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Rezension: Luciano Pavarotti (Gebundene Ausgabe)

Der italienische Tenor Luciano Pavarotti ( 12.10.1935 - 6.9. 2007) gehörte zu den führenden Interpreten seines Fachs und war besonders mit italienischen Opern, gefeierter Gast an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt, ferner war er Konzertsänger und Opernregisseur. Während seiner Hochblüte verkaufte Pavarotti doppelt so viele Tonträger wie Carreras und Domingo. Mit diesen beiden Tenören wurde er aufgrund der Konzerte, die die " Drei Tenöre " weltweit gaben zum Superstar. So erreichte das Konzert der drei Tenöre in den römischen Caracalla- Thermen bei der Fußballweltmeisterschaft 1990 etwa eine Milliarde Zuschauer.
Pavarotti trat mit vielen Popkünstlern auf und potenzierte dadurch seinen medialen Ruhm, den er innerhalb von Benefizkonzerten für Flüchtlinge, das Rote Kreuz und zur Rettung des Regenwaldes nutzte.



Thomas Reitz, Felix Scheuerflug und Edwin Tinoco haben in ihren privaten Archiven und Bildern Ausschau gehalten und ihre ganz persönlichen Erinnerungen an die Zeit mit Luciano Pavarotti zu Papier gebracht. Diese drei Personen arbeiteten eng mit dem Opernsänger zusammen. Über ihre beruflichen Tätigkeiten wird man auf der Rückseite des Buchumschlags informiert.



Eine Fülle von Fotos zeigt den Künstler bei unterschiedlichen Tätigkeiten, zeigt ihn stets mit lachenden Augen. Ein positiver, sympathischer Mensch, dessen Antlitz zwei Merkmale kennzeichnen: Freude und Güte.



Man erlebt Pavarotti als Vater, Familienmensch, Koch, Chef, Tenor, Sohn, Lehrer, Geburtstagskind, Genießer, Kollege Weltreisender, Freund, Spieler, Geschäftsmann, Modell, Fußball- und Sportfan, Visionär und UN- Sonderbotschafter, Hundeliebhaber, Rennfahrer, Sammler, Komiker, Opernstar und Pferdenarr.

Zu all diesen Funktionen erfährt man textlich Interessantes und darf sich jeweils diverser Fotos erfreuen.

Es ist unmöglich im Rahmen einer Amazon -Rezension auf die beschriebenen Funktionen näher einzugehen, aber ich möchte zwei Seiten Text wiedergeben, die viel über den Menschen Pavarotti aussagen: Zehn Dinge , die Luciano Pavarotti wirklich nicht mochte: Alle Menschen, die ihren Beruf weder mochten noch perfekt ausübten, zum Beispiel unfreundliche Kellner. Kalte Pasta, warmes Wasser Das Essen ist fertig, aber keiner sitzt am Tisch. Alle sitzen am Tisch, aber keiner fängt an zu essen, bis der letzte sein Essen hat- Pasta muss man heiß essen, also gleich, wenn das Essen serviert wird!



In der Lufthansa First Class nicht den Sitz 82 K zu bekommen. Duty - Free - Artikel , die nicht verfügbar waren. Schlechte Fahrer, die das Auto quälten, statt ihn angenehm zu fahren oder den Weg nicht kannten.

Räume ohne Klimaanlage Einen Händedruck , der einem Knochenbruch gleichkam. Rat von jemand, der nicht darum gebeten wurde.



Zehn Dinge , die Luciano Pavarotti wirklich mochte:

Seine Töchter

Geselligkeit, Freunde, Familie

Karten spielen, Poker, Briscola

Tennis spielen

Fußball spielen und mit Freunden Fußball spielen

Pferde Hunde

Schwimmen

Witze erzählen, neue Witze erzählt bekommen

Gutes Essen, Lambrusco

Sein Leben und den Sonnenuntergang auf Barbados



Der Opernsänger wusste: " Vor allem bin ich Opernsänger, so werden sich die Menschen an mich erinnern."

Das vorliegende Buch bemüht sich die vielen anderen Facetten des Weltstars aufzuzeigen für den bei allem die Familie das Wichtigste im Leben war. Ein liebenswerter Mensch. Die Fotos lassen keinen Zweifel zu.



Empfehlenswert!


Rezension: Lou Andreas-Salomé - "... wie ich Dich liebe, Rätselleben": Eine Biographie (Broschiert)

"Darin besteht die Liebe: Dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden." ( Rilke)

Die Autorinnen Michaela Wiesner- Bangard und Ursula Welsch befassen sich in dieser Biographie breitgefächert mit dem Leben der Schriftstellerin Lou Andrea-Salomé (1861-1937), einer Russin französischer Abstammung. Ihr Name ist für immer mit dem Leben drei deutschsprachiger Genies- Nietzsche, Rilke und Freud- untrennbar verbunden. Die Hugenottenfamilie Salomé hatte unter Ludwig XIV Frankreich verlassen, kam nach Kurland, dann nach St. Petersburg. Lous Vater war General und ließ ihr eine sorgfältige Bildung angedeihen. Im Frühjahr 1882 stellte ihr Frau Malvida von Meysenburg Nietzsche vor - in der Hoffnung der Philosoph würden mit ihr einen Hausstand begründen.


Der Autor von " Die fröhliche Wissenschaft " hielt tatsächlich um ihre Hand an, da die außergewöhnliche Intelligenz dieser Schönheit ihn faszinierte. Es war die Zeit des großen Nietzsche- Wagner- Streits. Lou erbat sich Bedenkzeit, lehnte dann die Heirat ab und fuhr nach Bayreuth, um den " Parzifal " zu hören. Im folgenden Jahr veröffentlichte sie Im Kampf um Gott. 1887 heiratete sie in Sandpoort einen schon berühmten Asienforscher, den Professor F. C. Andreas. Ab 1894 schreibt sie in Wien ihre große Studie " Friedrich Nietzsche in seinen Werken ". Nach den Erscheinen von " Ruth " begegnet ihr 1897 in München Rilke, der damals 27 Jahre alt ist. Ihre Beziehung bleibt nicht platonisch. Zweimal nimmt sie den jungen Dichter mit nach Russland und wird mit ihm von Tolstoi empfangen.


