für die Rechte der Frau hat man ja schon viel gelesen. Unter den im Buch thematisierten Personen befinden sich auch Olympe de Goughes und Emmeline Pankhurst. Dass auch all diese Frauen mutig waren, lässt sich nicht in Zweifel ziehen. Das gilt auch für rebellische Zeitzeuginnen, wie die von mir hochgeschätzte Susan Sonntag, die sehr gut porträtiert worden ist. Dies meine ich beurteilen zu können, weil ich mich mit deren Vita vor einigen Jahren ausführlich befasst habe.

Ich schätze Hannah Arendt besonders, die sich stark mit den Zusammenhängen von Antisemitismus, Faschismus und totalitärer Herrschaft auseinander setzte. Auf die "Banalität des Bösen", wie sie es nannte, antwortete sie mit einem Gegenentwurf einer Urteilskraft in weltbürgerlicher Absicht. Wie Dr. Bollmann so treffend formuliert, verband sie die alte Maxime der Aufklärung sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, mit einem Sinn für Pluralität, d.h. der Fähigkeit "sich an jeder Stelle jedes anderen denken" zu können, (vgl. S. 43). Ein solch philosophischer Ansatz entspricht meinem eigenen Denken.

 Dieses reich bebilderte Buch sollte man jungen Frauen in die Hand geben, damit ihnen bewusst wird, mit welchen Schwierigkeiten hochbegabte Frauen in vergangenen Zeiten zu kämpfen hatten. Vielleicht weiß man die eigene Freiheit besser zu würdigen, wenn man sich die Widerstände verdeutlicht, die leistungsstarken Frauen in vergangenen Zeiten entgegengebracht wurden.

Empfehlenswert.

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Rezension: Roger Willemsen- Momentum

"Immergrün blüht die Lyrik unter der Vegetation." (Roger Willemsen, S.53).

Erster Traum: "Im Traum liebe ich Ursula Andress in einem Einbaum. Zu beiden Seiten schwimmen die Elendsbauten eines südamerikanischen Dschungels vorbei. Zwischen den Hütten hat sich eine johlende Menge von Zuschauern versammelt, die uns anfeuert. Aber mir ist auf Ursula alles Gesicht und Becken und Bäume. Zwischendurch führt sie immer wieder geschäftliche Unterredungen am Telefon, macht aber weiter. Deshalb nehme ich trotzig ein Buch heraus und lese demonstrativ. Aus den Buchseiten aber quellen immer mehr Köpfe von Leuten, die rufen: Gut gemacht! Weiter so! Nicht nachlassen! Ich muss das Buch zuklappen und öffne die Augen im selben Augenblick, “ (S.123/124). 

Zweiter Traum: "Im Rausch war ich neulich zwei: ich und meine Frau. Ich legte den Kopf auf den Busen meiner Frau und sagte mir selbst, dass das angenehm sei. Später tötete ich Michel Foucault und fand beides gleich furchtbar: das ich ihn getötet hatte und das er tot war. Dann legte ich mich hin und träumte zweimal, ich sei in Gesellschaft mit nichts als einer Unterhose. Im Traum erschien mir das lässig. Erst an den Blicken der Gäste erkannte ich: war es nicht. Als ich den Traum zum zweiten Mal träumte, sah ich an mir herunter und dachte: Nicht schon wieder,"(S. 150) 

Ich möchte diese beiden Träume des Autors meiner Rezension bewusst voranstellen, weil sie sehr viel über ihn aussagen. Der Intellektuelle, der auf seinen vielen Reisen weltweit zahllose Eindrücke und Erfahrungen sammelte, beobachtet die Welt unvoreingenommen, lässt sie auf sich unbefangen in ihrer Gesamtheit wirken, schreibt Momente, die ihm spontan  in den Sinn kommen, nieder, ohne sich dabei vollständig zu entblößen. Er sieht und hört überall auf dieser Welt genau zu, ist achtsam und es bohren sich Sätze in seinen Kopf wie etwa jener: „Heute werde ich dich mit Gier genießen“ (S.135). Diese Sätze vergisst er nicht. Natürlich frage ich mich im Stillen, ob er den Satz in seinen Andress-Traum einst eingebunden hatte und uns Lesern ihn nun unterschlägt, aus den Gründen, die wir seinem zweiten Traum entnehmen können. 

