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Rezension:Kluge Geschäftsfrauen - Maria Bogner, Aenne Burda, Coco Chanel, Florence w, Estée Lauder, Miuccia Prada, Margarete Steiff, Marie Tussaud u.v.a. (Gebundene Ausgabe)

In allen Jahrhunderten hat es eigenständige, merkantil hellwache Frauen gegeben, die Firmen gründeten und diese mit viel Engagement vorantrieben und das, obschon die Männerwelt von solchem Tun nicht immer begeistert war. Die Autorin Claudia Lanfranconi und die Herausgeberin Antonia Meiners haben das vorliegende Buch auf den Weg gebracht. Die Autorin portätierte einige sehr kluge Geschäftsfrauen, die man im Buch auch bildlich kennenlernt.

Im Vorwort lässt Lanfranconi nicht unerwähnt, dass sich kaum eine der fokussierten Frauen bei der eigenen Karriereplanung an einem bestimmten Vorbild orientiert hat, jedoch bei einigen der Frauen selbstständig arbeitende Eltern Eigeninitiative, Disziplin und Entscheidungsfreude vorgelebt haben. Frauen wie Coco Chanel und Aenne Burda kamen aus sehr einfachen Verhältnissen, aber sie hatten Unternehmerinnenblut mit in die Wiege gelegt bekommen und agierten ihr ganzen Leben hindurch beeindruckend erfolgreich.

Das Buch ist untergliedert in:
Gegen den Widerstand
Die ideale Partnerin
Willensstarke Witwen
Von der Haute Couture zum Schnittmuster
Das Geschäft mit der Schönheit

22 kluge Geschäftsfrauen werden im Buch vorgestellt. Es handelt sich hierbei um: Marie Tussaud (1761-1850), Margarete Steif (1913-1909), Brownie Wise (1913-1992), Ruth Handler (1916-2002), Marion Donovan (1917-1998), Beate Uhse (1919-2001), Kate Gleason (1865-1933), Aino Marsio Aalto (1894-1949), Charlotte Perriand (1903-1999), Maria Bogner (1914-2002), Florence Knoll (1917), Barbe-Nicole Cliquot-Ponsardin (1777-1866), Anna Sacher (1859-1930), Katharine Graham (1917-2001), Coco Chanel (1883-1917), Aenne Burda (1909-2005), Miuccia Prada (1949), Martha Matilda Harper(1857-1950), Helena Rubinstein (1870-1965), Jeanne Toussaint (1887-1878). Estée Lauder (1906-2004) und Patricia Urquiola (1961).

Alle Porträts sind spannend zu lesen. Mit Lebensgeschichten einiger Unternehmerinnen habe ich mich bereits im Rahmen anderer Rezensionen befasst, so etwa mit jener von Coco Chanel Coco Chanel: Ein Leben sowie mit jenen von Beate Uhse und von Marie Tussaud WageMutige Frauen: 16 Porträts aus drei Jahrhunderten. Die Lebensgeschichte von Brownie Wise kannte ich bislang nicht. Wise bescherte zu Beginn der 1950er Jahre der Firma Tupperware aufgrund ihrer innovativen Marktstrategien Millionenumsätze.

Begeistert bin ich immer wieder von Barbe-Nicole Cliquot-Ponsardin, die nach dem frühen Tod ihres Gatten dessen Weinhandel weiterführte, zur Aufstockung des Kapitals ihren Schmuck verkaufte und "Veuve Cliquot Ponsardin" neu gründete, also einen Markennamen einführte, der heute noch weltweit bekannt ist und für exzellenten Champagner steht.

Es führt zu weit über all die Damen im Buch an dieser Stelle Näheres zu schreiben. Das Leben und Schaffen Aenne Burdas beeindruckt mich. Sie rief 1949 in Offenburg eine Modezeitschrift ins Leben und begründete damit die Basis für ein Zeitschriftenimperium. Die äußerst geschäftstüchtige Dame soll ausdrücklich nach Reichtum und Macht gestrebt haben und hat dieses Ziel mit Bravour erreicht.

Dass Miuccia Prada eine promovierte Politologin ist, wusste ich nicht. Die Designerin ist nicht nur eine exzellente Geschäftsfrau, sondern sie schuf gemeinsam mit ihrem Gatten einen Ausstellungsort der Platz bietet für große Installationen, Inszenierungen zeitgenössischer Kunst, aber auch für interdisziplinäre Vorlesungen, (vgl.: S.117). Sie hat also einen intellektuellen Anspruch.

Jede einzelne der Damen war oder ist voller Tatendrang und Geschäftstüchtigkeit. Woher kommt diese Power? Wohl aus einem gesunden, unverbrüchlichen Selbstbewusstsein, gepaart mit Disziplin, Fleiß und dem Glauben daran, dass das, was man sich vornimmt, auch klappt.

Empfehlenswert.


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Rezension: Die klugen Frauen von Weimar - Ulrike Müller

Ulrike Müller befasst sich in diesem Buch mit Regentinnen, Salondamen, Schriftstellerinnen und Künstlerinnen von Weimar, die während der Weimarer Klassik, der Nachklassik und am Weimarer Bauhaus von sich Reden machten.

Zur Sprache gebracht werden im Kapitel, das sich mit der Weimarer Klassik befasst: Herzogin Anna Amalia, Charlotte von Stein, Corona Schröter, Luise von Göchhausen, Caroline von Wolzogen, Christiane Vulpius und Johanna Schopenhauer. Im Rahmen der Nachklassik werden thematisiert: Maria Pawlowna, Bettina von Arnim, Henriette von Schorn, Fanny Lewald, Jenny Lind, Rosalie von Milde, Natalie von Milde. Folgende Frauen am Weimarer Bauhaus werden fokussiert: Gertrud Grunow, Helene Börner, Benita Otte, Gunta Stölzl, Friedel Dicker, Alma Buscher und Marianne Brandt.


Alle die genannten Personen werden sehr gut porträtiert. Über einige der Damen habe ich bereits Biographien, bzw. biographische Romane gelesen. So etwa über Anna Amalia, Charlotte von Stein, Caroline von Wolzogen, Christiane Vulpius, Johanna Schopenhauer und Bettina von Arnim und teilweise auch Rezensionen zu den Büchern angefertigt. Ulrike Müller ist es bestens geglückt diese Damen textlich nachzuzeichnen. Durch die vielen Gemäldeablichtungen und Fotos vervollständigt sich das Bild, das man durch die Texte erhält.


Denkt man an Weimar, denkt man zunächst an Goethe, Schiller, Wieland, Herder, Bach, Lucas Cranach, Liszt, Nietzsche und die Künstler des Bauhaus. Man denkt also zunächst an Männer, eventuell noch an Anna Amalia und Charlotte von Stein und doch waren es auch Frauen, die die Weimarer "Goldene und Silberne Zeit" mitprägten, wie es auch während der Bauhaus-Zeit namhafte Pädagoginnen, Weberinnen, Metallgestalterinnen und Grafikerinnen gab, die ihren Teil zur Berühmtheit der Stadt beitrugen.

Ulrike Müller betont gleich zu Beginn, dass die Herzogin Anna Amalia einen achtungsvollen Umgang zwischen den Geschlechtern forderte. Sie war es, die den Versuch einer gleichberechtigten Gesprächskultur unternahm und die Entwicklung des deutschen Musiktheaters förderte. Anna Amalia hat sich mit klugen Frauen umgeben, was m.E. sehr für ihre Klugheit und für ihre ausgereifte Persönlichkeit spricht. Man erfährt nicht nur Wissenswertes über die einzelnen Stationen ihres Lebens, sondern auch, welcher Mensch sie war.