Als Rilke 1901 eine frühere Rodinschülerin, Clara Westhoff, heiratet, wird die Liebe durch Freundschaft abgelöst. Lou übt weiterhin einen guten Einfluss auf Rilke aus, noch bis zu den letzten Tagen des Dichters. Zwei Jahre nach dem Tod des Autors der Duineser Elegien: Leipzig 1923 publiziert sie ihren " Rainer Maria Rilke". Das Werk wird von einer anderen Anhängerin des Frauenlieblings ergänzt , den " Erinnerungen an Rilke " der Prinzessin Marie de Tour und Taxis Hohenlohe. Lou haben wird außerdem " Ma ", " Erotik "," Das Haus ", " Stunde ohne Gott ", " Der Teufel und meine Großmutter ", " Rodinka " , dessen delikate psychologische Schärfe unvergessen bleibt und ihr bedeutendstes Werk " Menschenkinder " zu verdanken.
Lou Andrea-Salome bewunderte Freud, der sie eine " Versteherin par excellence " nannte, praktizierte selbst die Psychoanalyse und veröffentlichte einige wichtige Aufsätze zur Tiefenpsychologie. Aus ihrem Tagebuch " In der Schule bei Freud " erfahren wir viel über die Entwicklung seiner Wissenschaft und über seine Persönlichkeit. Lou Andreas Salome verdient mehr gelesen zu werden als Zeugin des Lebens im Geist Nietzsches, Rilkes und Freuds. Die Biographie ist eine gute Grundlage um das Werk der Schriftstellerin besser zu verstehen.


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Rezension:Mandela: Sein Leben und Wirken (DVD)


"Die größte Kunst des Lebens ist nicht den Fall zu verhindern, sondern immer wieder aufzustehen" (N. Mandela),

Diese DVD-Dokumentation befasst sich sehr kritisch mit dem Leben und Wirken Nelson Mandelas, der am 18.7.1918 in Qunu als Sohn eines Mannes geboren wurde, der der südafrikanischen Oberschicht angehörte. Weil sein Vater sich den Weißen gegenüber widerständig zeigte, verlor die Familie Rang und Besitz. Dies veränderte das Bewusstsein Nelson Mandelas.

Anhand von Bildern und Interviews wird die Entwicklung Mandelas gezeigt. Der Jurist wurde 1944 Mitglied des African National Congress (ANC). Damals scheint er noch ziemlich hitzköpfig gewesen zu sein. Nach dessen Verbot war er führend am Aufbau der geheimen Militärorganisation des ANC beteiligt.

Gezeigt werden seine Frauen, die ihn zu unterschiedlichen Zeiten in seinem schicksalhaften Leben begleitet haben. Die Bürgerrechtlerin Winnie heiratete er 1958. Mit ihr war er bis 1996 verheiratet. Ihre politischen Alleingänge kommen zur Sprache aber auch all das Fürchterliche, was sie im Gefängnis erleben musste.

Mandela wurde 1962 zu fünf Jahren Gefängnis, 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Gezeigt wird, wie er vom Gefängnis aus den Kampf fortsetzt und zur Symbolfigur des schwarzen Widerstandes gegen die Apartheid wurde.

Man erlebt, wie er aus der Haft entlassen wird und wie man ihn zum Vizepräsident von Südafrika wählt, wie er auf der Seite des ANC die Verhandlungen mit der weißen Minderheitsregierung unter F. W. de Klerk führt, die das Ende Apartheit und den friedlichen Übergang der Republik Südafrika zu einer gemischtrassigen Demokratie zur Folge hatte.

Mit de Klerk erhielt er dafür gemeinsam den Friedennobelpreis. Man erlebt Mandela wie er 1994 Ministerpräsident wird, erlebt seine Gelassenheit und sein ungeheuer liebevolles Wesen. Alle weiteren Stationen bis ins Heute werden gezeigt.
Es wird auch über seine politischen Fehler gesprochen und über die sozialen Probleme in Südafrika zum jetzigen Zeitpunkt.

Bemerkenswert sind die vielen Interviews, so etwa mit Nadine Gordimer, mit de Klerk, mit diversen Mitgefangenen von Mandela und anderen mehr, vor allem mit Mandela selbst. Auf der Rückseite der DVD steht ein Zitat von ihm, das mir sehr gefällt: "Die größte Kunst des Lebens ist nicht den Fall zu verhindern, sondern immer wieder aufzustehen."

Die Bild- und Tonqualität sind bestens.




Rezension:Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien. (Taschenbuch)

Ein Leben, dem die Liebe fehlt,/ Gereicht der Welt nur zum Verdruss."

Minnelied des französischen Troubadours B. de Ventadour( 1125-1195).


Die von mir hochgeschätzte Régine Pernoud ist eine der führenden Historikerinnen Frankreichs. Ihre Bücher habe ich alle gelesen und bin vom gleichbleibenden Niveau ihrer Texte stets aufs Neue begeistert.Für das vorliegende Buch hat sie den Grand Prix Historia verliehen bekommen. Den äußerst differenzierten Betrachtungen des Lebens von Eleonore von Aquitanien, Königin von Frankreich und dann von England sind bibliographische Hinweise, eine Karte von England und Frankreich und ein Stammbaum angefügt.

Die junge Eleonore soll hübsch, klug, lebhaft, mit einer Vorliebe für Liebeslieder und Abenteuer gewesen sein. In ihrem hitzigen Blut ist sie offenbar ihrem Großvater Wilhelm dem Troubadour nachgeschlagen.Als den Herzog Wilhelm X. von Aquitanien der Tod ereilt, vermählt sich seine Tochter, um einem frühen Wunsche ihres Vaters zu gehorchen, mit Ludwig, dem Erben des Königs von Frankreich. Sie ist in jenem aufregenden, raffinierten Languedoc aufgewachsen, wo sich trotz der lockeren Sitten die asketische Lehre der Katharer verbreiten kann und ist deshalb das Gegenteil ihres Gemahls, der bereits einen Monat nach der Hochzeit die Lilienkrone trägt.