Roger Willemsen macht in diesem Buch Spaziergänge durch seinen Kopf und lässt uns daran teilhaben. Eine Fülle kleiner Momentaufnahmen reiht er aneinander, ohne dass dabei wirklich klar wird, zu welchem Zeitpunkt er dies oder jenes erlebt hat. Dichtung und Wahrheit  stehen eng beieinander, wie stets bei Erinnerungen. All diese Momente führen ein quirliges Eigenleben in seinem Kopf, haben aus ihm den Mann gemacht, der er heute ist: viel jünger als die meisten seiner Altersgenossen, viel heiterer, weitaus kommunikativer. Das Kind in ihm ist nicht gestorben, das macht ihn so ungemein sympathisch. Sein Buch ist ein Beweis dafür, dass Weltoffenheit und Neugierde noch immer die Quellen des Jungbleibens für uns sein können. Das müssen wir uns alle bewusst machen. 

Der Geschichtenerzähler schreibt über seine Eindrücke, die er fast überall auf dieser Welt gesammelt hat, beschreibt die Bilder, die sich in seinen Kopf eingebrannt haben, betreibt Kunstbetrachtungen, schreibt über unzählige Orte und Menschen, die er dort überall traf, skizziert Dialoge, streift diskret seine Beziehungen, schreibt über all das, was ihn erkennbar für alle zum Leuchten bringt: seine Aufgeschlossenheit gegenüber allem Neuen. 

Roger Willemsen ist ein wortreicher Mensch mit viel Poesie, der die ungezählten Augenblicke seines Lebens, keineswegs chronologisch aufgliedernd, in diesem Buch in bunten Sätzen wiedergibt, ohne das Gesehene zu sezieren. Er ist kein Chirurg, sondern ein kunstsinniger Mensch, der die Gegensätze der Welt durch seine Sprache harmonisch zusammenfügt und uns lehrt, unbefangen über die Vielfalt in dieser Welt zu staunen. 

Manchen Dingen steht er skeptisch gegenüber, niemals  aber der Liebe, gleichwohl  jedoch dauerhaften Beziehungen, wie es scheint. Für ihn gilt:“Glücklich wirken Paare  oft, wenn sie sich noch auf der Suche nach ihrer Zusammenhörigkeit befinden.“ (S.231). Eine gewisse Skepsis hat er gegenüber Städten, die nach seiner Ansicht auch aus Einsamkeit und Sehnsucht gebaut werden, (vgl.: S. 238). 

In seinen Lebensbetrachtungen „Momentum“ erwähnt der 57 jährige die Schlichtheit, die alte Menschen mitunter besitzen. Nicht selten würden sie in Sentenzen sprechen und ihre Erkenntnisse in einfachen Geschichten sammeln, (vgl.: S.311). Weshalb nicht in der Jugend des Alters mit dem Geschichtenerzählen beginnen und seine Leser noch 40 oder 50 Jahre damit erfreuen? Wer die ganze Welt gesehen hat, benötigt ein halbes Leben, um all die Eindrücke zu Papier zu bringen. Als Leserin  bin ich sehr neugierig, was noch kommen wird. 

Empfehlenswert.

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Rezension: Richard L. Brandt Mr. Amazon

Seit meiner Jugend bewundere ich zielstrebige, erfolgreiche Menschen. Dabei hat mich stets interessiert, wie diese Personen ticken. Festgestellt habe ich, dass wirklich erfolgreiche Menschen vieles gemeinsam haben, hauptsächlich den unverbrüchlichen Glauben an ihren Erfolg in einer Sache, selbst wenn der Weg steinig ist.

 Überragender Erfolg, wie jener von Jeff Bezos, dem Gründer von amazon.com, setzt Mut, überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft und ansteckenden Enthusiasmus voraus. Bezos hat offenbar eine Menge von allem, zudem verfügt er über brillante strategische Fähigkeiten. 

