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Rezension: #Kopernikus – Revolutionär des Himmels- #John_Freely- #Klett_Cotta

  
Autor dieses bemerkenswerten Buches ist John Freely. Der in Brooklyn geborene Physiker lehrt in Istanbul Physik und Wissenschaftsgeschichte. Zudem schreibt er eine Vielzahl von Reise- und Sachbüchern. 

Im Herbst 2015 ist bei Klett –Cotta die spannend zu lesende Biographie über den Ostpreußen Nicolaus Kopernikus (1473- 1543) erschienen. Dieser Universalgelehrte stellte in der Frührenaissance die bahnbrechende Hypothese auf, wonach die Erde und die übrigen Planeten die Sonne umkreisen. Mit besagter Hypothese brach er mit der geozentrischen Kosmologie. Sie hatte seit der Antike das Weltbild bestimmt. 

Seine heliozentrische Theorie veröffentlichte der Kopernikus 1543 in der Schrift "De revolutionibus". Diese führte zur sogenannten Kopernikanische Wende, die  Freely ausführlich erläutert. Zunächst wurde seine heliozentrische Astronomie nur von Kepler und Galileo akzeptiert. Auf diese Weise nahm sie Einfluss auf die wissenschaftliche Revolution im 17. Jahrhundert, die im neuen Weltbild Isaac Newtons, dem Beginn der modernen Wissenschaften, ihren Höhepunkt fanden. 

Das Buch erzählt die Lebens- und Schaffensgeschichte des bedeutenden Mannes, der einer der größten Universalgelehrten seiner Zeit und neben dem Philosophen Immanuel Kant  eine der wohl berühmtesten Persönlichkeiten Ostpreußens war.

Der sehr zurückgezogen lebende Domherr Kopernikus befasste sich mit Medizin, Sprachwissenschaften, Jura, Diplomatie, Politik, Mathematik, Naturwissenschaften, Kunst, Theologie und Astronomie und vereinte die die Erkenntnisse der Antike, der mittelalterlich-islamischen Welt mit den neuzeitlichen Naturwissenschaften. 

Ein erhellendes Buch über den Mann, der am 19. Februar  2016 vor 543 Jahren die Welt erblickte und  sie  durch seine Erkenntnisse wesentlich bereicherte.

Sehr empfehlenswert

Helga König

Das Buch ist im Fachhandel erhältlich
Onlinebestellung: Klett-Cotta oder Amazon

Rezension: Die Suffragetten -Sie wollten wählen und wurden ausgelacht- Antonia Meiners (Hrsg.) Elisabeth Sandmann

Rechtzeitig zum Start des Films "Suffragette", der im Februar in das Deutsche Kino kommt,  wurde seitens Antonia Meiners im Elisabeth Sandmann Verlag das Buch "Die Suffragetten" herausgegeben. Im Film mimt die legendäre Meryl Streep die berühmte Suffragette Emmeline Pankhurst, eine der Gründerinnen der britischen Frauenbewegung, deren Kampf für das Frauenwahlrecht die Leser staunen lässt. 

Ihr Buch untergliedert Meiners in drei Abschnitte. Dort stellt sie 26 Kurzporträts  von namhaften Frauenrechtlerinnen vor. 

Frauen der ersten Stunde 
Die Sozialistinnen 
Die Radikalen 

Mit Olympe de Gouges (1748- 1793) und Mary Wollstonecraft (1759- 1797) beginnt der Reigen und dokumentiert, das die Französische Revolution den Frauen  leider nicht zu ihren Rechten verholfen hatte. Diese mussten sie sich in den Jahrhunderten danach unter harten Bedingungen erst selbst erkämpfen. 

Im ausführlichen Vorwort listet die Herausgeberin jene Forderungen der Frauenbewegung auf, die alle Strömungen vereinten. Diese Forderungen skizziert sie  lobenswert einprägsam. Es handelt sich dabei um:

Recht der Frau auf Erwerbstätigkeit 
Verbesserung der Mädchenbildung 
Gleichstellung von Frauen und Männern vor dem Gesetz 
Bekämpfung bürgerlicher Doppelmoral 
Politisches Mitspracherecht 

In den drei Abschnitten sind die wesentlichen Gedanken der jeweiligen Protagonisten  den dann folgenden Kurzbiographien vorgeschaltet, damit man   schon in etwa weiß, worum es in der Folge geht. 

Neben Gemäldeablichtungen und alten Fotos der Frauenrechtlerinnen erhält man Einblicke in Originaltexte und Schriften der klugen Damen und es werden zudem immer auch Zitate hervorgehoben, die die Leser und Leserinnen beim ersten Durchblättern des Buches neugierig auf die Texte machen. 