Sie ist so sinnlich und graziös wie er fromm und plump. Eleonore erträgt das gemeinsame Leben mit dem " königlichen Schreiber " fünfzehn Jahre lang. Während des zweiten Kreuzzugs, auf dem sie ihn begleitet, teilt sie ihm in Antiochos ihren Entschluss mit, sich scheiden zu lassen. " Ich glaubte einen Mann zu heiraten und keinen Mönch!" Vom Orient betört - zweifellos auch von ihrem Onkel Raimond de Poitiers und dem Mohammedaner Saladin -, denkt sie daran sich dort niederzulassen.

Aber Ludwig VII. ist keineswegs gewillt, auf diese Weise seine Frau und deren Mitgift, Aquitanien zu verlieren. Er entführt sie mit Gewalt aus Antiochos und fährt mit ihr an die Ufer der Seine zurück. Es hilft nichts. Nachdem das Konzil von Beaugency bei den Eheleuten eine Blutsverwandtschaft sechsten Grades festgestellt hatte, annulliert es am Palmsonntag des Jahres 1152 die Ehe von Eleonore und Ludwig. Aquitanien geht an ihre einstige Besitzerin zurück. Die Herzogin Eleonore ist frei. Wird sie sich erneut nach dem Heiligen Land einschiffen und zu ihren erotischen Liebschaften zurückkehren? Nein, sie hat sich in Heinrich Plantagenet, Graf Anjou, verliebt, als dieser dem König von Frankreich seine Lehenshuldigung darbrachte. Zwei Monate nach ihrer Scheidung heiratet sie ihn und schenkt ihm zur Hochzeit Aquitanien.

Ab 1154 herrscht Heinrich II. und Eleonore über England: Ihr Reich erstreckt sich von Schottland bis zu den Pyrenäen. In Wirklichkeit verwaltet Eleonore von Aquitanien allein, denn Heinrich, der in den nördlichen Marken oder in der Normandie Krieg führt, kann sich nicht darum kümmern. Zu jener Zeit lebt sie prunkvoll abwechselnd in Potiers, Niort und Bordeaux, umgeben von hübschen eleganten Damen und galanten, redegewandten Herren. Sie beschützt die Troubadoure und Gelehrte, erfindet " Kurse der Liebe " und reagiert flink bei geistvollen Spielen, verachtet darum keineswegs die Freude des Körpers. Heinrich ist weit weg und untreu, so gibt sie ihrer ungestümen Natur nach.

Sie liebt Herren, die dichten und Dichter, die keine Herren sind, darunter vermutlich Bernard de Ventadour. Sie ist Künstlerin und Liebende und betrachtet sich als Beschützerin der öffentlichen Belange.Die Herzogin Eleonore urteilt, erlässt Gesetze, unterstützt die Kommunalbewegung. Es heißt sie habe sogar ein Gesetz für Seefahrt verfasst. Im Jahre 1173 wird ihre mütterliche Leidenschaft ihr zum Verhängnis. Da sie den Aufstand ihrer Söhne Heinrich, Richard und Geoffroy gegen den Vater unterstützt hatte, lässt Plantagenet sie zuerst in einem Kloster, dann im Schloss von Salisbury festsetzen.

Erst nach dem Tode Heinrichs des II. 1189 wird sie frei. Von jetzt an wird sie bis zu ihrem letzten Atemzug alles daran setzen, die Familienangelegenheiten, also Staatsangelegenheiten, in Ordnung zu bringen. Ihren Sohn Richard I. von England hält Kaiser Heinrich VI. gefangen. Sie regiert sein Königreich und bringt dem Deutschen selber die hunderttausend Pfund, die er als Lösegeld für Richard Löwenherz verlangt.Im Jahre 1202 überquert die unbezähmbare Eleonore trotz ihres Alters die Berge. In Spanien führt sie die Verhandlungen über die Verlobung ihrer Enkelin Blanche, Tochter des Königs von Kastilien , mit dem zukünftigen Ludwig VIII. von Frankreich und setzt damit dem Krieg, den England seit fünf Jahren mit Frankreich führt, ein Ende. In der Abtei von Fontevrault, für die sie stets eine Vorliebe gehabt hatte, findet Eleonore von Aquitanien den Tod und wird dort zwischen Heinrich II. und Richard I. bestattet.

Pernoud schreibt: " Sie sieht in dem warmen Ton ihres Grabsteins nicht wie eine Tote aus. Zu ihrer Zeit kannte man ja auch noch nicht jenen groben Realismus, der in der Renaissance aufkam und die Toten gerne als Kadaver zeigte."

Recht hat die Historikerin. Eleonore sieht auf dem Rosa und Hellblau gehaltenen Grabstein wunderschön aus. In ihren Händen hält sie ein Buch, dass darauf hindeutet, das dort die Königin der Intellektuellen ihrer Zeit bestattet worden ist. Dieser Anblick in Fontevrault hat mich tief berührt.

Wie alle Bücher Pernouds zeugt auch dieses Buch vom kritischen, historischen Verstand der Autorin.

Rezension: Einstein von J. Neffe

Jürgen Neffe beleuchtet nicht wenige Facetten in Albert Einsteins vielschichtigem Leben.

Vorrangig befasst sich der Autor allerdings mit der Entwicklung von Einsteins naturwissenschaftlichem Genie. Frühe Förderung erhielt der junge Albert in seinem Elternhaus. Sein Vater besaß in München eine Firma, die sich mit Elektrizität beschäftigte und Beleuchtungsanlagen vertrieb. In dieser Firma hatte der mathematisch Hochbegabte Gelegenheit sich bereits im Kindesalter praktisch mit dem auseinanderzusetzen, was er , als Lesenarr, zuvor in der Bibliothek der Familie theoretisch an naturwissenschaftlichen Kenntnissen in sich aufgesogen hatte. Im Laufe einer zehnjährigen Lernphase hinterfragte er den Zeitbegriff nicht nur physikalisch, sondern auch philosophisch und so gelangte der spätere Professor schließlich zu seiner berühmten Formel " Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat." Über Einsteins Relativitätstheorie und dessen Quantentheorie, wie auch über seine Bemühungen eine " Weltformel " zu finden, schreibt Neffe ausführlich und durchaus transparent genug, damit selbst der Laie noch eine Idee von dem erhält, worum es dem Genie bei seinen gedanklichen Höhenflügen gegangen ist.

