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Rezension: Elizabeth II. - Ein Leben auf dem Thron. Ihr Erinnerungsalbum (Gebundene Ausgabe)

Mit diesem Erinnerungsfotoalbum möchte "The Royal Collection" das diamantene Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. von England, der höchsten Repräsentantin Großbritanniens, würdigen.

Das Buch wird Fans der englischen Krone gewiss entzücken, denn es enthält eine Vielzahl von offiziellen aber auch privaten Fotos der Queen und zwar von ihrem Babyalter an bis zum heutigen Tage. Man lernt ihre Puppen kennen, auch Abbildungen von Originalbriefen, die sie als Kind und als Teenager schrieb und kann sich ihres Schmuckes und diverser Kleidern erfreuen, den sie zu bestimmten Anlässen getragen hat, denn dies alles ist abgebildet.


Die Fotos sind in chronologischer Reihenfolge abgelichtet und werden durch erklärende Texte ergänzt. Dass Elisabeth ein sehr hübsches Kind und ein ebenso hübsches junges Mädchen war, wird auf den Bildern deutlich. Sie war also eine Bilderbuchprinzessin. Das wird ihr von Kind an viel Neid eingebracht haben.

Man liest von ihrer Verlobung mit ihrem Cousin dritten Grades, Lieutenant Philip Mountbatten im Jahre 1947 und lernt ihren Verlobungsschmuck kennen, auch das Brautkleid und das Diamantdiadem ihrer Mutter, das sie anlässlich ihrer Hochzeit noch im gleichen Jahr trug.

Elisabeth mit liebevollem Blick auf ihren neugeborenen Sohn Prince Charles im Winter 1948 sowie diverse andere Familienbilder zeigen sie als eine gefühlvolle Frau, die später in den Hintergrund rückte, nachdem sie 1953 zur Königin von England gekrönt wurde. Jetzt musste sie vor allem Contenance wahren.

Über die Krönung erfährt man viel Wissenswertes. Man lernt die Insignien, die als "äußerer, sichtbarer Ausdruck der inneren geistigen Gnade" gelten, auf Fotos kennen und erlebt die Krönung, die damals geschätzte zwanzig Millionen Menschen im Fernsehen verfolgten.

Imposant sind die Bilder aus dem Jahre 1961. Damals stattete die Queen dem indischen Subkontinent ihren ersten Staatsbesuch ab. Abgelichtet ist sie auf dem Rücken eines prunkvoll geschmückten Elefanten.

Alle wichtigen Erlebnisse Elisabeths von 1926 bis zum Jahr 2012 werden visualisiert. Für jedes Jahr steht ein Blatt des Albums zur Verfügung.

Zurückhaltung ist erkennbar, wenn es um gemeinsame Fotos mit ihrer Schwiegertochter Diana geht. In gewisser Weise ist das verständlich.

Für Handtaschenfans ist das Buch eine wahre Fundgrube, denn Elisabeth wartet stets mit ausgesucht geschmackvollen Objekten auf.

Das Buch ist gelungen, denn die Texte sind keineswegs überzogen huldigend ausgefallen, aber sie zeugen von großem Respekt für diese Frau, die es im Leben gewiss nicht einfach hatte. Man soll sich vom Pomp nicht blenden lassen und sich klar machen, dass dort wo viel Licht erstrahlt, bekanntermaßen auch der Schatten kein geringer ist. Die Sentenz der Queen, die ich in die Kopfzeile gesetzt habe, spricht diesbezüglich Bände.

Bedenkt man, dass diese Frau, die am 21.4.2012 sechundachtzig alt wird, noch immer als oberste Repräsentantin Großbritanniens weltweit tätig ist und sich bemüht, stets diszipliniert die Contenance zu wahren, obschon eine Meute von neidischen Schreiberlingen ihr pausenlos Fehler nachweisen möchte und sie Verletzungen nicht zeigen darf, um die Würde des Königshauses zu wahren, dann ahnt man die Demut dieser Frau und ihre innere Größe.

Man sollte ihr mit etwas Nachsicht begegnen, denn sie ist ein Mensch, die ihren Job wirklich gut macht.

Empfehlenswert.

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Rezension:Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation (Gebundene Ausgabe)

Vor einigen Tagen habe ich mich auf dieser Plattform zum Tun von Denunzianten in Bezug auf Sophie Scholl geäußert. In diesem Zusammenhang las ich in der Folge Friedemann Beyers vorliegendes Buch "Der Fall Selpin"- Chronik einer Denunziation.

Zu Ende des Buches findet man folgende Gedanken, die ich für so wichtig erachte, dass ich sie an dieser Stelle zitieren möchte: "Die Neigung zur Denunziation findet sich überall dort, wo es im menschlichen Zusammenleben um Macht geht. Dabei verdrängen wir, wie dünn der Firnis unseres zivilisierten Verhaltens ist. Wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns bewegen."(....)"Wie gehen wir miteinander um? Wie tragfähig sind Beziehungen? Wem können wir (ver)trauen? Wie fair bleiben Menschen auch dann noch, wenn aus Zuneigung Hass wird? Diese Fragen stellen sich, in wechselnden Zusammenhängen und unabhängig von politischen Rahmenbedingungen, täglich neu." (Zitat S. 210)

Dieser Schlussbetrachung Friedemann Beyers, dem ehemaligen Filmjournalisten und Fernsehredakteur und geschäftsführenden Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung stimme ich hundertprozentig zu. Über seine gestellten Fragen sollte man lange nachdenken und in Gesprächsrunden nach Antworten suchen.