Ihre ZeitgenossInnen nannten sie klug, musisch begabt, temperamentvoll, wissbegierig und unternehmungslustig. Sie soll eine scharfe Beobachterin gewesen sein, die durchaus auch zu spitzen Bemerkungen fähig war. Weil sie mit Intrigen zu kämpfen hatte, sah sie genau hin, bevor sie jemand vertraute oder gar die Freundschaft antrug. Gebildet war sie, ohne Zweifel. Die Herzogin sprach mehrere Sprachen und besaß über 5000 Bücher in ihrer Privatbibliothek, (vgl.: S.14). Aber auch Charlotte von Stein war hochgebildet. Das Porträt von Müller verdeutlicht, dass Frau von Stein eine der wichtigsten und kontinuierlichsten Anregerinnen und Mitwirkenden der weiblichen Geselligkeitskultur in der Weimarer Klassik war.

Natürlich weiß jeder um die Beziehung zu Goethe. Das Ende der Beziehung war schmerzhaft, doch sie ist daran nicht gestorben, sondern entdeckte ihre Kreativität und ihre geistige Unternehmungslust erneut, (vgl.: S.22). Darüber im vorliegenden Buch zu lesen, hat mir Freude bereitet, weil es mir zeigt, dass es durchaus auch ein Leben jenseits der Liebe zu einem vermeintlichen Abgott gibt und zwar auch für Charlotte von Stein, die mit Briefen, Gedichten und einer Fülle von Liebesgaben überhäuft wurde von einem Mann, der zu Lebzeiten bereits eine Legende war.

Gefallen hat mir das Porträt von Luise von Göchhausen, die wohl eine überaus kommunikative Persönlichkeit am Weimarer Musenhof gewesen war. Klug, gebildet und zur Freundschaft begabt, von sprühendem Witz, eine begnadete Briefeschreiberin. Sie war die Kammerfrau Anna-Amalias, mit der sie ein solch enges mentales Band zusammenhielt, dass sie nur wenige Monate nach deren Tod ebenfalls verstarb.

Sehr gut gelungen ist das Porträt Caroline von Wolzogens. Hier empfehle ich weiterführend gerne das Buch von Renate Feyl " Das sanfte Joch der Vortrefflichkeit". Die Schriftstellerin soll sensibel, leidenschaftlich, unruhig, wissbegierig und freiheitsliebend gewesen sein, (vgl.: S.45). Interessant ist folgender Satz von ihr und zwar deshalb, weil sie nicht zuletzt eine doch enge freundschaftliche Beziehung zu Schiller hatte:"Ich schreibe- um mit mir selbst umzugehen, um mich selbst besser verstehen zu lernen, und weil niemand von allen Menschen, die um mich sind, mich genug versteht und ich meine Gedanken doch ausdrücken will." (Zitat. S.46).

Alle, die sich für Goethes Liebesleben interessieren, haben Sigrid Damms "Christiane und Goethe" gelesen und wissen seither, dass man Christiane mit großen Vorurteilen zu ihren Lebzeiten und auch danach begegnet ist. Ich bezweifle, dass Goethe Christiane wirklich liebte. Goethe liebte weder sie noch eine andere Frau. Goethe liebte die Poesie und er liebte sich, ansonsten war er immer wieder neu verliebt, weil ihn dieses Verliebtsein,- nicht Lieben -, zum Dichten inspirierte. Goethe war ein poesiebegabter Kopfmensch. Er fühlte mit Worten, aber nicht mit dem Herzen.

Unbegreiflich bleibt mir auch nach dem Porträt Müllers von Johanna Schopenhauer, wie diese überaus nette, vorurteilslose, hilfsbereite, mitfühlende Frau, einen solch übellaunigen, kauzigen Sohn wie Arthur Schopenhauer zur Welt bringen konnte und ich kann die gebildete, aber enervierende Mutter durchaus verstehen, wenn sie ihm am 13.Dezember 1807 schreibt: "Höre also, auf welchem Fuße ich mit Dir sein will...an meinen Gesellschafttagen kannst Du abends bei mir essen, wenn Du Dich dabei des leidigen Disputierens(....) wie auch allen Lamentierens über die schlechte Welt und das menschliche Elend enthalten willst, weil mir das immer eine schlechte Nacht und üble Träume macht und ich gerne gut schlafe." (Zitat. S.59). Johanna war keineswegs ignorant, sondern einfach nur abgenervt durch den Dauernegativismus Arthurs.

Auch die Porträts der Damen, die in den folgenden Jahrzehnten in Weimar eine Rolle spielten und hier vor allem die Frauenrechtlerinnen Fanny Lewald und Natalie von Milde, aber auch der Frauen am Weimarer Bauhaus habe ich mit großem Interesse gelesen und dabei festgestellt, dass in Weimar, vielleicht aufgrund der Tatsache, dass Anna Amalia den Boden für das intellektuelle Ausleben von Frauen erst einmal ebnete, diese schließlich früher als anderswo in Deutschland, sich zu emanzipierten suchten und selbstständig zu denken sowie zu handeln begannen.

Ein empfehlenswertes Buch.



Rezensionen: Mutige Menschen- Frauen und Männer mit Zivilcourage

"Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein." (Kurt Tucholsky)


Dr. h.c. Joachim Gauck hat das Vorwort zu diesem Buch verfasst, von dem ich hoffe, dass es einen großen Leserkreis erhalten wird. Bevor ich das reich bebilderte Buch zu lesen begann, haben ich bei Wikipedia zu dem Begriff "Zivilcourage" Wissenswertes gelesen und dort einen Satz gefunden, den ich an dieser Stelle zitieren möchte: "In westlich orientierten Gesellschaften zeigt derjenige Zivilcourage, der die Wertorientierung der jeweiligen Gesellschaften, wie z. B. die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte", offen und ohne Rücksicht auf eigene Nachteile vertritt."

Die meisten Menschen neigen dazu, sich wegzuducken, weil sie ängstlich sind oder ungern Nachteile in Kauf nehmen. Das leider führt dazu, dass seitens der jeweils Mächtigen in einem nicht wirklich demokratischen Lande die Menschenrechte mit Füßen getreten werden können.

Vordergründig mag es zwar nicht klug sein, gegen den Strom zu schwimmen, allerdings zeigt sich, dass der Adel des Geistes,- die ach so verhassten Gutmenschen - der Garant dafür ist, das die Menschheit noch lebt. Was unterscheidet diesen Adel des Geistes, zu dem ein Dietrich Bonhoeffer ebenso zählte, wie die Geschwister Scholl und auch eine Bärbel Bohley von den Leisertretern, Vorteilsdenkern und Ängstlichen? Diese Frage wird durch die eloquenten Textbeiträge in "Mutige Menschen" gut beantwortet.

Herausgeber dieses Buches, in dem mutige Persönlichkeiten aus dem letzten Jahrhundert pörträtiert werden, ist der Journalist und Autor Ulrich Kühne.

Bei den Persönlichkeiten handelt es sich um: Clara Zetkin, Robert Bosch, Käthe Kollwitz, Louise Schröder, Kurt Tucholsky, Julius Leber, Paul Grüninger, Peter Suhrkamp, Kurt Schuhmacher, Elisabeth Selbert, Elisabeth Schwarzhaupt, Marlene Dietrich, Hans von Donany, Dietrich Bonhoeffer, Robert Havemann, die Persönlichkeiten der Gemeinschaft für Frieden und Aufbau, Ludwig Metz, Walter Janka, Geschwister Scholl, Hermann Gmeiner, Rudolf Augstein, Ruth Pfau, Edeltraud Eckert, Jürgen Braunschweiger, Reinhard Furrer, Alice Schwarzer, Bärbel Bohley, Petra Kelly, Beat Richner, Barbara Nath-Wiser, Monika Hauser, die Persönlichkeiten der Lichterkette E.V. sowie Saithan u. Sinan.

