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Rezension: Fliegen kann jeder- Günther Maria Halmer- C. Bertelsmann

Die spannend zu lesende Biographie "Fliegen kann jeder" stammt aus der Feder des Schauspielers Günther Maria Halmer. Seine Lebensgeschichte zeigt einerseits, dass vieles im Leben dem Zufall geschuldet ist. Es zeigt aber auch, dass man nur dann wirklich erfolgreich sein kann, wenn man seinen Gaben gemäß lebt, tätig ist und auch etwas wagt. 

Günther Maria Halmer, ein lebenserfahrener und dabei sehr nachdenklicher Mensch ist klar, dass die Umstände das Ich formen.

Wie kam es dazu, dass Halmer zu dem Mensch wurde, den man spontan mag, weil er Authentizität, leichte Ironie und viel Liebenswürdigkeit ausstrahlt? 

Halmers Kindheit und Jugend lassen nicht erkennen, dass er später einmal ein berühmter, weltoffener Schauspieler werden würde. Seine Mutter- sieben Jahre älter als sein Vater- brachte den Knaben im Alter von 37 Jahren zur Welt. Vorgezeichnet war ihm von seiner Herkunft her ein anderer Weg als jener, den er dann tatsächlich ging. Das Einzelkind mit sehr strengem Vater sollte promovierter Jurist werden. Halmer war allerdings zu  renitent und zu freiheitsliebend, um sich seinem Vater und den Lehrern seiner Generation zu unterwerfen. Der Klassenclown verließ das Gymnasium vorzeitig, begann verschiedene Ausbildungen, die nicht zu ihm passten, besuchte eine Sprachenschule, auch die Hotelfachschule, wurde sogar Minenarbeiter in Kanada, bis er schließlich aufgrund eines zufälligen Gesprächs mit einem dortigen Kollegen entdeckte, was seine Bestimmung war: den Beruf des Schauspielers zu ergreifen. 

Halmer ist 24 Jahre alt als er 1967 die Aufnahmeprüfung in der Otto Falckenberg Schule, der– Fachakademie für darstellende Kunst der Landeshauptstadt München besteht und nun die Anerkennung findet, die ihn zu dem macht, was in ihm von Anbeginn an schlummerte.  Es ist ebenso spannend für den Leser diese Entwicklung nachzuvollziehen wie zuvor es sehr lesenswert war,  zu erfahren, was einen wirklich resilienten Menschen ausmacht. Nach so vielen Misserfolgen sich wieder aufzurichten und hoffnungsfroh weiterzugehen, gelingt nicht jedem, wie man weiß. 

Für Halmer steht fest, dass seine Aufnahme in die berühmte Falckenberg-Schule- trotz mittelmäßigem Vorsprechen - mit seinen Erfahrungen im Bergwerk in Kanada zu tun hatte und dass sein gesamtes Vorleben sich schon damals in seiner Persönlichkeit ausdrückte. 

Der Schauspieler erzählt in der Folge von seinem Berufsleben und seinen Rollen, aber auch von seiner Beziehung zu seiner Frau, die er im Alter von 27 Jahren kennenlernte und mit der er schon über 40 Jahre glücklich verheiratet ist. Seine Claudia, Schauspielerin wie er und Mutter seiner beiden Söhne, ist und war ihm stets eine große Stütze und der Mittelpunkt seines Lebens, lässt er seine Leser wissen. Es sei ihre Herzensbildung, ihre Weitsicht und ihre Vernunft, die ihn im Laufe der Ehe haben milder werden lassen. Vormals nämlich hätten seine Renitenz und seine Sturheit viel zerstört und er habe aufgrund dieser Ecken und Kanten immer wieder Menschen vor den Kopf gestoßen. 

Sehr interessant sind natülich Halmers Erinnerungen an sein Schauspielerleben. Viele kennen Günther Maria Halmer als tollen Mimen in Fernsehfilmen, doch nicht jeder weiß um seine Rollen in Spielfilmen wie etwa "Gandhi", wo er die Rolle des Dr. Kallenbach mimte oder auch in "Sophies Entscheidung", wo er  u.a. die Rolle des Auschwitz-KZ-Lagerkommandanten Rudolf Höss spielte, während Meryl Streep die Rolle der Jüdin Sophie übernahm. 

Halmer berichtet nicht nur von seinen Filmen, seinen Regisseuren und seinen Schauspielerkollegen, sondern auch von seinen Gefühlen, die mit einzelnen Rollen verbunden waren und von den Eindrücken in den Ländern, in denen Filme gedreht wurden,  so auch in der Sowjet-Union. Dort mimte er  in "Peter der Große" die Rolle von Peter Tolstoi, während Maximilian Schell die Rolle von Peter dem Großen spielte.

Von 1988 bis 2001 spielte er in  20 Folgen der Serie "Anwalt Abel" die Hauptrolle. An diese wunderbaren Fernsehfilme dürften sich noch viele erinnern. Doch das Buch eröffnet dem Leser eine viel breitere Sicht auf diesen vielfältig begabten Schauspieler, der ein brillanter Erzähler ist und auf diese Weise seine Leser bis zur letzten Seite zu fesseln weiß. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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