Über Einsteins Freunde, vor allem Michele Besso und von seinen Feinden ist die Rede. Der Nobelpreisträger kannte viele und nicht wenige drängten sich in seinen Dunstkreis. Man erfährt, dass Heinrich Mann und nicht Thomas sein Lieblingsautor war, er die Kompositionen Mozarts musikalisch am meisten schätzte und sich von Liebermann und nicht von Chagall portätieren ließ. Entschieden lehnte Einstein die These einer Spiegelung seiner Relativitätstheorie in der damals zeitgenössischen Kunst, etwa im Kubismus Feiningers, ab. Der Hobby- Geiger und Freizeit- Segler scheint gewisse Persönlichkeitsdefizite im Umgang mit Frauen gehabt zu haben. Dokumente aus seiner Ehe mit seiner ersten Frau, der Physikerin Mileva Maric lassen keinen anderen Schluss zu. Auch seine Beziehung zu seinen Kindern war schwierig. Dem Intellektuellen scheint der gefühlsmäßige Zugang zu seinen unmittelbaren Mitmenschen ein Leben lang verschlossen geblieben zu sein.

Der nicht religiöse Jude Einstein war erklärter Zionist, setzte sich für humanistische Ideen und für demokratische Strukturen in der Gesellschaft ein. Mit Walther Rathenau hatte Einstein damals engen Kontakt. Früh schon war er, nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen des ersten Weltkrieges, Pazifist geworden. Distanzierte sich jedoch , nachdem er später vom Holocaust erfuhr, vorübergehend von seinen pazifistischen Grundeinstellungen und plädierte sogar für den Einsatz der Atombombe, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Bereits 1945 allerdings kehrte er zu seiner vormaligen Friedensbewegtheit zurück, und begründete die bedeutendste Friedensinitiative der 50er Jahre mittels des Russell- Einstein- Manifestes. 
 
Vor 1933 war Albert Einstein in Berlin am ehrwürdigen Max- Planck- Institut tätig. Zu diesem Zeitpunkt war er weltweit schon eine Berühmtheit. Das hinderte die Nazis - solche gab es auch unter seinen hochkarätigen Kollegen- nicht daran, massiv gegen die Geistesgröße vorzugehen. Der Nobelpreisträger emigirierte 1933, gemeinsam mit seiner zweiten Frau Elsa , nach Princeton, in die USA. Er lehrte in den Folgejahren als Professor an der dortigen Universität. Auch in Amerika blieb der kluge Professor politisch aktiv, setzte sich für Minderheiten ein, für Gerechtigkeit, Frieden und Vernunft. Einstein blieb , wie man Neffes hervorragender Biographie entnehmen kann, ein Querkopf und ein Querdenker bis ans Ende seiner Tage, am 15. April 1955. Ein tolles Buch über den Menschen, der so gerne auf dem Templiner See gesegelt ist!

Rezension: Kant von Prof. Manfred Kühn

Wie Professor Kühn gleich zu Beginn seines Buches bemerkt, war Kants Leben äußerlich ereignisarm. 1724 in Königsberg als Sohn eines Riemermeisters geboren, besucht er das Fridericianum und studiert später Philosophie und Naturwissenschaften an der Albertina. Seinen Lebensunterhalt verdient er zunächst als Hauslehrer auf Adelgütern. Er promoviert 1755 und lässt sich als Privatdozent an der Universität Königsberg nieder. Dort erhält er 1770 eine Professur für Logik und Metaphysik, die er bis zu seinem Lebensende inne hat.

Kühn berichtet von den historischen Ereignissen zuzeiten Kants, stellt Überlegungen an hinsichtlich der Wechselwirkung zu dessen intellektuellem Schaffen. Von den in Ostpreußen einflussreichen Pietisten ist die Rede, zu denen Kant ein sehr distanziertes Verhältnis hatte, weil seine Präferenz der moralischen Autonomie des Menschen und damit der Freiheit des Willens, mit ihrem Glauben nicht vereinbar war. Der " Wolff'sche Rationalismus und die Gedanken von Leibniz werden in Kühns Betrachtungen ebenfalls nicht ausgespart.

Kant war ein geselliger Mann, hatte viele Freunde, der Ostpreuße Daniel Funk war in jungen Jahren einer von ihnen , in späteren dann war wohl der britische Kaufmann Joseph Green sein engster Freund. Mit ihnen und anderen gemeinsam verbrachte er , diskutierend, viele Stunden , liebte das schöne Leben, die Literatur, die lukullischen Freuden und kleidete sich, wie Voltaire, gerne gut. Leute allerdings, die " etwas Besonderes sein wollten, mochte er nicht." Zu seinen Schülern, die ihn auch deshalb schätzten , weil er aufgeklärt pädagogische Vorstellungen in seinem Unterricht umsetzte, zählten der spätere Theologe Herder und der Dichter Lenz. Kant schätzte im übrigen Rousseau, dessen pädagogische Schrift " Emile " er gelesen hatte und dessen Portrait, als einziges Bild in seinem späteren Haus in Königsberg hing.

Als Kant das vierzigste Lebensjahr erreichte, stellte er fest, dass man von da an einen Charakter erwirbt und dieser auf Maximen (Grundsätze)konstituiert ist. Maximen sind für ihn Grundregeln des Verhaltens und Denkens und Ausdrucksformen vernünftigen Handelns. Der Charakter ist nach Kant Ausdrucksform des Willens und um den guten Willen geht es Kant in vielen seiner Schriften. Manfred Kühn setzt sich in der Folge mit Kants umfangreichen Werk auseinander, man liest über die " Kritik der reinen Vernunft ", " Kritik der praktischen Vernunft ", " Kritik der Urteilskraft " und viele andere seiner bedeutenden Werke, so etwa auch von seinem philosophischen Entwurf " Zum ewigen Frieden ", in dem Kant eine friedliche Weltordnung im Auge hat und sich damit gedanklich abhebt von dem, was die politischen Entscheider seiner Zeit vorexerzierten. Der Philosoph schrieb sich mit Schiller und es gab eine intellektuelle Verbindung zu Fichte, der dem großen Ostpreußen viel zu verdanken hatte, allerdings aufgrund kritischer Anmerkungen dessen Zorn hervorrief.

Immanuel Kant war ein Ausnahme-Mensch, eine Person mit großem ethischen Wollen, dem wir und das macht Kühn in seiner Biographie deutlich, vieles, im besonderen die Erkenntnis des kategorischen Imperativs zu verdanken haben. Als der bedeutende Denker vor zweihundert Jahren am 12.2.1804 mit den Worten " es ist gut " verstarb, hat er der Nachwelt mit seinen Ideen den Schlüssel in die Hand gegeben zu einem wirklichen Paradies auf Erden!

Ein detailreiches, hervorragendes Buch, das sich zu lesen lohnt! Warum gibt es an dieser Stelle keine Buttons zum Abstimmen? Kunden können nur über die Rezensionen anderer, aber nicht über ihre eigenen Rezensionen abstimmen. Aus diesem Grund erscheinen die Buttons für eine Abstimmung nur, wenn Sie die von anderen verfassten Rezensionen ansehen.




Rezension: Susan Sontag. Geist und Glamour: Biographie (Gebundene Ausgabe)

Der in New York lebende Literaturwissenschaftler Daniel Schreiber hat eine bemerkenswerte Biographie über die 2004 verstorbene amerikanische Intellektuelle Susan Sontag (geb. 1933) vorgelegt. Schreiber beginnt die Darstellung des Lebens der amerikanischen Kritikerin und Schriftstellerin mit deren Kindheit zwischen 1933- 1944. Sontag hat später in ihren Essays "On Photography" und "Where the Stress Falls" Anmerkungen zu jenen Tagen aufgezeichnet. Die Schriftstellerin wurde in New York als Tochter säkularisierter jüdischer Eltern geboren, hielt sich mit diesen ein Weile in China auf und musste nach dem frühen Tod ihres Vaters- er war Pelzhändler- den sozialen Abstieg ihrer Familie miterleben. Sie verbrachte längere Zeit in Arizona und befasste sich aufgrund ihrer Hochbegabung sehr früh mit Literatur.

1947 besucht sie dann die Hollywood High School, fühlte sich intellektuell aber unterfordert. Im Alter von 14 Jahren las sie bereits Kafka und Mann, begeisterte sich für ausländische Filme, wie Jean Cocteaus " La Belle et la bete" (1946) oder Rosselinis "Roma, citta aperta" (1945) und las eine Reihe interessanter Zeitschriften, die ihren Willen zur Intellektualität zum Ausdruck brachten. Eine Begegnung mit Thomas Mann fällt in diese Jahre, von der die Presse später immer wieder schrieb.

Im Alter von 16 Jahren wechselte Sontag auf das College, heiratete mit 17 und wurde mit 19 Mutter. Der Soziologie- Dozent Philip Rieff war für sie ihre erste große Liebe. Mit ihm führte sie ihre ersten emotionalen und intellektuellen Kämpfe aus und lebt zunächst in einer nahezu symbiotischen Ehe, doch Sontag bricht aus ihrer Ehe, die sich zwischen erotischer Repression und intellektueller Offenheit bewegt, aus, nachdem sie 1957 ihren Harvard-Magistertitel in Philosophie erworben hatte und geht nach England, um an der Oxford Universität an ihrer Dissertation zu schreiben. 

Ihr Thema sind die metaphysischen Voraussetzungen von Ethik. Von Oxford gelangt sie nach Paris, der Stadt ihrer Kindheitsträume. Hier genießt sie das Boheme-Leben der Intellektuellen, vertieft sich in die kulturelle Szene und lernt, dass "die persönliche Meinungsbildung nicht weniger als ein existentielles Drama ist, das weit über das Schmieden universitärer Allianzen hinausreicht, und mehr noch, dass das Einnehmen einer intellektuellen Position auch von persönlichen Intuitionen, Vorlieben und Idiosynkrasien beeinflusst werden kann, erst recht wenn sie nicht Teil des akademischen Diskurses sind."

Zurück in New York verabschiedet sie sich endgültig von der Ehe und beginnt in New York das Leben als freie Autorin . Es dauert nicht lange und sie zählt, nicht zuletzt aufgrund ihrer brillanten Analysen und hervorragenden Essays, zu den intellektuellsten Köpfen der USA. Sie hatte Zugang zu exklusiven Zirkeln, wo sich die High Society New Yorks mit Literaten, Künstlern und Intellektuellen traf, weil sie , so vermutet Schreiber, eine unwiderstehliche Mischung aus Geist, Hipness, Sex und Schönheit ausstrahlte. Bobby Kennedy und Warren Beatty lagen ihr zu Füßen. Sontag hatte Starqualitäten, diese setzte sie gekonnt auf der medialen Bühne um. Ihr Foto zierte u.a. auch die Seiten von Vogue und Mademoiselle.

967 beendet sie ihren Roman "Todesstadion" und erhält schlechte Kritiken. Er wurde als "Existentialisten-Kitsch" bezeichnet und sollte für die nächsten 25 Jahre der Roman Sontags sein. In der Folge reiste sie nach Kuba und begeisterte sich für die Revolutionshelden Che Guevara und Fidel Castro und versuchte alsdann einen Filmkarriere mit kreativer Dynamik voranzutreiben. Ihre Essays, die sie zu dieser Zeit veröffentlichte, waren weiterhin brillant.

Zum Feminismus jener Jahre scheint sie ein ambivalentes Verhältnis gehabt zu haben. Sie sah diesen zwar als eine der wichtigsten Entwicklungen dieser Tage, doch sie bemerkte, dass in seinem Zentrum die Beschäftigung mit Mittelmäßigkeit stehe. Für sie war es eine Bewegung für die Rechte durchschnittlich begabter Frauen. Einer der meist verkauften Essays Sontags ist der Essay "Faszinierender Faschismus". Für die Essayistin waren Riefenstahls Filme Meisterwerke "weil sie die komplexen Bewegungen der Anmut und Sinnlichkeit im Bild einfangen" und die Kategorien der Propaganda und selbst der Reportage" übersteigen.

Des weiteren liest man von ihrer Krebserkrankung und den damit verbundenen materiellen Problemen und dem Essay " Krankheit als Metapher", das ein Plädoyer für den unverstellten Umgang mit Krebs und eine intellektuelle Achterbahnfahrt durch die Kulturgeschichte der Krankheit darstellt. Ab 1987 amtiert Sontag als Pen-Präsidentin. Zu diesem Zeitpunkt engagierte sich der Pen-Club sehr für die Einbürgerung der Dissidenten aus dem Ostblock. Sontag reiste zu vielen Schriftstellertreffen weltweit. Ihr Bekanntheitsgrad verstärkte sich. 1992 veröffentlichte sie ihren Roman "Der Liebhaber des Vulkans", den Schreiber in der Biographie hervorragend zusammenfasst und sich zur Kritik seitens der Presse auch auslässt.

Die Süddeutsche Zeitung sprach Sontag psychologisches Einfühlungsvermögen ab und erläutert welche Auswirkungen dies auf den Roman habe. Sontag wandte sich gegen den Krieg in Jugoslawien. Für sie ist Krieg " Lärm- wahnsinniger Lärm- und Tod überall um dich herum. In jedem Moment kann dir der Kopf weggeschossen werden und den Menschen zu deiner Rechten oder deiner Linken." Ihr Roman "In Amerika", den sie in ihrem letzten Lebensjahrzehnt verfasst, soll lt. Kritik in seinen Szenen stereotyp und eindimensional sein. Er hat nicht den Erfolg gebracht, den sie vielleicht erhoffte. Empfehlenswert ist ihr Essay "Die Leiden Anderer", hier beschäftigt sie sich eingehend mit Kriegsfotographie (Rezension Helga König) .

2003 erhält sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Am 28.12.2004 stirbt die große Essayistin an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Ihre Lebensgefährtin war die berühmte Fotografin Annie Leibovitz.

Das Buch bietet eine Fülle von Fakten, die man unmöglich alle in einer zeilenbegrenzten Rezension ausloten kann. Schreiber ist es gelungen ein vielschichtiges Bild von dieser komplizierten Intellektuellen zu zeichnen, die es als schöne , kluge Frau nicht leicht hatte in einer Männerdomäne Fuß zu fassen und als geistig ebenbürtig respektiert zu werden.


Sehr empfehlenswert

Helga König

Überall im Handel erhältlich



Rezension: Alfred Herrhausen: Eine deutsche Karriere

Andreas Platthaus zeichnet in seiner Herrhausen- Biographie vor allem das berufliche Leben und die steile Karriere des Bankiers nach. Was den Menschen Alfred Herrhausen anbelangt, bleiben allerdings viele Fragen offen.

Die preußisch - protestantischen Tugenden, die für den Aufstieg des Top - Managers notwendig waren, erlernte der Katholik nach eigenen Aussagen in einer Nazi - Elite - Schule. Sieht man einmal von einer deutlich erkennbaren patriotischen Gesinnung ab, die nicht zuletzt in seinen späteren Reden erkennbar wurde, entledigte sich der junge Herrhausen offensichtlich schnell seiner unbrauchbar gewordenen, in Feldafing vormals antrainierten braunen Ideologie, denn er begriff sofort, dass die junge Demokratie ihm vielversprechende Entwicklungsmöglichkeiten bot.

Sein Abitur machte er in Essen. Anschließend wollte er Phililogie studieren, weil bei ihm sprachliche und philosophische Neigungen im Vordergrund standen. Die Studienplätze waren nach dem Krieg allerdings rar. Durch Zufall gelang es ihm sich ad hoc in Köln im Fachbereich Betriebswirtschaftlehre einzuschreiben. Nun studierte er zügig. An der Uni lernte der schöne Alfred seine erste Frau kennen. Sie war die Tochter Paul Sattlers, des Generaldirektors der Vereinigten Elekrizitätswerke Westfalen (VEW).


Der dreiundzwanzigjährige Herrhausen heiratete Ulla und erhielt als lukrative Mitgift breitgefächerte Startchancen für sein zukünftiges Berufsleben. Herrhausen war zu intelligent und wohl auch zu stolz um sich pure Protektion unterstellen zu lassen, deshalb promovierte er, bevor er den hilfreichen Rückenwind seines Schwiegervaters zuließ. Er befasste sich in seiner Dissertation mit der so genannten Grenznutzenlehre. Im ersten Teil seiner Arbeit geht es um die Bereinigung und Neufassung der Grenznutzenlehre, daran schließt sich die " Kritik an der mathematischen Grenznutzenlehre" an. Herrhausen verzichtet bei seiner Doktorarbeit auf jegliche Empirie.

Er setzt sich rein intellektuell mit dem Thema auseinander und kommt zu dem elementaren Schluss, dass 50 Prozent der Wirtschaft Psychologie sind. Herrhausen war in seinen Gedanken stets nahe bei Karl Popper, indem er - angeregt durch dessen Werk - seit seiner Studienzeit bis zu seiner Ermordung nach " fehlerfreiem Denken " strebte. Nach Jahren der Tätigkeit bei der VEW wechselte Herrhausen zur Deutschen Bank und wurde dort Vorstandsmitglied. Er war derjenige, der durch Firmen- Fusionen und Aufkäufe die Macht der Deutschen Bank beträchtlich mehrte und wurde durch seine Überzeugung, dass nur eine gesund funktionierende Wirtschaft einen politisch und sozial stabilen Staat möglich macht, später zum wirtschaftspolitischen Sprecher von Helmut Kohl.