Das Buch thematisiert das Leben des erfolgreichen Regisseurs Herbert Selpin, der aufgrund der Denunziation durch seinen Freund ins Mahlwerk der Nazibürokratie geriet, weil er so genannte "wehrkraftzersetzende Äußerungen" gemacht hatte. Bis heute ist unklar, ob Selpin sich aus Verzweiflung in seiner Zelle selbst erhängte oder ob Nazischergen ihn auf diese Weise hinterhältig ermordet haben.

Der Autor möchte mit seinem Buch historische Wahrheitsfindung betreiben. Was ihm gelingt, ist eine sehr gute Darstellung der Funktionsweise der Filmwelt in der braunen Zeit und eine Verdeutlichung dessen, dass Menschen in allen Zeiten stets analog handeln, wenn es um ihre Abgründe geht.

Die Kontrahenten in diesem Denunziationsdrama beschreibt der Autor wie folgt:

Selpin war ein Teamspieler von athletischem Körperbau, körperlich und mental durchtrainiert, impulsiv, emotional, angriffslustig, reaktionsschnell, risikofreudig, konfliktfähig, omipräsent (vgl.: S. 202).

Der Denunziant Walter Zerlett-Offenius hingegen war ein Mann von fragiler Gestalt, der unter psychosomatischen Beschwerden litt. Er war rachitisch veranlagt und Neurastheniker, ein Asket mit labilem Charakter, prinzipientreu bis zum Starrsinn, ein Pedant mit narzisstischem Ego, der sich dandyhaft stilisierte und an den selbst gesetzten oder an ihn herangetragenen Erwartungen nicht gerecht wurde, (vgl.: S.202).

Wie konnten Menschen, die so unterschiedlich waren, zunächst Freunde werden? Wie reagieren solche Freunde im Konfliktfall? Werden aus schwachen Menschen vom Schlage Zerletts leichter Denunzianten, weil sie sich letztlich immer an den Stärkeren hinterhältig aus Neid rächen möchten? Das sind Fragen, die mich seit der Lektüre des Buches umtreiben. Wie behutsam müssen wir mit schwachen Menschen umgehen? Wie schnell sind sie verletzt? Sind ihnen alle hinterhältigen Mittel recht, wenn sie sich rächen wollen?

Empfehlenswert.

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Rezension: Charles Schumann: Hommage an eine Kultfigur (Gebundene Ausgabe)

Charles Schumann, der legendäre Barmann aus München hat im September seinen 70. Geburtstag gefeiert. Dass er um viele Jahre jünger ausschaut, konnte ich mich auf der Buchmesse in Frankfurt überzeugen.

Das vorliegende Buch ist eine Hommage an ihn, zusammengestellt von Anna Wichmann und eingeleitet von Lothar Schirmer.Charles Schumann ist nicht nur Münchens Kultgastronom und legendärer Barkeeper, sondern auch internationales Fotomodell, leidenschaftlicher Boxer, Grantler, Frauenschwarm und Koch sehr delikater Bratkartoffeln.


 Modefoto Armani
Das vorliegende Buch enthält Texte und Geschichten über Schumann, verfasst von einigen seiner namhaften Gäste.

Dabei handelt es sich um: Elke Heidenreich, Michael Krüger, Hans Magnus Enzensberger, Keto Waberer, Georg Diez, Eckart Witzigmann, Stefan Gabanyi, Ulrich Wickert, Axel Hacke, Albert Ostermaier, Wolf Wondratschek, Chris Dercon, Albert Ostermair, Rita Russek, Joseph von Westphalen, Alois Martin, Jan Weiler, Claudius Seidl, Moritz von Uslar und Michael Althen.

Der Verlag Schirmer/ Moser hat dieses Buch nicht nur wegen des runden Geburtstags des Gastronoms herausgebracht, sondern auch wegen des 30 jährigen Bestehens seiner berühmten Bar "Schumann`s".

Das Buch ist übrigens reich bebildert. Man hat Gelegenheit einen sehr guten visuellen Eindruck von Schumann zu erhalten, einem sehr interessanten Mann, wie die Fotos unmissverständlich zu erkennen geben.

Die Illustrationen im Buch stammen von Dirk Schmidt.

 Portrait Charles Schumann
Photo: Guido Mangold
Auf Seite 30 übrigens verrät der Barkeeper das Rezept seines "Swimming Pol" an die Leser, die sich meines Erachtens den Cocktail mixen sollten, um diesen bei der Lektüre der kurzweiligen Geschichten vergnügt zu trinken.

Man lernt im Buch aufgrund der Geschichten viele Facetten Schumanns kennen. Ulrich Wickert berichtet von der Bescheidenheit Schumanns, der zwar fließend Französisch spricht und Frankreich liebt, sich dort aber nicht an mondänen Orten aufhält, obschon er dies könnte, sondern stattdessen in der Gegend zwischen Biarritz und Bordeaux seine zweite Heimat gefunden hat. Dort wo einst Michel de Montaigne geboren wurde. Schumann sei, so Wickert, ein Suchender noch immer, obwohl er schon viel für sich entdeckt habe, z.B. die innige Liebe zu Frankreich bereits in jungen Jahren.