 Der Autor Richard L. Brandt porträtiert in seinem Text diesen hochintelligenten Amerikaner und in diesem Zusammenhang den Aufstieg von amazon.com. Da im Buch keine Bilder von Besoz zu finden sind, habe ich mir bei Google einen optischen Eindruck verschafft und war hocherfreut, einen gut gelaunten Menschen, der ganz offensichtlich gerne lacht, zu erblicken. Wer so vergnügt ist, erfüllt eine Grundvoraussetzung um kreativ zu sein.

 Im Buch erfährt man, dass Bezos mit einer außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit gesegnet sein soll. Schon in jungen Jahren galt er als Bücherwurm und soll schon damals einen außerordentlichen Wettbewerbsgeist besessen haben. Er studierte in Princeton und schloss sein Studium mit Note 1 ab. 

 Ich möchte an dieser Stelle nicht die Einzelheiten seines Werdegangs nachzeichnen, um die Spannung beim Lesen nicht zu minimieren. Auf jeden Fall hat Bezos im Alter von 30 Jahren 1994 amazon.com gegründet. Im Vorfeld suchte er nach etwas, das sich nur im Internet machen ließ und in der physischen Welt nicht kopierbar war. Es waren Bücher, die er für sein Projekt fand, (vgl.: S.49). 

 Brandt nennt die einzelnen Kriterien, die für den Handelsfluss des künftigen Unternehmens im Internet notwendig waren. Nicht zuletzt musste eine Bücherbank erstellt werden und vieles andere mehr, um den Bestellservice für Bücher zu schaffen, der als Bestellort das Internet nutzte. Bezos machte einen Einführungskurs in den Buchhandel, nutzte seine Erfahrungen im Online-Einkauf und begann mit zwei Ingenieuren und seiner Frau in einer Garage die heutige Weltfirma aufzubauen. 

 Man liest, wie es zum Firmennamen kam und auch von der kostspieligen Investition in die Entwicklung der Software. Amazon startete mit einer Datenbank von mehr als einer Million Büchern. Man erfährt des Weiteren wie Bezos immer wieder Schwierigkeiten unterschiedlicher Art meisterte. Für ihn war von Anfang an klar, dass die Kundenbedürfnisse Priorität hatten. 

 Wie das Unternehmen allmählich wuchs, ist packend beschrieben und auch, dass die Firma stets auf strikte Kostenminimierung setzte. In den Anfangszeiten beantwortete Bezos übrigens Mails von Kunden mit Fragen, Anregungen und Beschwerden noch selbst. Interessant auch seine geniale Idee einen Teil der redaktionellen Arbeit an seine Kunden weiter zugeben. 

Das Vertrauen an die Urteilskraft seiner Kunden, beschenkte ihn mit immer neuen Kunden, die bei amazon.com Bücher kauften. 

 Sympathisch finde ich an Bezos u.a. , dass er bereit ist, neue Ideen anzunehmen, egal aus welcher Quelle sie stammen, (vgl.: S.88). Diese Eigenschaft wird ihm sein ganzes Leben Erfolg garantieren, sofern die Infokanäle zu ihm offen bleiben. 

 Man liest vom Aufbau der Website und von dem Mantra des schnellen Wachstums, liest auch davon, dass Besoz in seiner schnell wachsenden Firma nur die Besten rekrutierte. Des Weiteren erfährt man von seinen riesigen Investitionen. Bereits im Dezember 1999 wählte das "Time Magazin" ihn zur "Person des Jahres". Damals verkaufte er bereits 18 Millionen unterschiedliche Artikel über seine Website. 

 Es ging spannend weiter, nicht zuletzt auch durch sein Baby "Kindle" über das man auch viel Wissenswertes erfährt. Heute verkauft amazon.com weitaus mehr als nur Bücher. Um seine Erfolge wird Bezos natürlich beneidet und seine Konkurrenten gehen mit ihm nicht zimperlich um. Jeff Bezos ist heute einer der reichsten Manager der Welt. Er wurde es, weil er an seine Idee glaubte und weil für ihn sein Job niemals ein öder Alltag ist und seine Firma kein fertiges Produkt. 

Der gut gelaunte Mann wurde so erfolgreich, weil er immer wieder nach Sternen greift, diese anlacht und die Sterne ihm genau deswegen hold sind. Jeff Bezos schwingt mit den guten Sternen. 

 Empfehlenswert. 