Porträtiert werden diese Menschen von Personen wie Joachim Fest, Egon Bahr, Richard von Weizäcker, Klaus von Donanyi, Prof. Dr. Renate Wind u.a. mehr. Alle Textpaten lernt man am Ende des Buches aufgrund von Kurzviten ein wenig kennen.

Dass Robert Bosch (1861-1942) bereits 1906 in seinen Betrieben den Achtstundentag einführte und 1929 die erste betriebliche Altersversorung gründete, wusste ich ebenso wenig, wie die Tatsache, dass er an den Rüstungsaufträgen des ersten Weltkrieges nichts verdienen wollte und aus diesem Grunde mehrere Millionen für gemeinnützige Zwecke spendete, sich weiterhin nach dem 1. Weltkrieg für die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland einsetzte und im hohen Alter den Widerstand gegen Hitler und dessen Schergen unterstützte als auch einige Verfolgte vor der Deportation retten konnte. Ein Unternehmer und Menschenfreund. Das also ist auch möglich.

Copyright: © akg-images / Wittenstein







Beeindruckt bin ich von dem Mut Julius Lebers, der von den Nazis ebenso ermordet wurde, wie von der Zivilcourage des von mir hochgeschätzten Theologen Dietrich Bonhoeffer und dem Mut der Geschwister Scholl und deren Freunde von der "Weißen Rose". In der Überschrift zum Porträt der Geschwister Scholl von Abt Odilo ist ein Satz aus dem Flugblatt der "Weißen Rose" abgedruckt. "Jeder ist verantwortlich für das, was er geschehen lässt". Alle Menschen mit Mut zur Zivilcourage fühlen sich Sätzen wie diesen verpflichtet.

Copyright:© akg-images / Niklaus Stauss







Mut zur Zivilcorage haben all die im Buch porträtierten Personen aufgebracht, auch der Gründer der SOS-Kinderdörfer Herrmann Gmeiner Für die Kinder dieser Welt: Hermann Gmeiner: Der Vater der SOS-Kinderdörfer - Die Biografie und natürlich auch Alice Schwarzer Emma - die ersten 30 Jahre, der wir Frauen so viel zu verdanken haben. Klaus von Dohnany nennt sie ein Vorbild in unserem ängstlich konformistischen Land. Diesem Urteil schließe ich mich an.

Mutige haben es nicht einfach, wenn sie gegen Unrecht vorgehen wollen, so die Quintessenz des Buches. Zumeist stellt sich ihnen die von den Machthabern instrumentalisierte Mehrheit in den Weg und bekämpft die Mutigen, die ihnen doch eigentlich helfen wollen, gnadenlos, stellt sie an den Pranger oder tötet sie.

Ist die Masse per se dumm oder nur abgründig manipuliert?

Die Frage stellt sich, wie können Menschen mit Zivilcourage die Masse für sich gewinnen, um dem Guten schneller den Weg zu bahnen? Eine Anwort auf diese Frage hat man bislang leider noch nicht gefunden, deshalb auch machen die Rattenfänger überall nach wie vor fette Beute. Grund genug, immer wieder an den Adel des Geistes zu erinnern.

Empfehlenswert.
Bilder zur Verfügung gestellt vom  ZS Verlag  Zabert Sandmann GmbH

Rezension: Mein Vater mein Freund- Arno & André Stern

Dieses Buch habe ich mit großer Neugierde gelesen und es hat mir bestätigt, was ich schon immer vermutet habe: kreative Menschen haben in der Regel ein liebevolles Elternhaus. Das Geheimnis glücklicher Söhne und ich möchte hinzufügen auch glücklicher Töchter liegt in einer harmonischen Beziehung zu ihren Eltern begründet. Wichtig für einen Sohn ist, dass er seinen Vater als Freund begreifen kann.

Mir sind in meinem Leben so viele Männer begegnet, die ihre Väter hassten. Mich irritierte das stets, weil ich eine extrem gute Vaterbeziehung hatte und konnte mir lange nicht wirklich erklären, weshalb Vater-Sohn-Beziehungen oft  so konfliktreich  sind. Später ist mir klar geworden, dass speziell in Deutschland das Verhalten eines Vaters zu seinem Sohn wenig Vertrauen fördernde Maßnahmen beinhaltet. Oft mangelt es an gezeigter Zuneigung und zumeist sind die Erwartungshaltungen geradezu absurd hoch. Söhnen werden keine Freiräume gelassen. Sie sollen zumeist in die Fußstapfen des Vaters treten, aber den Vater  letztlich nicht überflügeln. All zu oft dienen Söhne dazu, der Eitelkeit des Vaters zweckdienlich zu sein. Viel zu selten wird darauf geachtet, dass ein Sohn sich seinen Begabungen gemäß entwickeln kann.

Hier im Buch ist alles völlig anders. Der 1924 in Kassel geborene Jude Arno Stern berichtet im Rahmen seiner Lebensbeschreibung von seiner hervorragenden Vaterbeziehung. Sein 1970 in Paris geborene Sohn André Stern erzählt im zweiten Teil des Buches von seiner ebenso gelungenen Beziehung zu seinem Vater. Die Beziehungen beruhen auf sehr viel Liebe und Verständnis und genau diese Melange bedingt, dass die Söhne erfolgreich ihren eigenen Weg gehen konnten.

Arno Stern berichtet ausführlich von seinem Vater, den er als intuitiven Vernunftmenschen und Glückskind beschrieb. Isidor Stern hat im Laufe seines Lebens viele Höhen und Tiefen durchlebt, folgte stets seiner inneren Stimme - seinem Engel -, wie Arno Stern diese innere Stimme bezeichnet und vertraut ihm immer. Isidor verließ Deutschland rechtzeitig mit seiner Familie als die Nazis die Juden verfolgten. Er ließ seine Habe ohne Wehmut hinter sich, überzeugt, dass es überall einen Neuanfang gibt. Viele Verwandte der Sterns wurden in Konzentrationslagern seitens der Nazis ermordet. Arno Stern sagt, wenn er sich an seinen Vater erinnert: „Wir vertrugen uns lückenlos; hatten uneingeschränktes Vertrauen zueinander.“(Zitat: S. 13).

Arno Stern berichtet von seiner Kindheit und Jugend während der NS-Zeit in Paris und in der Schweiz, von den materiellen Problemen seiner Eltern, die sein Vater stets meisterlich zu lösen vermochte. Arno Stern sagt, dass die Gewissheit, dass er von Gott gesehen und beurteilt wird, seine Handlungen in seiner Kindheit und Jugend prägten, (vgl.: S. 29). Heute allerdings begreift er sich als einen religiösen Atheisten, bzw. ein gottlosen, traditionellen Juden, (vgl.: S. 29). Arno Stern erzählt u.a. davon, wie sein Vater nach dem Krieg aufgrund seiner Kreativität der Familie eine neue Lebensgrundlage geschaffen hat und wie er, Arno, sich zu dem entwickelte, was er heute ist. Es führt zu weit die einzelnen Stationen seines Lebens an dieser Stelle aufzuzeichnen, gesagt sei , dass Arno Stern 1946 die „Académie du Jeudi“, einen Malort für Kinder gründete. Er ist der Entdecker der „Formulation“, bei der es sich um vorgeburtliche Erinnerungen handelt. Arno Stern hat sich mit dem Thema übrigens weltweit auseinandergesetzt und insgesamt 25 Bücher verfasst.

Seinen Sohn Andrè Stern hat er sehr frei aufwachsen lassen. André, der inzwischen auch Vater eines Sohnes ist, ist Musiker, Komponist, Gitarrenbaumeister, Journalist und erfolgreicher Autor eines Buches. André Stern berichtet davon, dass er eine Kindheit ohne Schule, Noten, Wettbewerb und Vergleiche dank seines Vaters erleben durfte und stattdessen Kurse besuchte, die seiner Begabung entsprachen. Er hat die Gegenwart nicht im Namen einer möglichen Zukunft opfern müssen, sondern die Erfahrung gemacht, dass er stets ungeachtet seines Alters alles lernen kann, was seinen aktuellen Beschäftigungen entspricht und diese bereichert, (vgl.: S.142).