Beispiele:

 "Wenn man den weiblichen Verstand schärft, indem man ihn bildet, ist Schluss mit dem blinden Gehorsam" Mary Wollstonecraft – (1759- 1797) 

"Wenn das Endziel der Frauenbewegung einmal erreicht ist, so wird es kein führendes Geschlecht mehr geben, sondern nur noch führende Persönlichkeiten" (Helene Lange, 1848-1930) 

Bücher mit  Lebensbeschreibungen  über Suffragetten gibt es nicht wenige. Was für den Kauf dieses Buches spricht, sind nicht nur die gut recherchierten  Kurzbiografien, sondern auch die eingestreuten Textauszüge der blitzgescheiten Frauen von einst. 

Das passive und aktive Wahlrecht war eines der grundsätzlichen Anliegen der Frauenbewegung. In der Auflistung der Daten zur Einführung des Frauenwahlrechts zum Schluss, darf man mit Verwunderung registrieren, dass Liechtenstein erst 1984 den Frauen das Wahlrecht zubilligte und auch die Schweiz sich lange Zeit ließ. Dort durften die Frauen erstmals 1971 zur Wahl gehen, in Finnland bereits 1906. 

Gefallen hat mir nachstehendes Zitat, das von Rosa Mayreder stammt: 

"Man wird erst wissen, was die Frauen sind, wenn ihnen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie sein sollen."

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich
Onlinebestellung: Elisabeth Sandmann oder Amazon

Rezension: Marixwissen- 100 Menschen die inspirieren und ohne die unsere Welt nicht unsere wäre.

Wie die sozialen Netzwerke und hier im Speziellen Twitter dokumentieren, besteht ein reges Interesse an Inspirationen durch Gedanken namhafter Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Täglich werden Tausende von Zitaten getwittert, die gewiss den ein oder anderen zum Nachdenken anregen oder sogar zu Verhaltensänderungen führen. 

Wer sich über das Leben solcher Persönlichkeiten kundig machen möchte, wird in diesem Buch durch  sehr gut recherchierte Kurzbiographien  darüber aufgeklärt, welche Lebenskrisen viele dieser Menschen durchleben mussten, um so weise zu werden, wie es ihre Sentenzen oft dokumentieren. 

Die spannend zu lesenden Lebensbeschreibungen sind in die Rubriken 
Antike und Mittelalter 
Renaissance und Aufklärung 
Das 19. und frühe 20. Jahrhundert 
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts 
untergliedert. 

Alle Kurzbiographien umfassen jeweils etwa drei Seiten. Dabei ist man erstaunt,  wie sehr doch trotz der knapp bemessenen Seitenanzahl in die Tiefe gegangen wird. Das gilt für das Leben Johann Wolfgang von Goethes gleichermaßen wie für das Leben und Wirken Hegels, Bertha von Suttners, Rabindranath Tagores und für all die anderen, die für dieses Werk ausgewählt wurden. 

Ein sehr gutes Buch, das ich gerne weiterempfehle. 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung: Marix-Verlag oder Amazon

Rezension: #Unbeugsame_Lehrerinnen- Frauen mit Weitblick- Luise_Berg_Ehlers- Eilsabeth_Sandmann

Die Autorin dieses spannenden Buches ist Dr. Luise Berg-Ehlers. Nach ihrer Promotion über Theodor Fontane war sie 40 Jahre im Schuldienst und in der Lehrerausbildung tätig. Dabei leitete sie 25 Jahre hindurch ein Gymnasium in Bochum. 

Ihr Werk "Unbeugsame Lehrerinnen" hat sie in fünf Kapitel untergliedert. Diesen ist eine aufschlussreiche Einleitung vorangestellt. Hier lässt sie die Leser gleich zu Beginn wissen, dass in den letzten 200 Jahren Lehrerinnen bzw. Frauen, die es werden wollten "im Kampf gegen Spott, Unterdrückung, Diffamierung, gegen Schwierigkeiten aller Art größte Entschiedenheit, Durchsetzungskraft und Stärke bewiesen." Ein ursächliches Motiv dafür,  scheint eine Aussage in einem Brief des Apostel Paulus zu sein. Er schrieb: "Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht (…) sie soll sich still verhalten." ( 1. Tim 2,12). 

Es waren Humanisten wie Erasmus von Rotterdam und Thomas More, die auf die Notwendigkeit hinwiesen, dass Töchter genau wie Söhne eine umfassende Bildung und Erziehung bekommen sollten. Doch leider war die gängige Vorstellung eine andere. Man unterstellte, dass Mädchen aufgrund ihrer psychischen und physischen Disposition unfähig seien, den intellektuellen Anforderungen des Unterrichts zu entsprechen, aber auch nicht in der Lage seien ähnlich wie Männer ausgebildete Lehrer zu sein. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mussten Frauen für Bildung, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit kämpfen. Ohne jene Kämpferinnen würde es die weibliche Emanzipation vermutlich heute noch nicht geben. Deshalb auch hat die Autorin den entscheidenden Beitrag, den Lehrerinnen im Hinblick auf die Emanzipation der Frau geleistet haben, besonders gewürdigt. 