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Rezension: Mick Jagger- Marc Spitz


Der Musikjournalist und Autor mehrerer Bücher Marc Spitz hat eine bemerkenswerte Biografie über Mick Jagger verfasst. Dabei ist es ihm gelungen, die vielen unterschiedlichen Facetten des nicht unproblematischen Wesens dieses Rockstars von gut bürgerlicher Herkunft herauszuarbeiten.

Bevor ich die Biografie las, habe ich mich in die vielen Schwarz-Weiß-Fotos im Buch vertieft, die 1960 ihren Anfang nehmen und vermuten lassen, dass das Leben dieses Mannes in den letzten 50 Jahren ziemlich ausschweifend gewesen sein muss, speziell wenn man sich die letzte Aufnahme, gewissermaßen das Ergebnis, realisiert 2011, des heute 69 jährigen vor Augen führt. Ich musste spontan an Dorian Gray denken. Und doch verlief das Leben Jaggers anders, war nicht primär von Savoir-vivre geprägt, sondern zuallererst von der absoluten Hingabe an die Musik, die unzählige Auftritte und Tourneen durch die ganze Welt mit sich brachten. Jagger blieb trotz all seiner spektakulären Auftritte letztlich der Sohn aus gutem Hause, der bestrebt war, Karriere zu machen und wusste, dass dies ohne Arbeit nicht möglich war.

Der Werdegang Jaggers wird bis ins Detail beschrieben und man erfährt alles über sein musikalisches Engagement, liest davon, dass Mick den Blues leben wollte und es wohl auch auf seine Art tat. Wie Sinatra und Holiday hat dieser Brite das perfekte Rhythmusgefühl von Beginn seiner Karriere an besessen. Jeder, der ihn tanzen sah, wird dies sofort bestätigen. Man liest von den Anfängen der Band, von der engen Freundschaft zwischen Keith und Mick und auch davon, weshalb nicht Brian Jones, sondern Jagger zum Star avancierte.

Frauen spielten im Leben Jaggers und in seiner Karriere eine nicht unwesentliche Rolle. Stets zur entscheidenden Zeit hatte Mick die entscheidenden Beziehungen, beginnend mit Chrissie Shrimpton, fortfahrend mit Marianne Faithfull, Bianca Jagger und so weiter und so fort. Vermutlich ging er in seiner Frauenwahl nicht berechnend vor, sondern er hatte einfach nur Fortune.

Jagger, der Songschreiber, Sänger und Musiker vermochte sich wie kein anderer in den Zeitgeist der 68er Jahre einzufühlen, ihn rhythmisch umzusetzen. Dies ließ ihn schon früh zur lebenden Legende werden.

Nach wie vor soll Mick Jagger eine Menge Ideen haben und auch genügend Energie sie umzusetzen. Das klingt vielversprechend. Harren wir also der Dinge, die da kommen.

Empfehlenswert. 

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Rezension:Lebenslauf (Gebundene Ausgabe) - Alice Schwarzer

An dieser Biographie habe ich viele Wochen lang gelesen und mich an mancherlei erinnert, was in punkto fortschreitendem Feminismus in den letzten Jahrzehnten für viel Aufregung sorgte. Ich war nicht immer einer Meinung mit den Positionen Alice Schwarzers, so etwa was die Bilder Helmut Newtons anbelangt. Möglicherweise bin ich in dieser Hinsicht zu blauäugig. Wie liberal dürfen wir sein?

Natürlich habe ich mir voller Neugierde zunächst die vielen Privatbilder im Buch angesehen. Alice war eine attraktive junge Frau. Ein Männertyp mit einem gutaussehenden, intelligenten Franzosen an ihrer Seite. Frauen ihres Typs sind in jenen Tagen eigentlich nicht auf die Barrikaden gegangen. Warum auch? Sie bekamen von Männern doch die Welt zu Füßen gelegt? So jedenfalls die landläufige Meinung.

Hatte Alice Schwarzer von Anfang an eine Mission oder entwickelte sie sich allmählich zu der Frau, die wir heute alle kennen? Diese Frage erhoffte ich durch die Lektüre des Buches beantwortet zu bekommen und bin diesbezüglich nicht enttäuscht worden.