André musste nicht ein Schülerleben lang die Erfahrung machen, dass man in der Materie besonders viel üben muss, in der man nicht gut ist und die man nicht mag, um dort zumindest zum Durchschnitt zu gelangen, sondern er hatte die Möglichkeit, die Dinge besonders zu üben, die seinen Begabungen entsprechen, (vgl.: S.142).

Dass Menschen, immer dann, wenn sie ihren Begabungen entsprechend aktiv sind, weder in den Kategorien Arbeit und Freizeit, Job und Urlaub, Berufsleben und Privatleben, Lernen und Erholung denken, kann ich so weit bestätigen. Insofern begrüße ich die Konsequenz und den Mut Arno Sterns, mit denen er seinem Sohn diese Möglichkeit einer freien Entwicklung ermöglichte. Dass sich in dieser Familie alles so vortrefflich entwickelte, hängt wohl  in erster Linie damit zusammen, dass man sich sowohl auf seine Intuition und seine Vernunft verlassen hat und der Liebe innerhalb der Familie viel Raum geschenkt hat. Vielleicht stellt sich Fortune immer dort ein, wo  die Liebe gelebt wird. Vielleicht ist genau dies das Geheimnis.

Das Wissen, sich mit geschlossenen Augen fallen lassen zu können und von seinem Vater selbstverständlich aufgefangen zu werden,  ist die Basis für eine gute Vater-Sohn-Beziehung, die es leider all zu wenig gibt und zwar nach wie vor.. 
Empfehlenswert.

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Rezension: Teile Dein Glück- Jürgen Todenhöfer

Der Autor des vorliegenden Buches, Dr. Jürgen Todenhöfer, so kann man dem Klappentext entnehmen, war von 1972-1990 Mitglied des Deutschen Bundestages und von  1987-2008 Stellvertretender Vorsitzender des Burda-Konzerns. Dr. Todenhöfer engagiert sich seit  vielen Jahren auf sehr mutige Art und Weise gegen die kriegerische Einmischung der USA in Afghanistan und im Irak. In diesem Zusammenhang habe ich zwei seiner Bücher rezensiert, einerseits "Wer weint schon um Abdul und Tanaya", andererseits "Andy und Marwa".

Ich bewundere Dr. Todenhöfer aus vielerlei Gründen. Sein neues Buch verdeutlicht seine Gedankentiefe, seine Fähigkeit zu philosophischer Reflektion und seiner mich zutiefst berührenden Herzenswärme. Es gibt Menschen, die ihn als weltfremden  "Gutmenschen" abzuwerten versuchen. In meinen Augen ist dieser Mann ein wirklich guter Mensch, ein Humanist, der das, was er schreibt auch lebt, kein Schwätzer, sondern ein Handelnder.

Das Buch enthält eine Fülle von Anekdoten aus seinem ereignisreichen Leben und es enthält eine Vielzahl  seiner aphoristischen Gedichten, die auch von einem griechischen oder auch römischen Philosophen stammen könnten und  die erkennen lassen, dass Dr. Todenhöfer, der 70 Lenze zählt, aber wesentlich jünger wirkt, vielleicht weil er stets seine Träume zu leben sucht, ein Weiser ist.

Dr. Todenhöfer hat aus allem, was sich in seinem Leben ereignet hat, versucht, philosophische Schlüsse  zu ziehen. Eines seiner Gedichte am Anfang  des Buches endet mit dem Vers:

"Ein kluger Mann hat einmal gesagt:
"Wo es um das Wesentliche geht, ist der
Intellekt oft ein Hindernis. "Unsere Zeit
leidet unter einer massivsten Überschätzung
des von Menschen Gedachten und einer
Unterschätzung des Unterbewusstseins,
des Herzens."
(Zitat S.34)

Wie recht Dr. Todenhöfer doch hat. Er berichtet - keineswegs chronologisch von vielen Ereignissen, die ihn geprägt haben, erzählt von seiner frühen Kindheit, seiner Kriegseindrücken, seiner Schul- und Studienzeit, von seinem Arbeitswillen, von den Menschen, die ihm in seinem Leben begegnet sind, seinen Kindern, seinen Vorbildern, seinen Freunden, seinem Engagement um die Wiedervereinigung Deutschlands, seinem humanistisches Engagement in Afghanistan und  im Irak, seinem Erfolg und seinen dunklen Tagen, seinen Neidern,  seinen  Stiftungen und seinem unbedingten Willen anderen Menschen Gutes zu tun.  Er  besitzt  nur noch etwa 5% seines Vermögens, das er  durch  hartes Arbeiten verdient hat.  Den Rest hat er an seine Kinder und verschiedene Stiftungen verteilt. Er tat es, weil er ein Mensch ohne Gier ist und sich Dritten gegenüber in Verantwortung sieht.

Dr. Todenhöfer befasst sich seit seiner Studienzeit- er ist Jurist- mit  antiken Philosophen, aber auch mit Balthasar Gracián, den er immer wieder erwähnt. Die Weisheit der Philosophen hat ihn durch sein Leben  bislang begleitet und ihm geholfen, einen guten Weg zu gehen.

"Lies große Bücher! Sie enthalten die
Lebenserfahrungen großer Menschen.
Lies die wichtigsten antiken Philo-
sophen! Mache sie dir zu Weggefährten!
Ihre Freundschaft kann dir niemand
nehmen.In Fragen der Lebensweisheit war
die Antike weiter als unsere Zeit."
( Zitat. S. 72)

Mich beeindruckt, dass Dr. Todenhöfer in diesem Buch, einer Beichte nicht unähnlich,  auch von all seinen Fehlern, die er im Leben gemacht hat, ganz offen schreibt und aufzeigt, zu welchen Zeitpunkten er sich nicht tugendhaft verhalten hat. Er hat aus allem, was sich in seinem Leben ereignete, auch aus seinen Niederlagen, gedankliche Konsequenzen gezogen, nichts verdrängt, sondern sein Handeln  sowie das Handeln seiner Mitmenschen stets genau angeschaut und weiß:

"Gib nie auf! Lerne Niederlagen, Armut
und Krankheit zu ertragen, so schwer das
manchmal ist! Schläge und Dreck ins
Gesicht zu kriegen, gehört zum Leben.
Du bist nie verloren. Es gibt immer einen
Ausweg aus dem Dunkel.
(Zitat. S.68)

Wenn ein Mensch so schön und dabei hochintelligent und voller Herzenswärme ist wie Dr. Todenhöfer, hat er viele Neider.  Vielleicht war Altbundeskanzler Kohl sein größter Neider, weil er vieles, was Dr. Todenhöfer auszeichnet, nicht besaß. So sehe ich das jedenfalls. Dr. Todenhöfer schreibt "Wer in der deutschen Gesellschaft den Neid unterschätzt, hat keine Chance", (Zitat S. 125).

Dr. Todenhöfer ist  viel in der Welt herumgekommen und hat viel gesehen. Ihn hat das, was er sah, demütig gemacht. In seinem Buch macht er anhand der Anekdoten deutlich, weshalb Tugenden wichtig sind. Er schreibt u.a. über Klugheit und den wirklichen Erfolgsstrategien der Menschheit, über  Gerechtigkeit, Mut und Maß, ohne die eine menschlichere Welt undenkbar ist.

Ich möchte die Anekdoten hier bewusst nicht verkürzt wiedergeben, um die Spannung beim Lesen nicht zu mindern, aber ich muss mich sehr zügeln, um nicht  20 und mehr seiner wundervollen poetischen Reflexionen wiederzugeben.  Allen in den Gedichten nachzulesenden Gedanken stimme ich 100% zu.