Unbeugsam waren Lehrerinnen in vergangenen Zeiten deshalb schon, weil sie mehr Bildung, mehr Selbstständigkeit, mehr Unabhängigkeit und vor allem mehr Rechte anstrebten. All die Frauen, die im Buch genannt und deren Wirken beschrieben ist, an dieser Stelle zu erwähnen, ist unmöglich, deshalb werde ich mich auf einige beschränken, die in meinen Augen besonders hervorgehoben werden sollten. 

Eine wesentliche Voraussetzung für jene Erzieherinnen, die man als "Gouvernanten" bezeichnete und die noch keine pädagogische Ausbildung vorweisen konnten, war die Erfahrung einer sozialen Katastrophe. Es waren nicht selten junge französische Aristokratinnen, die nach 1789 nach England flohen, um der Guillotine zu entgehen und deshalb in den Dienst ihrer Standesgenossen eintraten. Die Tätigkeit der Gouvernante soll sehr anstrengend und die soziale Stellung ungenau definiert gewesen sein. Man lernt einige diese Erzieherinnen kennen und kann sich ein Bild davon machen, wie Arbeit und Leben dieser Damen aussah. 

Auch von der späteren Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner (1843-1914) und ihrer Gouvernantentätigkeit liest man. Das Engagement von Frauen wie Mary Wollstonecraft (1759- 1797) und Olympe de Gouges (1748- 1793) bleibt ebenfalls nicht ausgespart und es kommen viele andere Frauen, die man mit dem Begriff Frauenrechtlerinnen in Verbindung bringt, zur Sprache. Man staunt, dass es sich stets, um mutige Lehrerinnen handelte. 

Betty Gleim (1781- 1827) war eine der ersten, die sich publizistisch zu Fragen von Erziehung und Unterricht äußerten. Ihr Ziel war es, Mädchen in Bremen "gebildet, engagiert, selbstständig und auch sportlich" zu erziehen. Hedwig Dohm bleibt nicht unerwähnt und man kann einen Einblick in einen ihrer polemischen Texte nehmen, wird zudem mit Helene Lange vertraut gemacht, die im Jahre 1872 ihr Lehrerexamen ablegte und später als Lehrerin in Berlin an Höheren Töchterschulen unterrichtete. Auch hier hat man Gelegenheit aus einer ihrer Schriften einen Auszug zu lesen, um so auf Tuchfühlung zu ihrem Denken zu gelangen. 

Besonders spannend finde ich das 4. Kapitel mit dem Titel "Das Jahrhundert der Lehrerinnen". Hier werden auch Frauen wie Franziska Gräfin zu Reventlow, Simone de Beauvoir, Anna Freud, Selma Lagerlöf und Joanne K. Rowling und andere vorgestellt, die ihren Lehrerberuf stets nur kurz ausübten, um anschließend als Schriftstellerinnen von sich Reden zu machen. Mit dem Kapitel über Lehrerinnen in Literatur und Film  dann findet das Werk seinen gelungenen Abschluss. 

Ein gutes Buch, das sehr nachdenklich stimmt, weil es erneut zeigt, wie viele Steine Frauen über Jahrhunderte in den Weg gelegt wurden, wenn sie Sinnstiftendes in der Gesellschaft vorantreiben wollten 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachbuchhandel erhältlich.
Onlinebestellung: Elisabeth Sandmann Verlag oder Amazon

Frauen in Rheinhessen 1816 bis heute- Susanne Kern, Petra Plättner (Hrsg.)

Den Begriff Rheinhessen assoziierte ich bislang in erster Linie mit guten Weingütern, einer malerischen Landschaft und mit einigen sehr bemerkenswerten, historisch gewachsenen Orten, wie Worms, Oppenheim, Nierstein oder Ingelheim.

Über namhafte weibliche Persönlichkeiten vergangener Tage, die in dieser Region lebten, wusste ich bislang nur wenig, sieht man mal von der Schriftstellerin Anna Seghers (1900-1983) und von der Räuberbraut Juliana Bläsius (1781-1851) ab. 

Zur Geschichte Rheinhessens zählen nicht nur große Autorinnen, sondern auch Frauen, die auf anderen Gebieten Bedeutendes geleistet haben. Über solche Persönlichkeiten kann man sich im Buch im Rahmen von Kurzbiographien kundig machen. Der Zeitraum ist allerdings begrenzt von 1816 bis heute. 

Die Kurzbiographien wurden von unterschiedlichen zumeist promovierten Autoren verfasst, über die man im Autorenverzeichnis zu Ende des Buches Näheres in Erfahrung bringen kann. Ein Bild der jeweiligen Protagonistin wurde auch nicht vergessen und zudem ist jeder Lebensbeschreibung ein Literatur- und Quellenverzeichnis beigegeben. 

Wohltäterinnen, Schriftstellerinnen, Künstlerinnen, eine Kinderärztin, eine Widerstandskämpferin und weitere Frauen, mit anderen Berufungen sind hier versammelt, um Zeugnis abzulegen, dass die Geschichte Rheinhessens nicht nur von Männern gemacht worden ist. 

Schockiert war ich im Rahmen der Kurzbiografie über Anna Seghers, ein Foto des Konzentrationslagers in Osthofen zu sehen und zwar bereits aus dem Jahre 1933. Wer Anna Seghers "Das siebte Kreuz" gelesen hat, weiß um diesen Schandfleck Osthofens, weil er im Roman eine essentielle Rolle spielt. Bei vielen ist dieser Gräuelort leider in Vergessenheit geraten, was ich als schweren Fehler erachte. Vergessen eröffnet die Möglichkeit erneut in gleicher Weise zu agieren. Das muss man bedenken. Ein Vergessen im Hinblick auf die NS- Mörderbande und ihre Verbrechen darf es niemals geben.

Die Lebensgeschichten von Menschen nachzuspüren, um ihre Entscheidungen zu verstehen und vielleicht ein wenig daraus zu lernen, macht es immer wieder spannend solche Biographien zu lesen, speziell wenn sie so gut und nachdenklich verfasst worden sind, wie in diesem Werk.

Mut  und ein gutes Herz hatten nicht wenige der thematisierten Frauen. Das macht die Protagonistinnen so überaus sympatisch.

Empfehlenswert

Helga König

Rezension Peter J. König: #Die_ Quandts - Deutschlands erfolgreichste Unternehmerfamilie- Rüdiger Jungbluth -Campus

Der #Wirtschaftsjournalist #Rüdiger_Jungbluth hat erneut ein Buch über die Unternehmer-Dynastie #Quandt im Campus-Verlag veröffentlicht, nachdem er bereits im Jahre 2002 eine Biografie über die Familie Quandt geschrieben hatte. Ging es damals zunächst um die früheren Generationen, ist dieses Buch bis in die jüngste Erben-Generation recherchiert. Dabei wurde Rechnung getragen den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die Familie Quandt einem unabhängigen Historiker in Auftrag gegeben hatte, nicht zuletzt, um die Verstrickungen des Großvaters mit dem damaligen "Dritten Reich" offen zu legen.

Die heute wohl bekanntesten Repräsentanten der Familie Quandt sind die beiden Enkelkinder #Susanne_Klatten und #Stephan_Quandt, die nach dem kürzlichen Tod ihrer Mutter #Johanna_Quandt jetzt über ein riesiges Vermögen verfügen. Neben der gemeinsamen #Aktienmehrheit bei #BMW haben beide Kinder getrennt voneinander eine Vielzahl von Beteiligungen an weiteren Groß-Unternehmen. Ihr Vermögen beläuft sich jeweils auf viele #Milliarden und ist verstreut über fast alle westlichen Industrie-Nationen. 

Wie es dazu kam, das schildert der Autor Rüdiger Jungbluth sehr anschaulich, wobei es gar nicht einfach ist, die weit verzweigten Aktivitäten der jeweiligen Unternehmer-Generationen nach zu vollziehen. Ob man es glaubt oder nicht, die Quandts haben auch einmal klein angefangen vor mehreren Generationen und zwar mit einer kleinen Fabrikation in Brandenburg. #Emil_Quandt hatte als Lehrling in der Tuchfabrik der Gebrüder Draeger in Pritzwalk begonnen zu arbeiten. Mit Fleiß und Überblick gewann er nicht nur das #Vertrauen der #Firmeninhaber, sondern auch das Herz ihrer Tochter. 

Als Ehemann wurde er Teilhaber, bald war er für die Geschicke des Unternehmens führend verantwortlich. Uniformtuch war im Kaiserreich um das Jahr 1880 sehr gesucht, Emil Quandt produzierte in großem Umfang für die Kaiserliche Marine. Damit begann der Aufstieg der Dynastie Quandt, der in der Folge geradezu einmalig werden sollte, zumal man sich intensiv im aufstrebenden Technologie-Bereich engagiert hat. Alles hier aufzuzählen,  würde wahrhaft den Rahmen dieser Rezension sprengen. 

#Firmenkäufe und #Beteiligungen waren schon von Anfang an das Rezept das Vermögen zu mehren. Kluge, vorausschauende Entscheidungen haben oft geholfen,  drohende Abstürze zu vermeiden. Dass es dabei auch immer mit harten Bandagen zuging, versteht jeder, der sich im Wirtschaftsleben auskennt. 

Mit #Günther_Quandt trat ein knallharter Geschäftsmann die Nachfolge an, der als einer der größten #Rüstungsproduzenten der Nazis riesige Gewinne generierte und diese erneut gewinnbringend in ein Firmen-Konglomerat angelegt hat. Seine erste Frau war übrigens #Magda_Ritschel, die nach der Scheidung 1929 zwei Jahre später den Ober-Propagandisten der Nazis #Joseph_Goebbels geheiratet hat. Das Ende des Zweiten Weltkrieges hat letztendlich dem Vermögen der Quandts nicht besonders geschadet, mit der nächsten Generation konnte der Reichtum weiter aufgebaut werden.

Dies bezieht sich auf alle Linien der Quandt´schen Familie. Doch keiner wurde so vermögend wie die Kinder von #Herbert_Quandt, dem Sohn von Günther aus zweiter Ehe, der mit großem unternehmerischen Können das Werk seines Vaters nach dem Zweiten Weltkrieg sehr erfolgreich weiter geführt hat. Durch seinen Einstieg bei #BMW hat er die Marke als ernsthafter Konkurrent von Mercedes aufgebaut und sie sehr profitabel gemacht, was den Wert dieses Unternehmens um ein Vielfaches gesteigert hat. Parallel dazu,  hat er seine zahlreichen Firmen- Beteiligungen ebenfalls wertmäßig enorm gesteigert. 

Bemerkenswert ist, dass man es in der Familie Quandt doch letztendlich immer verstanden hat, durch nachhaltige Entscheidungen und kluge Berater, unternehmerisch Erfolg zu haben. Dies ist auch bei der heutigen Generation der Quandts so. Ein Grund ist bestimmt die fundierte Ausbildung der jeweiligen Kinder-Generationen, ein zweiter der Hang zur #Zurückgezogenheit. Kein Mitglied des Quandt-Clans hat sich öffentlich zur Schau gestellt, das gilt auch für Susanne Klatten, die vor etwa einem Jahrzehnt nach einem Erpressungsversuch in die Schlagzeilen geraten ist. 

Unternehmerisch haben sie und ihr Bruder Stefan ein ähnlich glückliches Händchen gezeigt wie ihre Vorfahren. Der Erfolg hat sie zu der erfolgreichsten Unternehmerfamilie in Deutschland gemacht und Susanne Klatten zu der reichsten Frau dieses Landes.

Rüdiger Jungbluth hat in seinem bestens recherchierten Buch, die oben angerissenen und viele weitere Punkte sehr ausführlich und spannend nachvollziehbar dargestellt. Wenn man weiß, dass gerade die Familie Quandt sehr zurückhaltend mit internen Informationen umgeht, es gibt kaum Interviews für die Wirtschafts-Presse, für die Yellow-Press überhaupt nichts, dann ist es schon sehr bemerkenswert, welche Informationen der Autor hier zusammen getragen hat. 

Bemerkenswert ist aber auch daraus zu entnehmen, welche Tatkraft, welche Weitsicht und welche Entscheidungsfähigkeit notwendig sind, um ein solches Firmen-Imperium zunächst aufzubauen und es über Generationen zu erhalten, es gar weiter auszubauen. 

Bei all diesen Fähigkeiten darf man jedoch nicht außer Acht lassen, dass ein weiteres Momentum hinzukommen muss, und zwar Glück, oder wie es Friedrich der Große sagte: "Fortune beaucoup de fortune". 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König


Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Campus und können dort das Buch direkt bestellen. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern,http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/gesellschaft-wirtschaft/wirtschaft/die_quandts-9966.html

Rezension: Sommerregen der #Liebe- #Goethe und Frau von Stein- #Insel

Autorin dieses bemerkenswerten Buches ist die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Goethekennerin Sigrid Damm. Sie ist Mitglied des P.E.N. sowie der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur. 

Es ist nicht das erste Buch zum Thema Goethe und Frau von Stein, das ich gelesen habe und rezensiere. Bemerkenswert an diesem Werk sind die in den Text eingebundenen Briefe Goethes an seine Geliebte, die die Beziehung der beiden  in vieler Hinsicht erahnen lassen. 

Wer die Vita von Goethe kennt, wird immer wieder auf Sachverhalte und Orte stoßen, die ihm vertraut sind. Das natürlich erhöht die Neugier.  

Bevor anhand von Goethes Briefen an Charlotte die Geschichte der beiden Liebenden erzählt wird, erfährt man zunächst Wissenswertes über einen bestimmten Zeitrahmen in Charlottes Biographie. Grund dafür ist, dass man die Empfängerin der Liebesbriefe besser im Auge hat, wenn man diese Briefe liest und gewissermaßen deren Lebensrealität mitdenken kann. 

Wie jeder weiß, hatte sich Goethe unmittelbar nach Ankunft in Weimar in Charlotte verliebt. Es handelt sich bei ihr um eine verheiratete Frau und Mutter diverser Kinder, die dazu noch einige Jahre älter als er war. Goethe ist hingerissen von Charlotte, eröffnete ihr eine neue Welt und sie, die sich von ihm ebenfalls angezogen fühlt, hat ein Problem, diese Beziehung mit ihrer Ehe und ihren höfischen Pflichten in Einklang zu bringen. 

Charlotte findet einen Weg, der dazu führt, dass Goethe ihr von nun all seine Gedanken, Erlebnisse und Gefühle anvertraut. Charlotte zeigt ihm Grenzen in ihrer Beziehung auf, worauf sie für ihn sexuell unerreichbar bleibt, was ihn nicht daran hindert, sich als ihren "ehmännischen Liebhaber" zu bezeichnen. 