Seine Ehe mit Ulla Sattler scheint offenbar sehr schwierig gewesen zu sein. 1974 lernte er seine zweite Frau Traudl Baumgartner kennen. Sie war die Tochter eines Ordinarius für Chirurgie an der Universität in Innsbruck. Auch diesmal sind die Verbindungen des neuen Schwiegervaters bemerkenswert und bringen ihm berufsfördernde Kontakte, so etwa zum Fürsten von Liechtenstein. Der erzkatholische Grandseigneur der Deutschen Bank Josef Abs war nicht erfreut über Herrhausens Scheidungsabsicht, stand dem Eheabtrünnigen aber schließlich aufgrund von dessen herausragendem beruflichem Können in seinen Karriereambitionen dann doch nicht im Wege. 1988 wurde Herrhausen alleiniger Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Über Herrhausens Bankgeschäfte, so etwa über seine Bemühungen innerhalb der Abteilung Konzernentwicklung und in diesem Zusammenhang von der Übernahme des Flick- Konzerns durch die Deutsche Bank schreibt Platthaus ausführlich.

Auch über Herrhausens Engagement für Eliten, über seine vielen Beraterposten und über sein Interesse an der Kunst- Szene lässt sich der Autor aus. Schließlich thematisiert der Verfasser Herrhausens letztes großes Projekt: den Erlass der Schulden so genannter Entwicklungsländer. Mit diesem Projekt machte sich der weitsichtige Bankier nicht nur Freunde! Als Herrhausen unmittelbar nach der Wende mit seinem Auto in Bad Homburg in die Luft gesprengt wurde, war man sich nicht sicher, ob tatsächlich die RAF hinter dem Anschlag stand oder aber der CIA. Die Täter wurden nie gefunden, doch Herrhausens Nachfolger im Amt Hilmar Kopper und der damalige Innenminister Schäuble waren sich einig in der Annahme, dass die Täter einer neuen Generation der RAF- Terroristen entstammten und Verschwörungstheorien jedweder Art verworfen werden müssten.

Alfred Herrhausen war in seinem Leben ein beeindruckender Aufstieg gelungen. Er hatte viel gearbeitet und wusste seine Beziehungen sehr zielorientiert einzusetzen. Liest man zwischen den Zeilen, so ahnt man, das Alfred Herrhausen sehr einsam gewesen sein muss. Sein engster Vertrauter war sein Fahrer Jakob Nix. Sein intensivster mentaler Austausch fand brieflich und telefonisch in seinen letzten Lebensjahren mit der jungen Philosophiestudentin Tanja Neumann statt. Diese aufschlussreichen Verbindungen sind dem Autor leider nur eine Randbemerkung wert. Vermutlich vermochten aber genau diese beiden Menschen Alfred Herrhausen das zu geben, was er für seine innere Zufriedenheit wirklich brauchte. Warum Platthaus so wenig über Herrhausens Rolle und Engagement als Vater schreibt, bleibt unverständlich. Dennoch ist das Buch in seiner Gesamtheit natürlich empfehlenswert.






Rezension:Madame de Pompadour: Oder die Liebe an der Macht (Gebundene Ausgabe)

Uwe Schultz schildert in diesem Buch Leben und Zeit einer vielseitig begabten Frau, deren bürgerliche Herkunft sie nicht daran hinderte in den französischen Hochadel aufzusteigen und dort auf ihre Zeit nicht nur stilprägenden Einfluss zu nehmen. Diese Frau - Madame de Pompadour - war die Mätresse Ludwig XV und wurde alsbald seine enge Freundin und Vertraute, wenn es um die Vergabe von Pfründen, um Fragen des Mäzenatentums oder gar um Außenpolitik ging. Sie bewohnte, wie der Autor breitgefächert berichtet, eine ganze Reihe von Eremitagen als auch Schlössern und ließ sich diese von Künstlern, wie etwa Francois Boucher, ausgiebig verschönern. 

Ihr Gestaltungsenthusiasmus machte Jeanne Antoinette beim Volk alsbald sehr unbeliebt. Man unterstellte ihr Verschwendungssucht. Aus dem Blickwinkel der hungerleidenden Bevölkerung eine sicher verständliche Betrachtungsweise, wohingegen in den Augen der Privilegierten durch dieses kostspielige Engagement der glanzvollen Blüte des Rokoko erst die notwendige Grundlage verschafft worden ist.

Die gut ausgebildete Dame las viel und nahm regen Anteil am geistigen Leben ihrer Zeit. Die Denker Rousseau, Diderot und Voltaire kannte sie persönlich. Sie diskutierte mit ihnen über deren philosophische Werke und versuchte entgegen der Vorstellungen des konservativen Adels, die Veröffentlichung aufklärerischer Schriften zu bewirken. Die kunstinteressierte Schöne schauspielerte und sang am Hofe von Versailles, wo auf ihr Betreiben ein Theater errichtet worden war. 

Sie kannte die Großen ihrer Zeit, schrieb sich mit Kaiserin Maria Theresia und machte ihren Einfluss bei außenpolitischen Entscheidungen des Königs subtil geltend. Dies hatte zur Folge, dass im " Siebenjährigen Krieg " die Franzosen an der Seite Österreichs gegen Preußen kämpften, in der " Schlacht von Roßbach " einen erheblichen Blutzoll zu verzeichnen hatten und ihre Vormachtstellung in Europa verloren. 

Die außenpolitische Einflussnahme brachte der Pompadour eine Vielzahl von Gegnern. Einzig der König war stets an und auf ihrer Seite. So baute sie mit seiner pekunären Hilfe ein Krankenhaus, begründete eine Militärakademie, förderte die Porzellanmanufaktur " Sevre ", die schönen Künste und natürlich die Literatur. Voltaire konstatierte nach ihrem Tode." Sie dachte, wie man denken sollte, niemand weiß es besser als ich." Ein interessantes Buch über eine bemerkenswerte Dame, die als " maitresse en titre" in die Geschichtsbücher einging, aber in ihrer Persönlichkeit weit über diese hinauswuchs.