Dr. Todenhöfer schreibt, dass die einfachen "kleinen Leute" stets seine wichtigsten Ratgeber und besten Freunde waren, selbst in seiner Zeit als Medienmanager, (vgl.: S. 168). Ich kann mir das sehr gut vorstellen, weil unverbildete Menschen, sofern sie intelligent  sind, oft einen klareren Blick für die Realität besitzen.

Es stimmt, wenn  Dr. Todenhöfer  sagt, dass die wichtigsten Voraussetzungen für Erfolg Willensstärke, Mut und Freundlichkeit  sind, aber er weiß, dass zu allem Erfolg auch immer Glück gehört.  Wer sehr von der Sonne beschienen ist, sollte sein Glück teilen. Dr. Todenhöfer hat dies erkannt und tut es.

Das Buch steckt voller kluger Ratschläge, die man beherzigen sollte, am besten in ganz jungen Jahren schon:

"Suche dein inneres Gleichgewicht, deine
Harmonie! Lebe in Freundschaft mit dir
selbst! Handle stets aus diesem
Gleichgewicht heraus"
(Zitat:  S. 235)

...und noch etwas, wovon auch ich zutiefst überzeugt bin:

"Such dir gute Freunde! Ein richtiger
Freund ist mehr wert als tausend
Verbündete."
( Zitat: S. 238)

Zum Schluss seines Buches hat Dr. Todenhöfer  Tugendtafeln aufgelistet.  Er listet zunächst die so genannten sanften Tugend auf, zu denen Nächstenliebe, Respekt, Herzlichkeit, Demut und Rücksichtnahme zählen. Anschließend  nennt er eine Reihe von Ordnungstugenden, darunter Unbestechlichkeit, Disziplin, Geradlinigkeit und Leistungswille.  Die Siegertugenden und die 33 größten Untugenden, an erster Stelle der Neid, habe ich heute  früh auf "Ein Buch lesen!" vollständig zitiert und das nicht ohne Grund.

Ich stimme mit Dr. Todenhöfer überein, dass es wichtig ist, ein tugendhaftes Leben zu führen, ein Leben jenseits von Lieblosigkeit, Rachsucht, Geiz, Verschlagenheit, Feigheit,  Eitelkeit  Habgier, Neid  und all den anderen Totengräbern einer humanen Gesellschaft.

Empfehlenswert.

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Rezension:WageMutige Frauen: 16 Porträts aus drei Jahrhunderten (Broschiert)

Der Psychologe Dieter Wunderlich stellt in seinem Buch 16 Frauen vor, die sich durch bemerkenswerten Mut ausgezeichnet haben.

Die Rede ist von der Theaterreformerin Friederike Caroline Neuber (1697- 1760), der promovierten Ärztin Dorothea Erxleben (1765-1862), der Ballonfahrerin Wilhelmine Reichard (1788-1848), der Pionierin der Frauenbewegung Mathilde Franziska Anneke (1817-1884), der Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner, der Unternehmerin Margarte Steiff (1847- 1909), der Juristin Emilie Kempin -Spyri (1853-1901), der Bildhauerin Camille Claudel (1864-1943), der Begründerin des modernen Ausdruckstanzes Isadora Dunvan (1877- 1927), der Flugpionierin Amelia Earhart (1897-1937), dem Revuestar Josephine Baker (1906- 1075), der Regierungschefin Indira Gandhi (1917-1984), der Gründerin eines Erotikkonzerns Beate Uhse (1919-2001), der Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner ( geb. 1947) und der Stierkämpferin Christina Sanchez (geb. 1972).


Beeindruckt bin ich vor allem von Dorothea Erxleben. Diese war die erste und eineinhalb Jahrhunderte auch die einzige Ärztin in Deutschland, die ihren Beruf offiziell ausüben durfte und Bertha von Suttner, die mit ihrem Roman "Die Waffen nieder" im Alter von sechsunvierzig Jahren zur Symbolfigur der Friedensbewegung wurde. Als erste Frau erhielt sie den Friedensnobelpreis.


Hochinteressant sind die knappen Lebensdarstellungen von Margarete Steiff, die durch eine Kinderlähmungserkrankung gehunfähig wurde, aber dennoch im Alter von dreißig Jahren ein rasch expandierendes Stofftier-Unternehmen gründete und von der promovierten Juristin Emilie Kempin-Spyri, die in New York eine Rechtsschule gründete und als erste Frau an der dortigen juristischen Fakultät der Universität dozierte. Wieder zurückgekehrt in die Schweiz zerbrach die Juristin an den gesellschaftlichen Vorurteilen. Man verhinderte erfolgreich ihre Zulassung als Anwältin, weil sie eine Frau war.


Gertrud Bells Kenntnisse der arabischen Welt erlaubten es ihr zwischen den Ländern Vorderasiens und dem Westen zu vermitteln, ebenso wie es T.E Lawrence tat, mit dem sie befreundet war. Sehr ungewöhnlich für eine Frau in jenen Jahren!


Wagemutig war auch Beate Uhse, die in der Nachkriegszeit eine dreiseitige Erläuterung der Knaus- Ogino-Methode zur Geburtenkontrolle drucken ließ und damit einerseits zur Geburtenkontrolle, anderseits aber auch zum unverkrampften Liebesspiel beitrug und schließlich das Fundament für ihren Erotik-Versandhandel schuf.


Alle vorgestellten Damen sind ihren eigenen Weg gegangen und haben selbstverständlich davon abgesehen, ihren Geschlechtsgenossinnen die Augen auszuhacken. Sie hatten es nicht nötig, denn sie besaßen genügend eigenes Können und dazu noch Mumm um ganz ihre Frau zu stehen. Neid war ihnen, wie allen fähigen Menschen, fremd.



Empfehlenswert!


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Rezension: Portrait eines glücklichen Menschen. Der Gärtner von Versailles.: Der Gärtner von Versailles. Andre Le Notre 1613 - 1700

Der Gartenbau-Architekt Andre Le Notre verfügte nicht nur über breitgefächerte Kenntnisse in der Botanik, sondern hatte sich auch mit Mathematik, speziell mit der Geometrie auseinandergesetzt, bevor er die Menschen mit seinen kreativen Schöpfungen erfreute.

Wobei der so genannte "goldene Schnitt" die Grundlage bildete für all seine genialen, auf Harmonie angelegten Gartenkonzeptionen, die in den Parkanlagen von Versailles schließlich ihre Vollendung gefunden haben.

Erik Orsenna führt den Leser an alle wesentlichen Wirkstätten des bedeutenden Meisters.

Beginnend mit dessen erstem großen Wurf, der Parkanlage von Schloss Vaux, welcher auf Betreiben Ludwig XIV zum Aufstieg Le Notres führte, verdeutlicht der Autor das herausragende Können dieses Vegetationsenthusiasten.

Nachdem Le Notre in "Vaux" bewiesen hatte, was er konnte, wird er "Zeichner der königlichen Gärten" und "Kontrolleur der Gebäude". Als enger Berater des schnell gelangweilten Sonnenkönigs erfreut er diesen durch fortwährend visuelle Veränderung der von ihm kreierten Gärten. Seine einzigartigen Gemälde aus Boskette, Springbrunnen und Skulpturen machen Le Notre berühmt in ganz Europa. Doch bleibt sein primäres Aktionsfeld Frankreich und man liest von vielen alten Schlössern, wie etwa Fontainebleau oder Saint - Germain, denen er seinen floralen Stempel aufgedrückt hat. Le Notre hat die französischen Gärten verändert und so den "Französischen Garten" gestaltet. Auf diese Weise hat der Mann mit dem grünen Finger wohl nicht nur seinen König glücklich gemacht.

Orsenna spürt im vorliegenden Text der farbigen Fülle nach, welche Le Notres Schöpfungen zu Lebzeiten des Sonnenkönigs in weitaus größerem Maße hatten als heute und verschafft dem interessierten Leser durch seine pythagoräischen Impressionen ein paar durchaus angenehme Stunden.

Vor dreihundertdrei Jahren verstarb Andre le Notre. Vieles spricht dafür, dass der große Gartengestalter tatsächlich ein so glücklicher Mensch war, wie Ludwig XIV es von ihm annahm.


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Rezension: Alles, was ich in der Welt verlange. Das Leben der Johanna Schopenhauer

Schauplätze dieses Buches sind in erster Linie Danzig, Hamburg, Weimar und Bonn. Dort nämlich hat Johanna Schopenhauer gelebt. Diese Frau war eine Zeitgenossin Goethes. Der von ihr verehrte Dichterfürst gehörte dem engeren Kreis der hochkarätigen Gäste ihres weltberühmten Salons an.

Wer war diese, von so vielen klugen Personen geschätzte Dame? Carola Stern spürt der Frage nach und malt ein farbintensives Bild von ihrer Protagonistin, welches so nur entstehen konnte, weil die Autorin sich eingehend mit Fakten und Anekdoten zur beschriebenen Person auseinandergesetzt hat.


Ihrem doppelt so alten Ehemann gegenüber, den die wissbegierige Johanna mit achtzehn Jahren aus Vernunftsgründen heiratet, fühlt sie sich durch die Liebe zur Kunst und Literatur, sowie durch die Neigung gegenüber den Idealen der französischen Revolution verbunden. Der sehr begüterte Großkaufmann bereist gemeinsam mit seiner jungen Gemahlin viele Städte Europas, um seine Handelsgeschäfte vor Ort erfolgreich zu betreiben und sich kulturhistorisch zu bilden.
Wir erfahren von Stern, dass Johanna Schopenhauer, während dieser Reisen nie am üblichen Damenprogramm teilnimmt, sondern aufgeschlossen, an der Seite ihres Mannes neue technische Errungenschaften kennenzulernen sucht. Dennoch bewegt sich ihr inneres Verhältnis zu Heinrich Floris Schopenhauer auf dem "schwierigen Grat zwischen Resignation und Eigensinn." ( Was dies bedeutet, führt die Autorin im Einzelnen näher aus). Das Verhältnis zu ihren beiden Kindern Adele und dem späteren Philosophen Arthur ist, wie Stern berichtet, unterkühlt.


Johannas Gatte, der in Hamburg Selbstmord begeht, macht sie zunächst zur reichen Witwe, die sich in der Folge alsbald ein freies, großzügiges Leben gestattet. Die Vierzigjährige mietet im "Athen des Nordens", in Weimar also, nicht weit von Goethes Wohnhaus entfernt, eine standesgemäße Wohnung an und beginnt ihr neues Leben. Sie gewinnt Freunde, wie etwa den Gelehrten Fernow, den Schriftsteller von Gerstenbergk und schließlich den Theaterleiter Carl von Holtei. Christiane, die vielgeschmähte Gattin Goethes wird von ihr zum Tee gebeten. Durch diese Geste erwirbt sich Madame Schopenhauer das Wohlwollen des großen Dichters, als dessen kritiklose Verehrerin sie sich zeitlebens zeigt. Johanna beginnt zu schreiben, Romane, kunsthistorische Werke, Reiseberichte. Sie wird zur vielgelesenen und bekanntesten Schriftstellerin ihrer Zeit. Mittels Schreiben finanziert sie schließlich ihr Leben und das Leben ihrer Tochter, nachdem sie durch Misswirtschaft des Danziger Bankhauses Muhl nahezu ihr gesamtes Vermögen verloren hat. Zu diesem Zeitpunkt hat die resolute Mutter den Kontakt zu Sohn Arthur, dem galligen Frauenfeind, bereits abgebrochen.


Nicht zuletzt aufgrund der allgemeinen Teuerung zieht sich Johanna, wenige Jahre vor Goethes Tod, nach Unkel am Rhein und später nach Bonn zurück, wo sie fortwährend bemüht ist, ihrem Verleger Brockhaus Vorschüsse für noch nicht geleistete Arbeit zu entlocken. Die Autorin verweist auf Johannas "erstaunlichen Geschäftssinn", der sich "besonders im Umgang mit Verlegern" äußert. Aber "Madame Schopenhauer kann nicht haushalten, nicht von ihren Ambitionen lassen, sich nicht eingestehen, dass sie dabei ist, arm zu werden, und stürzt sich und ihre Tochter in immer höhere Schulden". Am Ende ihres Lebens lässt sich Johanna Schopenhauer in Jena nieder. Weimars Großherzog Karl-Friedrich gewährt der alten Dame, nach entsprechenden Bittgesuchen, eine Pension, die es der einst wohlhabenden Kaufmannstochter erlaubt, einigermaßen standesgemäß ihre letzten Jahre zu verleben....


Ein hervorragendes Buch, das nicht nur die Zeit der Weimarer Klassik wieder aufleben lässt, sondern auch Einblicke gibt in das Kaufmannsleben der alten Hansestädte Danzig und Hamburg, unmittelbar vor der Industrialisierung. Johanna Schopenhauer kannte viele bedeutende Zeitgenossen, war allem Kulturellen und Intellektuellen gegenüber äußerst aufgeschlossen. Fremd blieben ihr einzig ihr Sohn und dessen Philosophie. Arthur Schopenhauer hat sich allerdings auch alle Mühe gegeben, das Verhältnis zu seiner Mutter denkbar negativ zu gestalten und ihr den Zugang zu ihm und seinem Denken zu versperren!


Letzte Anmerkung: Die allen Kapiteln des Buches vorangestellten Scherenschnitte visualisieren auf subtile Weise die Welt der Empfindungen in jener Zeit!


Im Buchhandel erhältlich.

Rezension:Leidenschaft: Goethes Weg zur Kreativität: Eine Psychobiographie (Taschenbuch)

Der Facharzt für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Prof. Dr. Rainer M. Holm-Hadulla lehrt an der Universität Heidelberg. Ferner ist er als Psychoanalytiker tätig und berät Wissenschaftler, Künstler, Unternehmer und Politiker.

In der vorliegenden Psychobiographie geht Holm-Hadulla der Frage nach welche Umstände die überbordende Kreativität Goethes auslösten und immer wieder gefördert haben. Der Psychotherapeut lotet das gesamte Leben, aber auch viele der Werke des Dichters diesbezüglich aus und kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen.


Abgeleitet ist das Wort Kreativität von dem lateinischen Wort "creare", das "schaffen, erzeugen, gestalten" bedeutet. Holm-Hadulla hält fest "Kreativ kann eine begabte Person sein, wenn sie sich auf einem erfolgversprechenden Gebiet und in einem fördernden soziokulturellen Kontext produktiv betätigt."


Der Autor nennt fünf Bedingungen für Kreativität - Begabung, Wissen, Motivation, Persönlichkeit sowie Umgebungsbedingungen - und geht im Einzelnen auf diese Bedingungen näher ein.


Begabungen lassen sich aufgrund der modernen Intelligenzforschung in sieben Bereiche untergliedern: sprachlich, logisch-mathematisch, musikalisch, körperlich - kinästhetisch, räumlich, interpersonal und intrapersonal.


Neben den intellektuellen Begabungen sind bestimmte Denkstile günstig für die Kreativität und zwar solche die flüssig, assoziativ, divergent und originell sind.


Handwerkliches und intellektuelles Wissen bilden die Voraussetzungen Informationen neu und originell zu kombinieren.


Sollen aus Begabungen kreative Produkte entstehen, sind verschiedene Motivationen erforderlich. Holm-Hadulla nennt drei Faktoren: Neugier, Interesse und Ehrgeiz.