 Im Hofgarten
(Photo privat)
Gefallen hat mir u.a. der Beitrag von Alois Martin. Dieser schreibt, dass das "Schumann`s" kein Restaurant sei, in dem Frauen angeflirtet werden, kein Ort wo der Barmann sich balzend zum Konkurrenten des männlichen Gastes machen muss. "Der Barmann in Schumann`s geht davon aus, dass eine Frau mit nachdenklichem Blick tatsächlich denkt und von ihrer Umgebung nichts anderes erwartet als ein gutes Getränk, einen ruhigen Platz und jene leichte Abendbrise, die nur eine Bar bieten kann."(Zitat: S.103).

Es macht Freude all die Geschichten zu lesen und sich ein Bild von diesem Mann und seiner Bar zu machen. Charles Schumann gefällt mir, weil er viele Talente besitzt und diese sehr gut zu vermarkten weiß.

Wer das Buch gelesen hat, weiß wen er bei einem kommenden Besuch in München besuchen muss.

Empfehlenswert.

Fotos: Schirmer-Mosel Pressebilder

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Rezension:Im Überschwang: Aus meinem Leben (Gebundene Ausgabe)

Die Schauspielerin Hannelore Elsner hatte ich Gelegenheit, auf der Frankfurter Buchmesse 2011 in Ihrem Einverständnis zu fotografieren. Ich beobachtete sie zunächst aus unmittelbarer Nähe, als sie zum "Blauen Sofa" ging, um dort ihr Buch "Im Überschwang" vorzustellen.

Diese Frau strahlt geballte Weiblichkeit aus, obgleich (oder vielleicht weil) sie sehr zierlich ist. Die Proportionen ihres Körpers sind formvollendet und ihr Gesicht ist atemberaubend schön. Die Lippen sind voll, dabei sehr edel geformt und von leiser Ironie umspielt. Ihre Augen leuchten vor erotischer Intelligenz. Einen solchen Blick findet man bei einer sehr weiblichen wirkenden Frau selten.

Hannelore Elsner bewegt sich ein bisschen wie eine Löwin, sehr geschmeidig und zeitgleich majestätisch. Vom Sternzeichen ist die große Dame des Films eine Löwin und dass wird nicht nur in ihrem Gang, sondern auch in ihrem Lachen sichtbar. Dieser Frau können Männer meines Erachtens nicht widerstehen. Elsner verfügt über Magie und das beeindruckt mich neben ihrem schauspielerischen Können am meisten. Sie verfügt übrigens auch über Sprachmagie, wie das Buch dokumentiert.

Hier erzählt sie ihr Leben und erlaubt uns Lesern uns einen visuellen Eindruck von ihrer Vergangenheit, auch von ihrem persönlichen Gestern zu machen.

Ich beabsichtigte zunächst eine kurze Inhaltsangabe der Rezension voranzustellen, habe davon aber wieder Abstand genommen und mir überlegt, davon zu schreiben, was ich hinter Elsners Text erspürt habe. Sie fragt sich nicht von ungefähr gleich zu Beginn ihres Buches, ob sie viele kleine Geschichten oder eine chronologisch geordnete Lebensgeschichte erzählen soll und fragt sich auch, ob sie von allem, was sie prägte, Zeugnis geben soll, von den Landschaften, den Menschen und den Träumen. Sie weiß, wie sehr unsere Träume unser Leben bestimmen können.

Die nachdenkliche Autorin entscheidet sich im Grunde für alles und dies macht das Besondere an dieser Autobiographie aus. Filmfans kommen auf ihre Kosten, weil Elsner natürlich von ihren Filmen berichtet, auch erfährt man von ihren Liebesbeziehungen Aufschlussreiches, wobei Pikanterien nicht ihr Thema sind.

Mich haben die frühen Jahre dieser Frau besonders interessiert und hier ihre nicht unkomplizierte Kindheit, ihre Wunsch zu studieren, den sie sich nicht erfüllen konnte, aufgrund der ökonomisch schwierigen Situation ihrer alleinerziehenden Mutter, der Zufall, der sie den Beruf der Schauspielerin ergreifen ließ, jener Zufall, der sich als Chance erwies, die sie klug zu nutzen wusste.

Elsner schreibt nachdenklich, berichtet von ihrer Begabung, sich immer wieder neu zu erfinden und dem damit einhergehenden Bewusstsein für Achtsamkeit. Diese Begabung ist notwendig für eine Schauspielerin, um ihr Publikum nicht zu langweilen. Diese Begabung ist im Grunde für uns alle notwendig. Wer immer auf der gleichen Schiene fährt, ödet sein Umfeld an.

Hannelore Elsner ist mir sehr sympathisch, weil sie sich, trotz des Berufes der Schauspielerin, sehr um Authentizität bemüht. Sie ruht in sich und strahlt diese Ruhe auch aus. Vielleicht ist diese Ausgeglichenheit das tiefere Geheimnis ihrer unverbrüchlichen Erotik.......
Empfehlenswert.

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Rezensionen:Für immer jung: Das Geheimnis meines Lebens (Gebundene Ausgabe)

Ende der 1950er Jahre hörte ich als kleines Mädchen die Lieder von Peter Kraus auf Schallplatten meiner um 14 Jahre älteren Tante und hüpfte mit ihr vergnügt vor dem Schallplattenspieler umher, stolz auf meinen Petticoat, der beim Tanzen wippte. Die Texte waren unkompliziert, so dass ich sie bereits problemlos nachsingen konnte und die Musik stimmte mich so fröhlich, dass der Name Peter Kraus bis heute bei mir positiv besetzt ist und sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Im vorliegenden reich bebilderten Buch erzählt der unglaublich jung aussehende, mittlerweile mehr als 70 Jahre zählende Künstler von seinem Leben. Dass Peter Kraus in München-Schwabing geboren worden ist, wusste ich bislang nicht, wohl aber, dass sein Vater bereits ein Künstler war. Kraus berichtet spannend über seine Kindheit und Jugend, wie er einst zum Jugendidol wurde und von seinem Leben voller Agilität bis zum heutigen Tag.

Mich erstaunt es nicht, dass der Vielgeliebte seit nunmehr 42 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet ist, denn Kraus ist ein Mensch, der es geschafft hat, schon früh seine eigene Mitte zu finden und aus dieser keinen Grund hat auszubrechen.

Der ewig-junge, seelisch ausgeglichene Rock n" Roller ist körperlich immer in Bewegung, berichtet auch von seinen vielen sportlichen Aktivitäten und von seinen Plänen für das kommende Jahr.

Ein kurzweilig zu lesendes Buch, dass in vieler Beziehung dokumentiert, wie sympathisch dieser Mensch tatsächlich ist.

Empfehlenswert.
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Rezension:Kleine Reihe: Frauen, die schreiben, leben gefährlich (Gebundene Ausgabe)

Stefan Bollman zeigt an Beispielen aus der Geschichte der letzten 250 Jahre und aus der Gegenwart, dass schreibende Frauen nicht ungefährlich gelebt haben, bzw. leben. Die einzelnen textlich porträtierten Schriftstellerinnen, die Beispiele dafür sind, das zu tun, was man für seine Bestimmung hält, werden auch bildlich vorgestellt.

Wie Bollmann konstatiert, war von Anfang an die Gattung Roman an das Entstehen der weiblichen Lesekultur gekoppelt und bis heute noch ist die Mehrzahl der Romanleserinnen weiblich. Der Roman ist nach Auffassung des Autors eine Schule emotionaler und sozialer Intelligenz, (vgl.: S.98). Offenbar benötigen Männer diese Schule nicht.:-))


Mit dem Roman soll sich ein neues Selbstgefühl von Frauen verbunden haben. Dessen Lektüre verschaffte den Leserinnen Erfahrungen, die in der Enge ihres persönlichen Lebensumfeldes zuvor nicht gemacht haben. Das Lesen der Romane und die Kommunikation über deren Inhalte sollen den Lebensradius vormaliger Leserinnengenerationen erweitert und ihnen einen Einblick in bislang fremde Lebensformen verschafft haben, (vgl.: S.98).

Als bürgerliche Schriftstellerinnen der ersten Stunde werden Jane Austen, die Schwestern Bronte und Bettina von Arnim genannt. Für sie aber auch Schriftstellerinnen der nächsten Epoche war es nicht leicht, Zeit und Raum zum Schreiben zu finden, (mehr dazu Seite 99ff). Typisch für die gesellschaftlichen und privaten Widerstände, die Frauen überwinden mussten, sind zwei Begebenheiten, von denen die französische Schriftstellerin George Sand berichtet, (näheres dazu Seite 103 ff). Erst im 20. Jahrhundert gelang es schreibenden Frauen sich aus der Enge bürgerlicher Wohnzimmer zu befreien, aber dennoch bleiben auch ihre Leben vom Kampf gegen Konventionen und für Authentizität bestimmt, (vgl.: S.113).

Stefan Bollmann untergliedert seine Porträts in 7 Kapitel, beginnt mit der kurzen Darstellung des Lebens und Wirkens von Hildegard von Bingen (1098-1179) und endet mit dem Porträt 1961 geborenen indischen Schriftstellerin Arundhati Roy. Einfach hatte es keine der vielen Autorinnen. Mein genereller Eindruck bestätigt sich auch in diesem Buch. Frauen müssen weitaus mehr für ihren Erfolg tun als Männer, vielleicht weil ihnen stets ein Netzwerk fehlt und ihnen im Berufsleben in der Regel mehr Gegenwind entgegenbläst als männlichen Konkurrenten.

Empfehlenswert.

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Rezension:Lou Andreas-Salomé und Rilke - eine amour fou (insel taschenbuch) (Taschenbuch)

Was hat mich motiviert dieses Buch zu lesen? Nun, es war eine kleine ärgerliche Bemerkung, die ich irgendwann irgendwo las, wonach Rilke Lou Andreas Salomé "gehabt haben" sollte. Eine unschöne Formulierung wie ich finde, die zudem nicht der Wahrheit entspricht, denn Lou Andreas Salomé war eine Frau, die weder von Rilke noch sonst einem Mann in Besitz genommen werden konnte, noch nicht einmal für eine kurze Weile. Diese Frau war ein Freigeist.

Ihr Alter ego hieß übrigens "Helga von S.". Lou Andreas Salomé hat gegen diese von ihrer Freundin Frieda von Bülow geschaffene Figur in deren Schlüsselerzählung "Zwei Menschen" nichts einzuwenden, sondern unterschrieb sogar mit dem Namen "Helga" einen Eintrag in ein Gästebuch und bekannte sich insofern indirekt zu der Persönlichkeitsanalyse, wonach Lou eine Vampirnatur besessen hat, die anderen das Herzblut gierig aussaugte, um daraus Kraft zu überquellendem Frohsinn zu ziehen, (vgl.: S.85).

Frieda von Bülow lässt das Alter ego von Lous Andreas-Salomé sagen: "Einer gefällt mir, und ich bekomme einen riesigen Appetit auf ihn. Und dann gehe ich geradewegs auf ihn los und fasse ihn mit beiden Händen. Ich möchte dann mit ihm zusammen sein den ganzen Tag- jeden Tag! Jede Stunde ärgert mich, die ich ohne ihn verbringen muss. Sie ist nur mit Warten ausgefüllt...Nichts beschäftigt mich als dieser Mensch."
"Und dann?"
"Dann freß ich ihn auf"
"Das klingt ja ganz schauerlich!"
"Ich kann`s auch zarter ausdrücken: Ich nehme den ganzen Inhalt seines Wesens in mich auf!" (Zitat: S.85)

Ich zitiere diese Textstelle nicht grundlos, denn ich finde, dass sie das Verhaltensmuster dieser schönen und dabei hochintellektuellen Lou Andreas Salomé sehr gut beschreibt. Der Dichter Reiner Maria Rilke wusste um die Vieldimensionalität dieser von ihm geliebten Frau und begriff sehr schnell, dass darin der Grund für die zeitliche Begrenztheit ihrer Liebe liegen würde, (vgl.S.88).

Im Buch lernt man das Leben beider Personen kennen und auch wie ihre Wege zusammentreffen und sich letztlich wieder trennen, zumindest was die Liebesbeziehung anbelangt.

Lou war von Anfang an eine Frau, die von vielen Männern begehrt wurde. Friedrich Nietzsche war nicht der einzige, der von ihr einen Korb erhielt. Die nicht nur von Rilke geliebte Frau war übrigens Schriftstellerin, Erzählerin, Essayistin und Psychoanalytikerin aus einer russisch-deutschen Familie, die ein selbstbestimmtes Leben lebte, 47 Jahre hindurch mit Carl Andreas Salomé verheiratet war, mit dem sie zeitlebens nicht beischlief.

Man vermutet allerdings, dass sie zahlreiche Liebschaften hatte, sicher auch mit Rilke, dem sie sich als Frau jahrelang verbunden fühlte, weil er  ihr das erstmals Wirkliche gewesen war, (vgl.: S.130).

Das Buch zeigt die innige, geradezu spirituelle Beziehung, die Lou und Rainer miteinander hatten. Rilke hätte niemals mit den Worten über Lou triumphiert "ich hatte sie gehabt", sondern schrieb stattdessen nachdem sie ihn im Jahre 1901 verließ:

"Warst mir die mütterlichste der Frauen
Ein Freund warst du wie Männer sind,
ein Weib so warst Du anzuschauen,
und öfter noch warst Du ein Kind.
Du warst das Zarteste, das mir begegnet,
das Härteste warst Du, damit ich rang.
Du warst das Hohe, das mich gesegnet-
Und wurdest der Abgrund, der mich verschlang."
Siehe S.88

Rainer und Lou waren zwei Liebende, die sich nicht auf der Ebene begegneten. Darin liegt die Besonderheit dieser Beziehung. Lou Andreas-Salomé trennte sich von Rilke, blieb ihm aber ein Leben lang freundschaftlich verbunden.

Empfehlenswert.

Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich.

Rezensionen:Schlüsselmomente: Erfahrungen eines engagierten Lebens (Gebundene Ausgabe)

Liz Mohn, die Autorin dieses aufschlussreichen autobiographischen Buches ist Mitglied des Aufsichtsrats der Bertelsmann AG, des Weiteren ist sie stellvertretende Vorsitzende des Vorstands und des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung, Präsidentin der von ihr gegründeten Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Vorsitzende des Vorstands der Liz Mohn Kultur-und Musikstiftung und des Kuratoriums des Verbands deutscher Musikschulen. Seitens des Club of Rome wurde Liz Mohn 1999 als erste Frau in dieses Gremium berufen.

Frau Mohn ist nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geborenen worden. Nach einer schwierigen Kindheit in der Kriegs- und Nachkriegszeit konnte sie nicht ihrer Intelligenz gemäß eine höhere Schule besuchen und studieren, sondern absolvierte eine Lehre als Zahnarzthelferin.

Umso beeindruckender liest sich die Auflistung der Ehrungen dieser großen Dame unseres Landes. Sie erhielt den Medienpreis Bambi, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, die Ehrenmitgliedschaft Cirucolo de Confianza, den Verdienstordnen des Landes Nordrhein-Westfalen, den Vernon A Walters Award, The UNESCO- Children in Need Award 2008, den Karl- Winnacker-Preis und den Weltwirtschaftspreis 2010.

Frau Mohn berichtet zunächst von ihrer Kindheit, die von Angst und Zuversicht zugleich geprägt worden ist. Sie schreibt von ihrer Lese- aber auch Abenteuerlust in jenen Tagen und berichtet von ihrer großen Fahrrad- und Tramptour durch die Republik in den Wochen bevor sie ihre Lehre begann. Damals schmerzte es sie, dass sie nicht die Freiheit leben konnte, die junge Studenten hatten, die ihr auf der Tour begegneten und suchte nach ihrer Ausbildung nach Aufstiegsmöglichkeiten, die sie sich beim Bertelsmann-Verlag erhoffte.

Der Zufall wollte es, dass der Chef des Unternehmens Reinhard Mohn sich bei einem Betriebsfest in das junge Mädchen verliebte, doch er konnte es erst viele Jahre später heiraten, weil in den 1950er Jahren an eine Scheidung von seiner damaligen Ehefrau nicht zu denken war. Liz Mohn brachte in den 1960er Jahren drei Kinder zur Welt, die sie in jeder Beziehung umsorgte und sie entwickelte sich damals zu dem Menschen, der sie heute ist. Lernen elektrisierte sie, ihr Wissensdurst war schwer zu stillen, schreibt sie und als ihr Mann 1977 die Berteslmann Stiftung" ins Leben rief, war sie schon bald dabei (vgl.S.28). Man erfährt natürlich, um welche Einrichtung es sich bei dieser Stiftung handelt und wie sich diese Stiftung weiterentwickelt hat.

Liz Mohn gestattet dem Leser Einblicke in ihre Verhaltensmuster, die ihren Umgang mit anderen Menschen prägen. Dabei staune ich wie sehr sie doch eine typische Zwillingsfrau ist.:-)) Sie weiß, dass der Glaube an die eigene Lernfähigkeit entscheidend dafür ist, um eigene Potenziale zu entfalten und ist von der Formbarkeit der eigenen Fähigkeiten überzeugt. Sie ist ein Mensch, der fragt, wenn sie nicht weiter weiß und ist fest davon überzeugt, dass der Wille, lebenslang zu lernen, zu den Schlüsselkompetenzen für die Zukunft gehört, (vgl.: S.30). Dabei bereitet es ihr viel Freude, Menschen für verbindende Ideen zu begeistern und in einzelnen Projekten zusammenzuführen, (vgl.: S.31).

Liz Mohn ist ein kommunikativer Mensch, mit großem diplomatischem Geschick. Nach ihrer Eheschließung mit Reinhard Mohn im November 1982 nahm sie schrittweise die offiziellen Termine für die Bertelsmann Stiftung wahr.

Sie berichtet von ihren Reisen, die sie mit vielen sehr bedeutenden Persönlichkeiten zusammenbrachten, von denen sie in Gesprächen immer wieder lernte. So schreibt sie auch von einem bedeutsamen Projekt und zwar dem "Deutsch-Jüdischen Dialog" und lässt nicht unerwähnt, dass die Bertelsmann Stiftung es war, die das Zentrum der Holocaust-Studien in Tel Aviv viele Jahre förderte und im Jahr 2000 den Deutsch-Israelischen Young-Leaders-Austausch initiierte, der sowohl den beiderseitigen Informationsfluss, wie auch das gegenseitige Kennenlernen, den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung junger deutscher und israelischer Führungskräfte fördern sollte, (vgl.: S.39).

Es ist unmöglich im Rahmen einer Rezension über all die Begegnungen zu schreiben, über die Frau Mohn in ihrem Buch viel Interessantes zu berichten weiß. Bemerkenswert ist nicht nur ihre Begegnung mit Frau Gandhi und mit Michail Gorbatschow, dessen leidenschaftlicher Kampf für die Demokratisierung Russlands und das Zusammenwachsen Europas durch den Fall der Mauer sie tief beeindruckt hat, (vgl. S. 50).

Frau Mohn hat die Erfahrung gemacht, dass man die Kultur eines Landes nie allein bei offiziellen Besuchen kennenlernt, sondern immer auch durch die persönlichen Begegnungen mit Menschen, die mit ihren Eigenarten, Gesten und Haltungen uns mehr erzählen, als es Bücher können, (vgl. S.52).

Die Vorstandvorsitzende berichtet von unterschiedlichen Aktivitäten, auch Gesundheitsprojekten und der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung und ich staune über das vielseitige Engagement dieser Frau, die davon überzeugt ist, dass eine internationale Verständigung nur im gegenseitigen Respekt vor den geschichtlichen, kulturellen und religiösen Wurzeln möglich ist, (vgl. S.84).

Liz Mohn thematisiert die Unternehmenskultur als Erfolgsgeschichte des Hauses Bertelsmann, schreibt u.a. von den "Bertelsmann Essentials", zu denen die Teilhabe an umfassender Information und eine Beteiligung der Mitarbeiter am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens gehören, (vgl.: S.93). Das Unternehmen möchte eine Heimat für Kreative und Künstler sein, das sich in jeder Beziehung für Weltoffenheit, Meinungsfreiheit und demokratischen Strukturen in dieser Welt einsetzt, (vgl.S.94).

Für sie ist klar, dass Führungskräfte in einem Unternehmen nicht nur wirtschaftliche Ziele im Auge haben dürfen, sondern stets auch sensibel sein müssen für menschliche Belange. Frau Mohn hebt hervor: "Wenn die Unternehmenskultur das gegenseitige Vertrauen fördert, setzt sie damit viel Einsatz und Kreativität frei. Wer das Gefühl hat, dass seine Arbeit nicht geschätzt wird, wer vielleicht Angst um seinen Arbeitsplatz hat, der verliert die Motivation, fühlt sich durch Angst blockiert und wird nie die Leistung erbringen, wie ein Mitarbeiter, der sich behütet fühlt und motiviert ist, sein Bestes zu geben", (Zitat: S.104).

Liz Mohn macht sich und ihren Lesern nichts vor, wenn sie konstatiert, dass Unternehmenskultur bei Bertelsmann eine harte Erfolgsgröße darstellt, (vgl. S.109).