Mit großem Interesse las ich von Schwarzers Kindheitseindrücken und ihrer Jugend. Der Weg als Journalistin war ihr nicht vorbestimmt. Sie besuchte die Handelsschule und war kaufmännisch tätig, wie so viele Mädels ihres Alters, aber sie besaß neben ihrer Intelligenz genügend Ehrgeiz einen Weg zu finden, auch ohne Abitur studieren zu können. In Frankreich ist dies möglich und so studierte sie vier Jahre hindurch Psychologie und Soziologie in Vincennes, nicht zuletzt auch bei Michel Foucault. Das Studium wird ihr bei ihren späteren gesellschaftspolitischen Betrachtungen sehr geholfen haben, war eventuell auch die Eintrittskarte für die Gesellschaftskreise, in denen sie sich später bewegte. Man kennt den akademischen Dünkel, der auch Franzosen nicht fremd ist. Waren ihre Freunde Sartre und Beauvoir von diesem Dünkel beseelt?

Schwarzer legte bei allem Intellektualismus immer Wert auf schicke Kleidung. Ein wenig eitel erwähnt sie dies, wenn auch verdeckt, immer wieder, wenn es um ihre jungen Jahre geht. Die Liebe zu hübschen Klamotten outet sie als Mensch, der um Attraktivität bemüht ist. Das macht sie mir zusätzlich sympathisch, weil sie mir zeigt, dass sie als Königin der Feministinnen, nie vergessen hat, dass sie stets eine Frau war mit entsprechenden Vorlieben. Geschminkt sein und ungeschminkt reden ist für sie kein Widerspruch. Kleingeistigkeit, die sich in gegenteiligen Forderungen oft schon ablesen kann, ist ihr fremd.

Ich möchte an dieser Stelle nicht das Buch nacherzählen. Gefragt habe ich mich natürlich wie groß der Einfluss Simone de Beauvoirs auf sie war und ob sie ohne diese Freundschaft möglichweise nicht zu einer Feministin, sondern eventuell zu einer Chefredakteurin bei "der Bunten" geworden wäre. Wie sehr werden wir im Laufe unseres Lebens durch andere geprägt? Was trieb Schwarzer zunächst an? Der Wunsch aus der Masse ihrer Geschlechtsgenossinnen herauszuragen oder der Wunsch ihren Geschlechtsgenossinnen zu helfen?

Dass sie uns allen geholfen hat, steht außer Zweifel. Sie schuf Bewusstsein in Sachen Schwangerschaftsabbruch und lässt trotzdem in ihrem Buch nicht unerwähnt, dass noch heute Abtreibung rechtswidrig ist, (vgl.: S.237). Sie schuf Bewusstsein durch ihr Buch "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen", das in zwölf Sprachen übersetzt wurde. Ich las es sofort, nachdem es veröffentlicht wurde und diskutierte den Inhalt mit Freundinnen. Schwarzer wurde zu unserem Vorbild, wenn es um freie Sexualität und die ökonomische Unabhängigkeit der Frau ging.

Ihre Karriere als Journalistin, Autorin und Verlegerin finde ich ebenso bewundernswert, wie ihr Engagement als Feministin. In ihren Betrachtungen ist sie immer noch am Puls der Zeit. Sie ist eine Selfmadewoman und als solche ein Vorbild. Ich habe die meisten ihrer Bücher gelesen und schätze ihren analytischen Verstand, der auch für die vorliegende Biographie bezeichnend ist.

Zudem liebe ich an ihr die heitere Gelassenheit, die sie auf all den Fotos und in Fernsehsendungen zum Ausdruck bringt. Als ich sie im letzten Jahr in Frankfurt auf der Buchmesse sah, wurde mir bewusst, dass es ihr Esprit ist, der sie so ungemein jung wirken lässt. Ihre Aura ist spürbar voller Jugend. Die Schützin wird dieses Jahr 70 Jahre alt. In ihrer Biographie zeigt sie, wie sie in den letzten Jahrzehnten die Pfeile aus ihrem Köcher mit viel Verstand einsetzte, um den alten Adam vom Thron zu holen. Es ist ihr gelungen. Adam lebt noch. Die Bewegung hat ihm gut getan. Er ist ein anderer geworden. Bravo, Alice Schwarzer!
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