Rezension:Alexandra Romanowa: Die letzte Zarin (Broschiert)

Die promovierte Historikerin C. Erickson analysiert im vorliegenden Buch die Ursachen, die zur russischen Revolution von 1917 und in diesem Zusammenhang zum Ende des Zarenreichs geführt haben.Plattform der Untersuchung bildet die Lebensgeschichte der aus Darmstadt stammenden, letzten russischen Zarin, Alexandra Fjodorowna, die zum Ende des vorvergangenen Jahrhunderts ihren Cousin Nikolaus zum Gatten erwählte.

Alexandra , genannt Alix, eine Enkelin der eigenwilligen Königin Victoria von England war laut Erickson eine attraktive , intelligente , willensstarke, junge Frau, die stets von einer Vielzahl von Verehrern umgeben war.Trotz religiöser Vorbehalte entschied sie sich für den farblosen, passiven, intellektuell nichtssagenden Nicky ( laut Erickson aus emotionalen Gründen). Nachdem ihr Schwiegervater - kurze Zeit nach ihrer Eheschließung mit Nikolaus - verstarb, wurde sie an der Seite ihres Gatten Zarin von Russland.

Nikolaus fehlten die essentiellen Fähigkeiten, um ein absolutistisches Reich zu regieren. Er war entscheidungsschwach, unsicher, ohne Machtinstinkt und delegierte seine Aufgaben gerne an Dritte, um stattdessen lieber ein unbeschwertes , aufwendiges, hedonistisches Privatleben zu führen.Die Romanows waren steinreich, wie die Autorin anhand unzähliger Fakten dokumentiert. Alexandra zeigte während der ersten Ehejahre ihren neuerworbenen Luxus gerne durch Prachtentfaltung nach außen. Das allerdings machte sie beim Adel und im Volk unbeliebt. Hinzu kam bei ihr ein krankhafter Ordnungszwang, den sie über ihre Dienerschaft gnadenlos auslebte.

Man verdächtigte die wenig geschätze Deutsche alsbald subversiver Machenschaften und einer mangelnden Liebe dem russischen Volk gegenüber, dem sie stets sehr unterkühlt und herrisch entgegentrat. Dass Alexandra möglicherweise auch positive , verborgene Eigenschaften haben könnte, mochte keiner so recht glauben. Während es sich die Romanows und der Adel gut gehen ließen, hungerten die Bauern und Industriearbeiter und lebten in erbärmlichen Zuständen. Hierdurch wurden immer häufiger die Forderungen nach politischer Veränderung laut.In dieser Zeit gebar Alexandra vier Töchter, um die sie sich wohl intensiv kümmerte. Der zur Thronfolge erforderliche Sohn blieb nach wie vor ein unerfüllter Wunsch.

Weil die Zarin ihrer eigentlichen Aufgabe - Söhne zur Welt zu bringen - nicht nachkam, lehnten die Russen sie noch heftiger ab.Alexandra wandt sich ominösen Wunderheilern zu, um mit deren Hilfe einen Jungen zu gebären.Als schließlich 1904 Alexej das Licht der Welt erblickte, stellte sich bald heraus, dass er mit einer von ihren englischen Vorfahren ererbten Krankheit belastet war( Alexej war Bluter) und die Thronfolge hierdurch langfristig in Frage stellte. Der sibirische Wunderheiler Rasputin wurde nun der Schatten der Familie Romanow ,ohne den schon bald nichts mehr ging, weil er Alexandra davon überzeugt hatte, dass er in der Lage sei den Kronprinzen am Leben zu halten.

Die fatale Abhängigkeit zu Rasputin, dessen abgründiger Lebenswandel in Petersburg und die Gerüchte um eine absonderliche Beziehung zur Zarin schadeten den Romanows immer mehr.Die Autorität des Zarenhauses wurde durch das irrationale Verhalten Alexandras, die sich aus der Hörigkeit zu Rasputin nicht befreien wollte, restlos untergraben.

Während dieser Zeit wurde Russland in den ersten Weltkrieg hineingezogen, der auf Seiten der Russen in den ersten beiden Jahren schon zu unsäglichem Leid führte. Unfähige Generäle , Soldaten, die barfuß im Schnee kämpften - zehn Mann teilten sich untereinander ein einziges Gewehr und hatten nur ein paar Kugeln- steigende Verluste und Lebensmittelknappheit ließen immer heftigere Unruhen im Volk entstehen, die zu Hunderttausenden auf die Straße gingen und das Ende von Korruption und der schwachen Herrschaft forderten.

Im März 1917 brachen anarchistische Zustände in Petersburg aus. Das gesamte Gesellschaftleben kam zum Erliegen. (Über all dies schreibt Erickson detailliert und erhellend.) Der desorientierte Zar dankte auch im Namen seines Sohnes ab. Die 300 jährige Herrschaft der Romanows war jetzt zu Ende. Eine provisorische Regierung von Duma - Abgeordneten wurde gebildet, die später von den Bolschewiken, angeführt von Lenin , abgelöst wurde.Der Zar und seine Familie wurden nach Sibirien verbannt.Asyl bei Alexandras englischer Verwandtschaft lehnten die Windsors aus politischen Kalkül ab.

Als die so genannten "Weißen" , eine der alten Herrschaftform verbundene politische Bewegung in Sibirien erstarkten, entschlossen sich die Bolschewiken, um die Revolution nicht zu gefährden, die Familie Romanow zu töten und setzten ihren Entschluss im Juli 1918 in Jekatarinburg in die Tat um.Deutlich wird, dass die Nichtbereitschaft zur politischen Erneuerung und Liberalisierung schließlich das Ende einer überkommenen und verkommenen Herschaftsform zur Folge hatte.
Alexandra Romanowa war im Grunde eine Neuauflage Marie Antoinettes, die für die letzte russische Zarin offensichtlich kein wirklich warnendes Beispiel dargestellt hat. Weshalb eigentlich nicht?

Empfehlenswert!