Es spannend Goethes Briefe zu lesen und man fragt sich, was Charlotte empfunden haben muss, wenn sie seine Zeilen, oftmals sind es nur nur "Zettelgen",  las. 

Kann sich eine Frau einem charmanten, geistvollen Menschen wie Goethe überhaupt entziehen? Ich vermute eher nicht... 

Man lernt Goethe zwischen seinem sechsundzwanzigsten sechsunddreißigsten Lebensjahr kennen. Er vertraut Charlotte in seinen Briefen alles an, nicht nur seine Gefühle ihr gegenüber, sondern auch das tägliche Tun, seine Gedanken, einfach alles. 

Seine Briefe möchte ich an dieser Stelle nicht interpretieren, sondern nur einen einzigen Satz aus einem "Zettelgen" vom 1.Mai 1780 zitieren "Liebe verbindet alles". Diesen Satz halte ich für zentral,  weil er in kurzen Worten alles erklärt, was die komplizierte Beziehung der beiden anbelangt. 

Sigrid Damm hat eintausendsiebenhundert Briefe gelesen und dabei akribisch recherchiert, wie der Verlag den Leser wissen lässt. Ihre analytischen Texte, in denen sie  Goethe immer wieder mit Originalzitaten zu Wort kommen lässt, machen letztlich klar, woran diese Liebe scheiterte. 

Empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Insel-Verlag und können dort das Buch direkt bestellen. http://www.suhrkamp.de/suchen?s=sommerregen%20der%20liebe&s_view=titel. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Die Schokoladendamen- Wie #Olga_Zaini ihre #Schokoladenfabrik rettete- Teresa Monestiroli- Momente des Lebens- Elisabeth Sandmann.

#Teresa_Monestiroli, die Autorin dieser Biografie hat in #Mailand Philosophie studiert. Zuletzt wurde ihr Buch "Adagio Urbano" über urbane Entschleunigung publiziert. "Die Schokoladendamen" kann man als ein Werk über Resilienz und Mut begreifen oder aber auch als einen Beitrag zum Thema Frauenpower. 

Zur Sprache gebracht wird die Geschichte von Olga Zaini, einer Mailänder #Schokoladenfabrikantin im letzten Jahrhundert, in deren frühen Jahren noch nicht abzusehen war, welch turbulentes Leben auf sie wartete. Dabei ist es interessant,  auch die vielen Bilder zu studieren. Das erste, das gezeigt wird, stammt von 1913, dem Gründerjahr der Firma, die ihr späterer Ehemann #Luigi_Zaini in Leben rief. Ungeschönte Bilder verraten viel über einen Menschen. Olga war eine aparte, hellwache Frau, die wusste, was sie wollte.

Die 24 jährige Olga wird Luigis 2. Ehefrau, nachdem seine erste Gattin verstarb und er als 45 jähriger Witwer nach einer Mutter für seine beiden Kinder Ausschau hielt. Olga, eine diplomierte Buchhalterin, stammte aus einer wohlhabenden Familie, heiratete also nicht um versorgt zu werden, sondern aus Zuneigung. 

Wie sich in der Folge zeigte, hatte Luigi eine kluge Wahl getroffen, denn seine junge Frau, später die Mutter von vier Kindern, wird nach seinem frühen Tod die Firma leiten,  die sie nach dem 2. Weltkrieg neu aufbaut und zu einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen Italiens werden lässt. 

Olga war 39 Jahre alt als sie die Firmenleitung übernahm. Das war im Jahr 1938. Im Krieg dann lebte nur noch ein Viertel der vormals etwa eine Million Einwohner in Mailand. Die meisten Menschen waren auf der Flucht vor den Bomben, die auch die Firmengebäude der Schokoladenfabrik verwüsteten. 

Der Wiederaufbau des Unternehmens, die Verbundenheit und die Dankbarkeit Olgas ihren Mitarbeiterinnen gegenüber, die ihr halfen, das Unternehmen über die schweren Zeiten zu retten und weiterhin Schokolade nach besonderen Rezepten herzustellen, dokumentieren, was eine wirkliche Unternehmerpersönlichkeit ausmacht. 

Arrogante, selbstsüchtige Manager in unserer Zeit haben das Miteinander vergessen. Ihre Gier lässt es nicht zu. Die Folgen sind dramatisch, wie wir fast täglich der Presse entnehmen können.

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Elisabeth Sandmann Verlag und können das Buch dort bestellen. Sie können es aber auch direkt bei ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

http://www.elisabeth-sandmann.de/search?sSearch=schokoladendamen

Rezension: #Tempeltänzerin und #Senatorin- Ein Leben für #Bali- Monika Endres –Stamm mit #Ida_Ayu_Agung_Mas – Elisabeth Sandmann-Verlag

Die #Indonesierin und Hinduistin Ida Ayu Agung Mas, genannt #Dayu, zog 2004 als erste Senatorin Balis ins Parlament von #Jarkata ein. 

Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse 2015 hat der #Elisabeth_Sandmann_Verlag deren Autobiografie, die Dayu gemeinsam mit Monika Endres –Stamm auf den Weg gebracht hat, veröffentlicht. Die beiden Autorinnen lernen sich bereits 1996 auf #Bali kennen. Seither stehen sie im Dialog miteinander und es ist sogar über die Arbeit an diesem Buch eine Freundschaft zwischen ihnen entstanden. 

Wie man erfährt, ist #Indonesien ein Riesenreich von über 17 500 Inseln. Diese erstrecken sich von #Sumatra über #Borneo, #Java, #Bali und die #Molukken bis nach Neuguinea. 90% der 250 Millionen Indonesier sind Muslime, d.h. in Indonesien leben mehr Moslems als in allen arabischen Staaten zusammen. 

Die Verfassung von Indonesien basiert auf der sogenannten #Pancasila, "Einheit der Vielfalt". Ziel ist es, damit aus dem multi-religiösen Archipel eine staatliche Einheit zu schaffen, in der sich die Interessen aller Indonesier wiederfinden. Diese Pancasila soll verfassungsmäßig verhindern, dass sich das überwiegend aus Muslimen bestehende Land als islamischer Staat deklariert. 

Die Arzttochter Dayu aus einem hochrangingen #Brahmanen-Geschlecht wurde 1949 auf Bali geboren. Sie berichtet von ihrer Kindheit, von ihrer Familie, erzählt u.a. von ihrem Onkel, einem einflussreichen Mann im Königreich #Gianyar, der seit 1955 Mitglied im ersten Parlament nach der Unabhängigkeit Indonesiens war. Das war zu Zeiten #Suharnos, der mütterlicherseits ein Balinese war und damals als erster Präsident die "Einheit in der Vielfalt" gestaltete. 

Die Protagonistin des Buches war schon immer sehr freiheitsliebend, deshalb wohl verlief ihr Leben so außergewöhnlich. Bevor Dayu zu studieren begann, war sie Tempeltänzerin. Sie schreibt über das, was sie diesbezüglich erlernte und was ihr später gewiss sehr geholfen hat, um Menschen ihrem Wesen nach zu erspüren. Sie lernt, die Bewegung der Tänzer in sich aufzunehmen, den Gesichtsausdruck, auch die Stellung der Füße zu erkennen und die innere Bewegung zu empfinden, die sich langsam in ihren Körper übertrug. Mittels des Tanzes lernte sie Emotionen  zu erfassen und mit den Gefühlen anderer umzugehen. 

Die Hinduistin erwirbt ihr Abitur im Kloster bei katholischen Nonnen. Dabei waren ihre Mitschülerinnen aus allen Provinzen Indonesiens. Es handelte sich um Buddhistinnen, Hinduistinnen, Katholiken, Protestantinnen und Musliminnen. Hier im Kloster lernte sie im Geschichtsunterricht mehr über die Herausforderung der Zusammenführung von 230 verschiedenen Ethnien mit unterschiedlichen Bräuchen, Sprachen, Religionen und politischen Strömungen. Wie Daya schreibt, war die Schule ein kleines Abbild des Vielvölkergemischs.

Sie studiert zunächst Medizin in Denpasar, heiratet, weil ihr Vater es so wollte, ihren Cousin, wird schwanger. Ihren Sohn lässt sie von ihrer Mutter großziehen, trennt sich von ihrem Mann, studiert Germanistik zunächst in Indonesien, schließt dort ihr Staatsexamen ab, um in Hamburg weiter zu studieren, wo sie ein Stipendium des Hamburger Senats antritt. 

Sie erzählt von ihren Erfahrungen als Studentin in Deutschland, von den Büchern, die sie interessierten. Es war vor allem Gegenwartsliteratur, klassische Romane und avantgardistische Literatur. Kafka gefiel ihr sofort. 

Wie es dann weiterging nach ihrer Rückkehr ist äußerst spannend zu lesen. Sie lehrt an der Hotelfachschule in Nusa Sua, später an der Uni in Denpasar und entwickelt ein Projekt für sanften Tourismus auf Bali. Dieses Projekt setzt sie auch um. "Sua Bali", so hieß das Projekt, entstand allmählich. Es sollte zum Treffpunkt verschiedener Ethnien werden und eine Brücke zwischen den Kulturen sein. Es entstanden sechs Pavillons in einem typisch balinesischen Garten. 

Über das, was sich dort entwickelte, liest man viel Interessantes. Auf Einzelheiten gehe ich jetzt nicht ein, um die Spannung für das Buch nicht zu mindern. 

Wie Dayu hervorhebt, handelte es sich um eine Sisyphusarbeit "Sua Bali" aufzubauen. Sie schreibt, wie ihre Helferinnen dort immer selbstständiger und unabhängiger wurden, auch davon, dass ihr von familiärer Seite die Anerkennung versagt wurde, sie aber im Rahmen der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin 1995 den TO-DO! Preis des Internationalen Wettbewerbs Sozialverantwortlicher Tourismus erhalten hat. 