In der Folge schreibt Frau Mohn von Studien der Bertelsmann Stiftung, über die es sich nicht nur lohnt nachzudenken, sondern auch entsprechende Konsequenzen zu ziehen, auch reflektiert sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, denkt über Frauen in Führungspositionen nach und über Migration und Integration als Herausforderung der Zukunft und um schließlich zu dem Ergebnis zu gelangen, dass Glaube und Zuversicht und der Wille es zu schaffen die Voraussetzungen dafür sind, die Dinge des Lebens positiv voranzutreiben.

Ein Buch, das ich gerne empfehle, weil hier eine Frau schreibt, die mit Herz und Verstand tatkräftig im Leben steht und viel Positives bewegt.

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Rezension:Münchnerinnen, die lesen, sind gefährlich (Gebundene Ausgabe)

Claudia Treibler porträtiert in diesem kleinen Büchlein 16 Frauen, die sich im vergangenen Jahrhundert im München einen Namen gemacht haben. Dabei ordnet die Autorin ihre Texte folgenden Kopfzeilen unter:

Gestutzte Flügel

Zwischen Wirtshaus und Rebellion

Musen, Gefährtinnen, Kämpferinnen

Verehrung, Verfolgung, Widerstand

Wiederaufbau
Was die Frauen, die zwischen 1870 und den 1990er Jahren in München lebten und wirkten, vereint, ist die Tatsache, dass sie alle gerne und oft ihre Nasen in Bücher steckten.

Man lernt zunächst das München des späten 19. Jahrhunderts kennen. Dies war die Zeit, als aus der Kleinstadt München eine Metropole wurde. Mädchen konnten damals in München noch kein Abitur machen und demzufolge auch nicht studieren. Allerdings hatten Frauen, die Ehrgeiz und Geld besaßen, die Chance in die Schweiz zu gehen. Dort nämlich konnten Frauen Abitur machen und seit 1864 auch studieren, (vgl.: S.18).

Das Salonwesen war in München nicht so ausgeprägt, wie in Paris oder Berlin und zwar, weil die gesellschaftlichen Zirkel weniger durchlässig waren als in anderen Städten, (vgl.: S.19).

Der Leser lernt u.a. die Salondame Elsa Bernstein (1866-1949) kennen, zu deren Gästen Thomas Mann, Hugo von Hofmannsthal, Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Franz Stuck und August von Kaulbach zählten, (vgl.: S.31). Dass sie 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde, war tragisch. Erwähnt werden muss, dass Frau Bernstein vielen Mithäftlingen Kraft gab, das Frauen zu überstehen, (vgl.: S.26).Diese Münchnerin zeichnete sich wie viele anderen Damen im Buch nicht nur durch Nachdenklichkeit, sondern auch durch eine große Empathiefähigkeit aus.

Sehr gut hat mir das Porträt von Dr. Anita Augpurg (1857-1943) gefallen. Die Frauenrechtlerin war die erste deutsche, promovierte Juristin, hatte in Zürich studiert und lebte mit einer Frau zusammen. Diese Münchnerin versuchte sich für die Gleichstellung der Frauen stark zu machen als 1900 das BGB in Kraft trat. Allerdings blieben die Frauen bis im Jahr 1976 noch benachteiligt, wenn es um die Gleichheit in der Ehe ging. Dass die Nazis Dr. Augspurg 1923 bereits auf die Liste der zu liquidierenden Personen setzten ist klar. Als Hitler 1933 an die Macht kam, befand sich die Juristin gerade im Ausland und ging nach Zürich ins Exil.

Das Schwabing in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts ist ein Thema. Dort war man auf der Suche nach einer neuen Moral, die sich, wie andere Reformbewegungen der Zeit auch, gegen Prüderie und Sexualfeindlichkeit wandte, (vgl.: S.48). Die Schriftstellerin Franziska zu Reventlow (1871-1918), die mit vielen Intellektuellen ihrer Zeit befreundet war und versuchte, ein freies Leben zu führen, konnte wie kaum eine andere Frau in jener Zeit in Erfahrung bringen, welchen Tribut sie für ein solches Leben zu zahlen hatte. Reventlow war ihrer Zeit Lichtjahre voraus.

Sehr bemerkenswert auch ist das Porträt Katia Manns (1883-1980), die alle als die Gattin von Thomas Mann kennen. Doch wer weiß schon, dass diese Frau eine der ersten immatrikulierten Studentinnen Münchens war? Sie studierte übrigens Mathematik und Physik. Ihre Großmutter war Hedwig Dohm, eine Vorkämpferin der Frauenbewegung.

Es werden in der Folge eine Reihe sehr kluger und dabei tapferer Frauen vorgestellt u.a. die Friedensaktivistin Constanze Hallgarten (1881-1969), die vor den Nazis ebenfalls in die Schweiz floh.
Man liest von der Judenverfolgung in München, auch von dem, was Frauen in München während der Kriegszeit zu schultern hatten und von der Bombardierung, durch die 90% der Innenstadt zerstört wurde.

Des Weiteren begegnet man der Intellektuellen Erika Mann, die ein Kabarett, offiziell literarischer Natur, allerdings mit politischen Untertönen, in München gründete, lernt auch die jüdische Schriftstellerin Gerty Spies kennen, die den Satz prägte "Verzeihen- aber nicht vergessen. Das Herz reinhalten von Hass- und Rachegefühlen", um schließlich im letzten Kapitel über die lesenden Frauen der Aufbaujahre nach dem Krieg informiert zu werden. In jener Zeit galt noch die klassische Rollenaufteilung und doch gab es Frauen, die sich in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und ihrem beruflichen Engagement davon nicht beeindrucken ließen.

Empfehlenswert.
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Rezension:Wirtschaft braucht Anstand. Der Unternehmer Wolfgang Grupp (Gebundene Ausgabe)

Dr. Erik Lindner hat seiner Biographie über den schwäbischen Unternehmer Wolfgang Grupp nicht grundlos den Titel "Wirtschaft braucht Anstand" gegeben. Dieser Unternehmer, den viele aus Talk-Shows kennen, argumentiert strikt gegen die Globalisierung im Sinne der kompletten Produktionsverlegung ins Ausland zu Lasten deutscher Arbeitsplätze, die in zahlreichen Branchen leider zum Standard geworden sind, (vgl.:S.12). Wolfgang Grupps Firma "Trigema" ist seit 35 Jahren schuldenfrei. Der Unternehmer finanziert zu 100% alles selbst. Es gibt weder Leasing, noch Lieferantenkredite und keine Abhängigkeit von Geldgebern, (vgl.S.16).

Grupp zieht in Talkshows gegen die Verantwortungslosigkeit, den Größenwahn und die Selbstbedienungsmentalität in Vorstandetagen zu Felde und dokumentiert durch seine Art zu wirtschaften, dass es auch anders geht.

Grupp, der größte Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung, hat ein Geschäftsmodell, das im Buch gut erläutert wird. Dr. Lindner nimmt Stellung zu den Punkten:

1)Kontinuierliche Produktion
2)Kundenorientierte Schnelligkeit und innerbetriebliche Flexibilität
3)Nicht auf Umsatz nach Menge oder Stückzahlen, sondern ausschließlich auf Rendite ausgerichtet.
4)Schlanke Verwaltung
5)Unabhängigkeit
6) Sofortzahlung bei Bestellungen und Investitionen
7)Höchste Anforderungen an die Qualität der Produkte
8)Überschaubare Betriebsgröße und Mitarbeiterbindung
9)Verzicht auf externe Dienstleistung
10)Sicherung der Arbeitsplätze

Der Autor berichtet von den Anfängen der Firma, von Wolfgang Grupps Großvater Josef Mayer, der die Textilfirma einst gründete, von der sprunghaften Entwicklung nach dem ersten Jahrzehnt der Firmengründung, die sich keineswegs nur in der Zahl von 800 Beschäftigten niederschlug. Auch über Grupps Vater, einem Juristen, dessen geschäftliche Erfolge nicht immer herausragend waren, ist die Rede und auch von den Konflikten die der betriebswirtschaftlich begabte Sohn mit seinem Vater hatte. Wolfgang Grupp, der in Köln sein Examen mit Auszeichnung absolvierte, schaffte es als junger Diplomkaufmann die Schulden, die Firma hatte, in kurzer Zeit abzutragen.

Viele gute, neue Ideen setzte Wolfgang Grupp schon als junger Diplomkaufmann um. Darüber schreibt Dr. Lindner sehr spannend. Der Trigema-Chef richtete nach dem durch ihn forcierten Generationenwechsel die Geschäftspolitik wie folgt aus:

1) Überschaubare Unternehmensgröße
2) Kein Prestigedenken, sondern Arbeitsplatzsicherung
3) markt- und verbraucherorientierte Produktion
4) kein Umsatz,- sondern Renditedenken
5) Teamarbeit, Menschenwürde und Freiheit am Arbeitsplatz.

Der Jesuitenschüler und gläubige Christ schaffte es, die Unternehmenshierarchie abzubauen und stattdessen die Teamarbeit zu intensivieren. Grupp agiert seit Jahrzehnten in einem Großraumbüro, wo er nahezu alle Verwaltungsleute in Rufweite hat.

Man liest von seiner Familie, auch davon, dass seine Frau ihm geschäftlich zu Seite steht und von seinen Kindern, die sich auf ihren Vater verlassen können, allerdings nicht verhätschelt werden, sondern leistungsbezogen ihr Leben gestalten sollen und es offenbar auch gerne tun.
Immer wieder wird die Streitbarkeit dieses Mannes thematisiert, der davon überzeugt ist, dass nicht selten dann, wenn die verantwortlichen Führungskräfte in einem Unternehmen, nicht die Inhaber eines Geschäftes sind, die Verhältnisse in den Firmen dazu tendierten, problematisch zu werden. Grupp geht es um Verantwortung, die er bei allen Führungskräften einfordert.

Es führt zu weit, die Entwicklung seiner Firma an dieser Stelle ausgiebig darzulegen. Ich empfehle Interessierten sich diesbezüglich im Buch kundig zu machen. Hier kann man viel lernen.

Mich begeistert das Denken und Handeln Wolfgang Grupps, der in den Augen vieler als altbackener Patriarch gilt. Ich hingegen sehe in ihm einen überaus erfolgreichen, verantwortungsbewussten Unternehmer, auf den sich Mitarbeiter und gleichermaßen seine Kunden, aber auch seine Familie verlassen können. Wolfgang Grupp ist ein Alphamann wie aus dem Bilderbuch, mit glasklarem Verstand und wirtschaftsethisch lobenswerten Gedanken, die er in die Tat umsetzt. Unser Land bräuchte weitaus mehr solcher Menschen in Führungspositionen, dann würde sich vieles zum Positiven wenden.
Ein wirklich lesenswertes Buch.

Überall im Handel erhältlich.