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Rezension: Ricarda Huch- Die Summe des Ganzen- Leben und Werk. Katrin Lemke- Weimarer Verlagsgesellschaft

Die in  Jena lebende Autorin Katrin Lemke  recherchierte zu der Schriftstellerin #Ricarda_Huch (1864- 1947) im Deutschen Literaturarchiv Marbach, im Jenaer Stadtarchiv und in privaten Sammlungen. 

Auf der Innenseite des Klappentextes listet sie die Ehrungen ihrer Protagonistin auf, die  mit diesen auf beeindruckende Weise als eine der großen Gestalten der deutschen Literatur gewürdigt wurde.

Von Ricarda Huch, die um die Jahrhundertwende als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen galt, habe ich bislang nur ein Buch gelesen - "Der Fall Deruga"-, das mich damals sehr fasziniert hatte und  Ursache war, nun  diese Biografie zu lesen, die seitens Katrin Lemke anlässlich des 150. Geburtstages der vielgeehrten Schriftstellerin verfasst wurde.

Ricarda Huch  stammte aus einer niedersächsischen Kaufmannsfamilie und ist eine der ersten Frauen überhaupt, die  in Zürich studierte und promovierte. Zunächst  Lehrerin der deutschen Sprache, lebte sie später als freie Schriftstellerin an unterschiedlichen Orten.

Man liest von ihrer Liebe zu Richard Huch, dem Mann ihrer älteren Schwester. Diese Liebe war Anlass für das Studium in Zürich, um der unglücklichen Liebe zu entgehen und ihre intellektuellen Fähigkeiten, ihrer Lernfreude und ihrem Hunger nach eigener Charakterbildung und persönlicher Geltung Tribut zu zollen. Die junge Frau heiratete einen Zahnarzt in Wien, von dem die sich aber wieder trennte, um 1907 mit dem geschiedenen Mann ihrer Schwester die Ehe zu schließen, den sie noch immer liebte. Nach 20 Jahren des Getrenntsein finden die beiden zueinander, aber tief im Inneren misstrauen sie sich.

In ihrem erster Roman "Ludolf Ursleu, dem Jüngeren" thematisiert sie den Niedergang einer hanseatischen Patrizierfamilie. Lemke zitiert aus diesem Buch, wie auch aus anderen Huch-Texten, die aufzuzählen, nicht Gegenstand der Rezension sein kann. Ihr Interesse gilt  soviel nur: Luther, Nietzsche, Shakespeare, Keller, Fontane, Lassalle, Bakunin, der Heiligen Schrift und dem Romantischen Sozialismus.

Auf Seite 98 fand ich ein Gedicht von Ricarda Huch, das ich hier zitieren möchte, weil es Emotionen anspricht, die jeder der unglücklich geliebt hat oder liebt,  gewiss kennt:

"Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.“

Die vielen Fotos im Buch, die den Text begleiten, zeigen auch visuell den Werdegang dieser intelligenten, vielfältig interessierten Protagonistin, die mit dem philosophischen Essay "Urphänomene" eines ihrer letzten Bücher schrieb, in dem sie über die Quellen menschlicher Existenz nachdenkt. Dieses Buch habe ich mir vorgenommen im kommenden Jahr zu lesen und dazu auch eine Rezension zu verfassen. 

PS: In die, auf die aufklappbaren Buchdeckel eingebunden ist ein Stadtspaziergang durch Jena, der Bezug auf die Schriftstellerin nimmt und das nicht ohne Grund...

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag und können das Buch dort bestellen: http://www.verlagshaus-roemerweg.de/Weimarer_Verlagsgesellschaft/Katrin_Lemke-Ricarda_Huch-EAN:9783865397126.html. Sie können es aber auch bei ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

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