Der Wissenschaftler begreift Neugier als einen Ausdruck von Lebendigkeit. Er macht deutlich, dass sie nur dann zu kreativen Leistungen führt, wenn ausreichend Sicherheit in der Person und ihrer Umgebung vorhanden ist. Interesse definiert der Autor als Bedürfnis und Fähigkeit, sich von einer Sache völlig gefangen nehmen zu lassen. Ehrgeiz schließlich ist das Streben nach Anerkennung.


Holm-Hadulla nennt in der Folge Persönlichkeitseigenschaften, die mit Kreativität assoziiert werden: "Flexibilität, Originalität, Selbstvertrauen, Widerstandsfähigkeit, Authentizität und Transzendenz."


Transzendenz, gemeint ist die Realisierung von Werten, die außerhalb egoistische Bedürfnisse liegen, ist nach Meinung des Professors die wesentliche Vorraussetzung der Kreativität. Ferner spielen bei allem kreativitätsfördernde Entwicklungsbedingungen eine Rolle.


Holm-Hadulla untergliedert Leben und Werk Goethes in die Abschnitte: Kindheit und Jugend: Frankfurt 1749-1765, Leipziger Studentenkrise 1765-1768, Rückkehr ins Elternhaus 1768-1770, Flucht vor der Liebe: Straßburg 1770-1771, Frankfurter Refugium 1771-1772, Leidenschaft und Entsagung: Wetzlar 1772, Frankfurter Geniezeit 1772 -1775, Goethes Konflikte im Spiegel seiner frühen Dramen, Zeit der Reife: Weimar 1775-1786, Neugeburt in Italien 1786-1788, Die große Liebe: Weimar 1788-1806, Politische Veränderungen und neue Leidenschaften, 1806-1821 (Wilhelmine , Silvie, Marianne), Späte Liebe , Alter und Abschied 1821-1832 und subsumiert die Sachverhalte den Kriterien der Kreativität gemäß.


In seiner Psychobiographie verdeutlicht der Autor schrittweise die kreative Selbstwerdung des Dichters. Er schreibt von Ängsten, Verzagtheiten und quälenden Minderwertigkeitsgefühlen in dessen Jugend, dessen Beziehung zu den Eltern, der Schwester Cornelia und den Jugendfreunden.


Thematisiert wird die Art des Umgangs mit traurigen Ereignissen bei Goethe, die sein ganzes Leben charakteristisch für ihn war. Immer wieder kann man Rückzug, intellektuelle Beschäftigung und Selbstversenkung, die gefühllos erscheinen konnte, wie Holm-Hadulla treffend bemerkt, feststellen, allerdings aber auch die Suche nach Alternativen, wie Lesen, Denken und Phantasieren.


Man liest von Goethes erster Liebe und allen Frauen, die besagtem Gretchen folgten. Stets hat der Dichter Liebesbeziehungen idealisierend überhöht und sich dann nicht selten entschlossen abgewandt, um so letztlich Stoff für seine Dichtungen gewonnen. Abermals und abermals zieht er schöpferische Energie aus Enttäuschung und Zurückweisung und setzt dies in schriftstellerische Arbeit um.


Der Psychiater konstatiert, dass Frauen wie Gretchen, Kätchen Schönkopf, Friederike Brion, Charlotte Buff, Frau von Stein, Marianne Willemer und Ulrike von Levetzow zum Projektionsschirm für Gefühle und Ideen wurden. Goethe soll sich in diesen Damen gespiegelt und die Empfindungen seiner Geliebten aufgenommen haben und auf diese Weise bereichert zu sich zurückgekehrt sein.


Holm-Hadulla macht den Leser mit dem Begriff des poetischen Selbst vertraut. Poetisch kann man nach seiner Auffassung ein Selbst nennen, das sich im Sinne der griechischen Auffassung von "poiein" (machen, gestalten, schöpferisch tätig sein) in einem kreativen Prozess der Selbstfindung und Selbstverwirklichung befindet.


Aus psychologischer Sicht erfüllen Goethes Dichtungen die Funktion ein kohärentes und wirksames Selbst poetisch zu erzeugen.


Professor Holm- Hadulla hält fest, dass die Dichtung zunächst ungestaltete Sinneseindrücke, körperliche Empfindungen, bewusste und unbewusste Beziehungserfahrungen lebbar und damit erst wirklich machten. Weiter lässt der Psychotherapeut seine Leser wissen, dass das poetische Selbst erst dann zur vollen Entfaltung gelangt, wenn es von anderen wahrgenommen wird. Stets aufs Neue zeigt sich, - der Autor dokumentiert dies breitgefächert-, dass die poetische Selbstverwirklichung dem Dichter über viele Lebenskrisen half, wie etwa solche in seinen Jugendjahren, ausgelöst durch Friederike und Lotte.


Sehr gut analysiert sind die psychologischen Hintergründe, die zu seinem Roman "Werther" führten.


Erwähnt werden muss, dass für die Arbeiten des Dichters nicht nur seine melancholischen Stimmungen, sondern auch seine Hochgefühle von Bedeutung waren.


Anhand vieler Beispiele wird die Wechselwirkung zwischen Goethes Leben und poetischer Umsetzung, denn um eine solche ging es, sehr erhellend dargeboten.


Gedichte, Dramen, seine Romane werden thematisiert und erwartungsgemäß wird das Verhältnis zu Charlotte von Stein unter psychologischen Gesichtspunkten fokussiert, an die ihn eine geheimnisvolle Seelenverwandtschaft band. Da im realen Leben die beiden sich nicht traumverloren hingeben konnten, fand Goethes poetische Selbst einen Weg in seiner Dichtung seine Träume und Sehnsüchte auszudrücken und die Phantasien "abgelebter" Zeiten neu zu erleben.


Nicht immer gelang es Goethe mittels seines poetischen Selbst seine Konflikte zu lösen, wie sich an den Motiven seiner italienischen Reise zeigt. Hier nämlich war die Spannung zwischen künstlerischem Gestaltungsdrang und konventioneller Pflichterfüllung im Vorfeld so groß geworden, dass sie eine räumliche Veränderung herbeiführte.


Im Rahmen seiner Italienreise liest man von Goethes Sexualität. Hier unterstreicht Holm-Hadulla, dass Goethe ihr immer aufgeschlossen gegenüberstand und von daher die Vorstellung, dass der Dichter das erste Mal während der Italienreise einen Koitus erlebt habe, nicht plausibel ist. Zudem belegt der Autor, dass regelmäßiger Geschlechtsverkehr der Schaffenskraft Goethes augenscheinlich zuträglich war.


Sehr interessant auch sind die Interpretation der Liebesbeziehung zu Christiane Vulpius und die intellektuelle Freundschaft zu Schiller. Deutlich wird, dass für Goethes Kreativität Lehrer, Freunde und geliebte Frauen, denen er sich offenherzig anvertraute, von größter Bedeutung waren. Schreiben war für Goethe eine Art Selbsttherapie. Emotionale Krisen waren Anlass und Nahrung für kreative Bewältigungsbemühungen. So wäre ohne die unglückliche Beziehung zu Lotte vermutlich nicht "Werther" entstanden und ohne die unausgelebte Beziehung zu Marianne von Willemer hätte es keinen "West-Östlichen Divan" gegeben.

Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.




Rezension : Genie und Popstar

"Am Anfang gehören alle Gedanken der Liebe. Später gehört dann alle Liebe den Gedanken." (A. Einstein)

Dies ist nicht die erste Rezension, die ich zu einer Biographie über Albert Einsteins Leben und Wirken schreibe und das finde ich interessant, weil es mir die Möglichkeit eines Vergleichs erlaubt. Das vorliegende Buch kommt meiner Neugierde entgegen, weil es neben inhaltlich sehr gehaltvollen Texten, viele Bilder und Fotos, aber auch Kopien von Original-Dokumenten, darunter diverse Briefe des Genies enthält.


Bevor ich die Biografie zu lesen begann, machte ich mich erst einmal an seinem Zeugnis zu schaffen. In allen mathematischen Fächern war der Hochbegabte ein Überflieger. Die französische Sprache schien ihm wenig Spaß zu machen, aber er zeigt durch seine Note in Geschichte, dass er sich schon früh auch für Gesellschaft und Politik interessierte und zeigt weiter, dass er Geografie ein bisschen schleifen ließ. Albert Einsteins Zeugnis dokumentiert, dass er kein Ehrgeizling war, sondern ein Hochbegabter, der Freude an Erkenntnis hatte. Auswendiglernen war seine Sache nicht, sondern stattdessen das Begreifen von Inhalten.


Ein schreibmaschinengeschriebener Brief an Roosevelt interessiert von seinem Inhalt her, seine handschriftlich verfassten Briefe machen nicht nur neugierig auf den Inhalt, sondern auch auf das Schriftbild. Einsteins Schrift ist schön gleichmäßig und zeugt von einem klaren Verstand. Er verschreibt sich nicht selten, weil er mit seinen Gedanken schon ein Stück weiter ist, streicht wild in seinen Sätzen herum, fügt Worte im Nachhinein ein, die es versehentlich nicht vor seinem Kopf aufs Papier geschafft haben. Bei Pedanten lösen seine Briefe vermutlich eine Kopfkrise aus.:-)) Inhaltlich bestätigt alles, was er sagt seine Geistesgröße. So schreibt er in einem Brief: "Wenn es sich um Wahrheit und Gerechtigkeit handelt, gibt es nicht die Unterscheidung zwischen kleinen und großen Problemen (...)Wer in kleinen Dingen die Wahrheit nicht ernst nimmt, dem kann man auch in großen Dingen nicht vertrauen." Das Originaldokument seiner "Allgemeinen Relativitätstheorie" ist auch eingeklebt. Die Aufzeichnungen umfassen sechs Seiten.

Arbeit und Schaffen ist im Buch untergliedert in:


Frühe Jahre


Schweizer Jahre


Berliner Jahre


Jahre in Princeton


Zunächst thematisiert Walter Isaacson, wo die Physik zu Ende des 19. Jahrhundert stand, skizziert kurz die Theorien Isaac Newtons und die Gedanken James Clerk Maxwells, bevor er sich mit der Geburt und Kindheit Albert Einsteins näher befasst. Man erhält einen visuellen Eindruck von Albert Einsteins Geburtshaus in Ulm, von seiner Mutter und von ihm mit seiner kleinen Schwester als sehr süßen Knaben. Anzumerken gibt es, dass er seine geliebte Schwester nach deren Schlaganfall im Jahre 1948 pflegte und ihr allabendlich aus Don Quixote aber auch esoterischen altgriechischen Büchern vorlas.

Geboren wurde Einstein am 14.3.1879 um 11.30 Uhr in Ulm. Man erfährt, womit er als Kind gerne spielte und auch, dass er sich bis ins hohe Alter seine kindliche Begeisterungs- und Verwunderungsfähigkeit bewahrte. Schon als Kind versuchte er sich Sachverhalte bildlich vorzustellen und war rebellisch genug, jede Erkenntnis zu hinterfragen.

Man liest von seiner Beziehung zur Musik, von seiner Schulzeit, auch welche Bücher er als Jugendlicher las und man wird über sein familiäres Umfeld, seine Skepsis gegenüber erlerntem Wissen, seine latente Aufsässigkeit, die schließlich Ursache war, die Schule zu wechseln, informiert. Im Sommer 1895, also im zarten Alter von nur 16 Jahren schrieb er übrigens seine erste physikalische Abhandlung. Ein Jahr später machte er in Aarau sein Abitur, das im Gegensatz zu den Legenden, die im Umlauf sind, sehr gut war.

Man liest von Mileva Maric, seiner ersten Frau, die wie er am Polytechnikum in Zürich studierte und von der jungen Liebe der beiden. Nett, dass man eine alte Ansichtskarte beigelegt hat, die Mileva an Einstein einst schrieb. Mileva und Albert waren Seelenverwandte und sollen sich sowohl intellektuell als auch spirituell von einander angezogen gefühlt haben.

Einsteins Zeit am Patentamt in Bern kommt zu Sprache. Es werden ganz kurz David Humes Theorien gestreift, weil Hume nach Einsteins Aussagen einen großen Einfluss auf sein Denken hatte. Auch Ernst Machs Theorien kommen zur Sprache und zwar weil dieser Wissenschaftler den Empirismus Humes noch ausbaute.

In der Folge wird Einsteins Quantentheorie und seine Relativitätstheorie thematisiert. Diese hier in wenigen Worten wiedergeben zu wollen, maße ich mir nicht an. Mögen sich andere mit einem solchen Ansinnen lächerlich machen. Ich verzichte darauf.


Einsteins Genialität zeichnete sich nicht zuletzt dadurch aus, dass er sich auf völlig unterschiedliche Themen zugleich konzentrieren konnte. So soll er als er über die Brownsche Molekularbewegung nachgedacht hat, zeitgleich eine Theorie mit weitreichenden Folgen für die Bewegung und Geschwindigkeit von Licht ersonnen haben.


Mit fetten Lettern im Buch wird man auf folgende Tatsache aufmerksam gemacht: "Einsteins Stärke als Wissenschaftler war sein Nonkonformismus. Seine Weigerung, Autoritäten oder Konventionen anzuerkennen, spiegelt auch in seiner politischen Haltung und in seinem Privatleben wider".

Seine Scheidung und seine zweite Ehe werden im Buch nicht ausgespart. Sein Brief an Mileva in diesem Zusammenhang ist sehr aufschlussreich und macht deutlich, dass selbst Seelenverwandte sich nicht zwingend ein Leben lang verstehen müssen.

Aufgezeigt werden in der Folge seine wissenschaftliche Karriere und in diesem Zusammenhang der Nobelpreis, der ihm 1921 verliehen wurde. Er erhielt den Nobelpreis für seine Leistungen in der Quantentheorie, nach der Licht und jegliche Strahlungsenergie aus einzelnen Teilchen bestehen.

Einstein und die Religion ist ein weiteres Thema dieses Buches, auch sein Humanismus und die großen Probleme, die die Nazis Einstein machten, weil er jüdischer Herkunft war. Einstein korrespondierte u.a. mit Freud und verließ im Alter von 54 Jahren im Oktober 1933 Deutschland, um seine wissenschaftlichen Arbeiten in Princenton fortzusetzen. Der Parzifist Einstein rückte aufgrund der Gräueltaten der Nazis vom Pazifismus ab. Weshalb das so war, wird gut nachvollziehbar dargestellt.

Der Humanist Einstein war davon überzeugt, dass eine globale Regierung die einzige Chance zur Rettung der Menschheit war, weil er wusste, dass sich selbst überlassene Staaten weiterhin aufrüsten würden und das Spannungen unvermeidlich zu Weltkriegen führen müssten.


Ich möchte an dieser Stelle nicht das ganze Buch wiedergeben und habe von daher auch nicht Einsteins Zeit am Max-Planck-Institut in Berlin beschrieben. Auch werde zu seinen letzten 22 Lebensjahren und seinem Engagement in punkto Bürgerrechte keine näheren Ausführungen machen, weil dies den Rahmen der Rezension, was den Umfang anbelangt, einfach sprengen würde.


Ein gelungenes Buch, das mir den Menschen Einstein sehr nahe bringt, in dessen Briefe ich mich gerne vertiefe, besonders in jene, in denen er seine politischen Überlegungen bekundet.
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.


Sehr empfehlenswert.

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