Auch Naturschutz wurde ein Thema für Dayu und schließlich wurde sie dann 2004 als Parteilose von den Balinesen direkt zur Senatorin gewählt und zwar als erste Frau. Auch über diese Zeit erfährt man Wissenswertes und ist fasziniert von der Eigenständigkeit, dem Freiheitswillen, auch der Durchsetzungskraft dieser mutigen, selbstbewussten Frau, deren Leben viele Leben in einem enthält und sich als beeindruckend erkenntnisreich offenbart. 

Ida Ayu Agung Mas ist ein Musterbeispiel dafür, dass man an den Steinen, die uns in den Weg gelegt werden, wächst.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen-#Boris_Friedewald.

Es ist nicht das erste Buch, das ich zum Thema Maria Sibylla Merian gelesen und rezensiert habe, dennoch hat die Lektüre viel Freude bereitet, nicht zuletzt weil Boris Friedewald die Lebensgeschichte der Forscherin und Künstlerin packend und dabei in fast poetischer Sprache zu erzählen weiß. 

Bevor ich den Haupttext zu lesen begann, habe ich mich zunächst in die Bilderwelt vertieft. Vor ein paar Jahren hatte ich im Rahmen der Ausstellung "Gärten" im Staedel-Museum in Frankfurt einige Bilder im Original kennengelernt. 

Um einen raschen Überblick über das Leben Sibylla Merians zu erhalten, sollte man zunächst die chronologisch aufgeführten Lebensstationen auf den letzten Seiten studieren und sich beim Vertiefen in die Bilderwelt im Abbildungsverzeichnis auf den Seiten 136 ff nähere Infos zu den Werken beschaffen. 

Die aus Frankfurt stammende  Künstlerin Maria Sybilla Merian (1667- 1717) war die Tochter eines bekannten Landschaftsmalers, Radierers und Kupferstechers. Nachdem sie geheiratet hatte, lebte sie einige Jahre in Nürnberg und später dann in den Niederlanden. In Surinam, das sie von 1699- 1714 bereiste,  schuf sie ihr wichtigstes Werk. Sie nannte es "Metarmophosis Insectorum Surimanensum". Es erschien 1705 im 52x37 cm großen Großfolio-Format und zeigt alle dargestellten Raupen und Schmetterlinge lebensgroß. 

Die Stiche,  mit denen sie Blumen und Insekten visualisierte, sind wissenschaftlich exakt, zudem künstlerisch einfach schön. Alles, was Merian schuf, hat sie zuvor übrigens  lebend gesehen. Das ist das Besondere an den Werken dieser Künstlerin.

Interessant ist, was man im Text zu "Surinam"  liest. Dort lebten damals nur wenige englische Familien, aber 600 protestantische Holländer und 10 000 verschleppte Afrikaner, die als Sklaven auf den rund 100 Plantagen der Kolonialherren arbeiteten. Fern ab von den Zuckerrohrplantagen begann der endlose Dschungel und dort der "Sehnsuchtsort" von Maria Sibylla Merian, der Ort voller Insekten und Schmetterlinge. 

Man erfährt, wie die Künstlerin Flora und Fauna dort kennenlernte. Sie schrieb später in ihrem Buch zu einer Pflanze,  auf der sie hellseegrüne Raupen entdeckt, aus der ein Tagfalter mit langem Rüssel schlüpft: "Die Indianer, die nicht gut behandelt werden, wenn sie bei den Holländern im Dienst stehen, treiben damit ihre Kinder ab, damit ihre Kinder keine Sklaven werden, wie sie es sind. Die schwarzen Sklavinnen aus Guinea und Angola müssen sehr zuvorkommend behandelt werden, denn sonst wollen sie keine Kinder haben in ihrer Lage als Sklaven. Sie bekommen auch keine, ja sie bringen sich zuweilen um wegen der üblich harten Behandlung, die man ihnen zuteil werden lässt, denn sie sind der Ansicht, dass sie in ihrem Land als Freie geboren werden, so wie sie mich aus eigenem Mund unterrichtet haben“. 

Wie der Autor schreibt, war Merian eine ganzheitlich denkende Frau, die Zusammenhänge erkennend offenbar weit ihrer Zeit voraus war, wie ich vermute. 

Es bereitet Vergnügen all die Bilder zu bestaunen. Eines meiner Lieblingsbilder ist in Surinam entstanden und zeigt einen Granatapfel, dessen wunderschöne Blüten, eine Raupe und zwei Schmetterlinge. Das Motiv ziert, Sie sehen es oben, auch das Cover. Einfach nur zauberhaft. 

Ich will nicht zu viel verraten, sondern festhalten, dass es sich bei diesem Buch um ein informatives und dabei schönes Werk  handelt, das zu lesen und zu betrachten Freude bereitet. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Prestel-Verlag und können das Buch dort bestellen. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.