Dieses Blog durchsuchen

Rezension: Lyonel Feininger- Christiane Weber

Gestern schrieb ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" in der Rubrik "Gedanken zur Ethik und Kultur“ anlässlich des 144. Geburtstags von Ernst Barlach einen kleinen Beitrag, um an diesen, durch die Nazis verfemten Künstler zu erinnern.

Was hat Barlach mit Feininger gemeinsam?

Auch Feiningers Werke galten bei den Nazis als "entartet“, auch dieser Künstler war verfemt. 

Von dem Kubisten Lyonel Feininger (1871- 1956) hörte ich erstmals im Alter von 20 Jahren. Eine Journalistin aus Weimar, die in Darmstadt lebte, berichtete mir von diesem Künstler, den sie sehr schätzte und schenkte mir ein Druck eines  seiner Ölbilder, das übrigens im vorliegenden Buch visualisiert worden ist. Es handelte sich dabei um eine Abbildung von Feiningers Ölgemälde mit dem Titel "Ober-Weimar" aus dem Jahre 1921. 

In der Einführung von Christiane Weber, sie ist Kulturredakteurin der Thüringischen Landeszeitung, erhält man einen Überblick bezüglich Feiningers Biografie. Der Künstler wurde in New York geboren, verbrachte jedoch den größten Teil seines Lebens in Deutschland. Ich möchte an dieser Stelle sein Leben nicht nacherzählen, wohl aber erwähnen, dass es seine 2. Frau war, die ihn nach Weimar führte, denn Julia Berg studierte dort an der Kunstgewerbeschule. 

1919, er und Julia hatten mittlerweile drei Söhne, ließ Feininger sich in Weimar nieder. Über seine Weimarer Zeit und über seinen weiteren Schaffensraum an der Ostsee sowie vieles andere mehr erfährt man in diesem reich bebilderten Buch, in dem auch immer wieder Zitate von Feininger eingebunden sind, die neben den Werksabbildungen und den alten Fotos diesen wunderbaren Künstler dem Leser besonders lebendig nahebringen.

Wenn Feininger ohne seine Familie in Weimar war, lebte er völlig für seine Kunst. Er erkundete mit seinem Fahrrad die Umgebung und hielt alles in seinen Bildern fest. Selbst in schwierigen Zeiten beharrte er darauf, seine Gabe in seinen Werken perfekt auszudrücken, weil die Kunst für ihn  nicht Luxus, sondern eine Notwendigkeit war.

Feininger malte Stillleben, Häuser, Landschaften, seltener Menschen, kannte viele berühmte Künstler und nahm gemeinsam mit den Protagonisten des Blauen Reiters 1913 auf Einladung von Franz Marc am "Ersten Deutschen Herbstsalon" in der Berliner Galerie "Der Sturm" teil.

Der Kosmopolit wurde 1919 zur Gründung des Staatlichen Bauhauses als erster Bauhaus-Meister von Walter Gropius nach Weimar berufen. Dort leitete er die Druckwerkstatt. Man staunt über die vielseitige Befähigung dieses Mannes, der anfänglich als Karikaturist gearbeitet hat und erst mit 36 Jahren überhaupt zur Malerei kam.

Nicht uninteressant für Reisende sind die letzten Seiten des Buches. Hier kann man sich auf den Spuren Feiningers durch Weimar und das Weimarer Land, an die Ostsee nach Usedom und auch nach Quedlinburg begeben und erfährt, was es dort im Hinblick auf den Künstler, zu besichtigen gibt.

1937 verließ Lyonel Feininger gemeinsam mit seiner bedrohten jüdischen Frau das braune Deutschland und ging in die USA. Seine Kunst galt bei den Nazis als entartet, ähnlich wie die Kunst vieler anderer hervorragender Künstler. 378 seiner Werke wurde konfisziert.

Wenn der Plebs regiert, ist kein Raum für Kunst und geistvolle Literatur. Das war in allen Zeiten so. Der zerstörungswütige Plebs strebt stets das Ende der Zivilisation  und  Kultur an. Das muss sich jeder der Kunst und Kultur verbundene Mensch klar machen. Deshalb gilt: 

"Kein Volk und keine Elite darf die Hände in den Schoß legen und darauf hoffen, dass im Ernstfall, im ernstesten Falle, genügend Helden zur Stelle sein werden.“ (Erich Kästner). Bereits Ovid ermahnte nicht grundlos: "Wehret den Anfängen". Insofern ist es wichtig an all die Verfemten  stets aufs Neue zu erinnern und frühzeitig  Zerstörern des "Guten, Wahren und Schönen"  das  Handwerk zu legen.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zur Weimarer Verlagsgesellschaft und können das Buch bestellen: http://www.verlagshaus-roemerweg.de/Weimarer_Verlagsgesellschaft/Seite_2.html. Sie können es aber auch  direkt beim Buchhändler  ordern.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen